Autor:
Dr Franjo Komarica

  I. kapitel II. kapitel III. kapitel IV. kapitel V. kapitel VI. kapitel VII. kapitel VIII. kapitel IX. kapitel X. kapitel XI. kapitel  
Eine Auswahl der Dokumente des Bischofs und des bischöflichen Ordinariats von Banja Luka aus den Kriegsjahren 1991-1995


- III -
AN KIRCHLICHE WÜRDENTRÄGER


ÜBERFÄLLE AUF KATHOLISCHE GEISTLICHE, ORDENSSCHWESTERN UND GLÄUBIGE UND ANGRIFFE GEGEN KIRCHLICHE GEBÄUDE IM BISTUM BANJA LUKA
September 1991 bis März 1992

BOSANSKA GRADI©KA

Am 21. September 1991 in den Nachmittagsstunden (15.30-18.45 Uhr) wurden in der Pfarrgemeinde Bosanska Gradi¹ka das Pfarrhaus und die Pfarrwohnung durchsucht und der Pfarrer und das Pfarrpersonal körperlich schwer angegriffen. Wegen der ihm von Uniformierten zugefügten Verletzungen war der Pfarrer einen Monat lang nicht in der Lage, sein Amt auszuüben. In der Pfarrwohnung wurden viele Gegenstände schwer beschädigt.
In der Pfarrgemeinde wurden vier unschuldige Katholiken getötet, ob­wohl sie bei keiner der Parteien politisch oder militärisch engagiert gewesen waren, und zwei katholische Häuser wurden durch angebrachte Sprengladun­gen völlig zerstört.

 NOVA TOPOLA

Am 08. Oktober 1991 um 03.40 Uhr wurde die Pfarrkirche mit Granaten beschossen. Am Turm entstand ein großes Loch.
Am 30. Oktober 1991 um 23.10 Uhr wurden zwei Granaten auf die Pfarr­kirche abgeschossen. Es entstand großer Sachschaden am Eingang der Kirche.
Am 08. November 1991 erfolgte ein bewaffneter Angriff auf die Filialkirche in Æelinovac. Es entstand geringerer Sachschaden.
Am 11. November 1991 erfolgte ein bewaffneter Angriff auf das Kloster der ehrwürdigen Schwestern in Nova Topola. Es wurden Fenster beschädigt, und einige Tage später wurden diese Fenster mit Steinen vollständig zertrüm­mert.
Am gleichen Tage wurde zwischen ein Haus und die Kirche eine Handgranate geworfen.
Am 14. Dezember 1991 wurde die Eingangstür der Pfarrkirche aus einer Handfeuerwaffe beschossen.
Am 27. Dezember 1991 gegen 19.00 Uhr erfolgte eine starke Schießerei in der Umgebung des Klosters der ehrwürdigen Schwestern. Einige Geschosse durchschlugen die Tür sowie Fenster.
Am Neujahrstag wurde in der Umgebung mit Waffen aller Art geschos­sen. Es wurde sogar eine 50 cm dicke Mauer durchschossen.
Am 21. Februar 1992 wurde in der Umgebung der Kirche und des Klo­sters mit Schnellfeuerwaffen geschossen. Einige Geschosse trafen das Kloster. In der gleichen Nacht wurden auf die Kirche zwei Granaten abgefeuert.
Am 28. Februar 1992 um l8.30 Uhr wurden die Fensterscheiben der Ve­randa des Klosters mit Steinen zertrümmert.
Am 01. März 1992 wurden vier Fenster des Klosters mit Steinen beworfen.
Am 05. März 1992 wurde festgestellt, daß auf eine Mauer des Wirtschaftsgebäudes häßliche und drohende Worte geschrieben waren. 

BOSANSKI ALEKSANDROVAC

Am 18. September 1991 um 21.15 Uhr wurde auf die Klostergebäude geschossen.
Am 20. September gegen 21.30 Uhr wurde aus einer Schnellfeuerwaffe geschossen und es wurden enige Leuchtraketen abgefeuert. Die Fassade der Pfarrkirche wurde beschädigt.
Am 30. September 1991 gegen 17.00 Uhr wurden von der Landstraße Banja Luka - Bosanska Gradi¹ka her von einem Militär - Lkw drei Geschosse auf die Kirche und das Kloster abgefeuert. Ein Geschoß durchschlug eine Balkon­tür.
Am 02. Oktober 1991 gegen 17.00 Uhr wurde auf das Kloster geschos­sen, wobei Fensterscheiben durchschlagen wurden. In derselben Nacht um 23.30 Uhr brach in der Umgebung des Klosters und der Kirche eine große Schießerei aus. Es wurden die Mauern und das Dach der Kirche und des Klosters beschä­digt.
Am 30. Oktober 1991 gegen 22.00 Uhr und um 01.15 Uhr wurde auf die Kirche geschossen. Dabei wurden Ziegel zertrümmert und Mauern beschädigt.
Am 04. November 1991 gegen 21.00 Uhr begann eine Schießerei, die bis 00.30 Uhr andauerte. Mauern und Fenster der Kirche wurden beschädigt.
Am 20. November 1991 wurde die Kirche mit Leuchtmunition beschos­sen. Die Fassade der Kirche wurde beschädigt
Am 02. Dezember 1991 um 16.00 Uhr wurde von der Landstraße nach Bosanska Gradi¹ka her aus einer Militärkolonne auf die Kirche geschossen. Einige Ziegel auf dem Dach der Kirche wurden zertrümmert.
Am 07. Dezember 1991 gegen 23.00 Uhr wurde aus einer Schnellfeuerwaffe geschossen. Ein Fenster des Klosters wurde zertrümmert.
Am 11. Dezember 1991 um 21.35 Uhr wurde das Haus, in dem der Pfar­rer wohnt, beschossen und die Fassade des Hauses beschädigt.
Am 03. Januar 1992 um 23.10 Uhr wurden einige Geschosse abgefeuert, wobei die Fassade des Pfarrhauses beschädigt wurde.
Am 08. Februar 1992 landen die Ordensschwestern neben der Stallung eine nicht explodierte Mine.
Gegen die Gläubigen werden ständig Drohungen ausgesprochen. 

MAHOVLJANI

Am 23. September 1991 gegen 03.00 Uhr wurden auf die Pfarrkirche drei Sprenggeschosse abgefeuert. Es entstand sehr großer Schaden an der gerade renovierten Kirche, und durch die Explosionen zerplatzten auch Glasscheiben der Pfarrkirche. 

TRN

Am 24. Oktober 1991 gegen 22.00 Uhr wurden ungefähr 20 Geschosse auf die Pfarrkirche und das Pfarrhaus abgefeuert. Einige Geschosse durchschlu­gen Fenster des Hauses, und nur dank eines göttlichen Wunders ist der Pfarrer, Bruder Bla¾ Markoviæ, dem ein Geschoß das Ohr streifte, nicht ums Leben gekommen. Die Fassaden der Kirche und des Pfarrhauses wurden beschädigt.

 DOLINA

Am 26. Februar 1992 wurde ein Haus in Brand gesetzt, und darin ist Ilija Marinoviæ verbrannt, dem, wie eine Kommission feststellte, zuvor der Kopf und die Extremitäten abgetrennt worden waren.
An drei Häusern katholischer Kroaten wurden Sprengladungen angebracht, und das Verschwinden einer Person ist noch immer nicht aufgeklärt.

PRNJAVOR

Am 18. Januar 1992 gegen 19.00 Uhr wurde Zdenko Èoliæ aus Drenova körperlich schwer mißhandelt. Das Geschehnis ereignete sich in der Nähe der Polizeiwache. Während ihn die Täter schlugen, nannten sie ihn einen Ustascha und beleidigten ihn mit Schimpfworten._
Am 05. Februar 1992 wurden auf dem Friedhof in Dolina rd. 10 Kreuze herausgerissen und herumgeworfen.

 GLAMOÈ

In der Nacht vom 31. Dezember 1991 auf den 01. Januar 1992 wurden zwei Fenster im oberen Bereich der Kirche /erschlagen.
Am 24. Februar 1992 gegen 15.40 Uhr lötete ein Reservist ohne jeden Grund den Arzt Dr. Alojzije Kelava. Dessen einzige "Schuld" war, daß er bei der Vorbereitung des von der Regierung von Bosnien und Herzegowina ausge­schriebenen Referendums mitwirkte.
Der Mörder wurde von einem Hubschrauber aus Knin abgeholt.

 Übermittelt an:
das Sekretariat der BK - Zagreb

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DER PFARRER VON GLAMOÈ, HOCHW. ZVONIMIR MATIJEVIÆ, WURDE KÖRPERLICH SCHWER MIßHANDELT UND WARTET IM KRANKENHAUS VON KNIN DARAUF, AUSGETAUSCHT ZU WERDEN
Schreiben an Franjo Kardinal Kuhariæ, den Erzbischof von Zagreb
(Prot. Nr. 285/92 vom 20. April 1992)

Eure Eminenz,
laut soeben erhaltenen Nachrichten l legt ein zum Bistum Banja Luka ge­hörender Geistlicher, Hochw. Zvonimir Matijeviæ, Pfarrer in Glamoè, der trotz der Versicherungen der Behörden in Glamoè, daß ihm nichts geschehen werde, am 12. April 1992 (am Palmsonntag) von Angehörigen des Kniner Armeekorps festgenommen und nach Knin gebracht wurde, in sehr ernstem Zustand im Kniner Militärkrankenhaus.
Durch schwere Mißhandlungen erlitt er einige Armfrakturen, eine Lun­genblutung und andere schwere Verletzungen. Gemäß denselben Nachrichten macht das Militär seine Freilassung davon abhängig, daß er gegen einen Piloten ausgetauscht wird, den die kroatischen Streitkräfte gefangengenommen hatten, als er Kupres und Tomislavgrad bombardierte. Außerdem wird die Freilassung angeblich gefangengenommener orthodoxer Geistlicher, der orthodoxen Pfarrer von Kupres und Tomislavgrad, verlangt. Inzwischen hat der Fernsehsender Bel­grad gemeldet, daß sich diese Geistlichen vor Ausbruch der Kampfe in Sicher­heil gebracht haben.
Falls diese Geistlichen gefangengenommen worden sind, rufen wir hier­mit zum Austausch auf, damit wir das Leben unseres sich in großer Gefahr befindenden Geistlichen retten. Wir bitten alle Zuständigen und rufen sie auf, alles zu unternehmen, was möglich ist, damit der unschuldige Pfarrer Matijeviæ baldigst freigelassen wird.
Wir sagen im voraus aufrichtigen Dank für jede Hilfe!

 + Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

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BEWAFFNETER ÜBERFALL AUF DAS KLOSTER IN BOSANSKI ALEKSANDROVAC
Brief an den Erzbischof von Vrhbosna (Sarajevo), V. Puljiæ
(Prot. Nr. 406/92 vom 21. Mai 1992)

Lieber Vinko,
Deinem Wunsch gemäß erstatte ich Dir hiermit Bericht. Zunächst gebe ich Dir zusätzliche Informationen über Deinen Geistlichen Pfarrer Kudiæ in Doboj und die Ordenschwestern der Gemeinschaft "Mägde des Kleinen Jesus" in Doboj:
1. Nach den Aussagen von Schwester Oliva Svetinoviæ", der es gelang, nach Banja Luka zu kommen, war der Pfarrer bis zum 17. Mai, einem Sonntag, noch in seiner Wohnung in Doboj, die zwar durch Granaten und Feuer teilweise beschädigt, jedoch noch immer soweit erhalten war, daß man darin, zumindest in einigen Räumen, zur Not wohnen konnte.
So konnten auch die verbliebenen vier Schwestern nach der am 12. Mai erfolgten Zerstörung ihres Hauses durch Bewaffnete bei ihm unterkommen. Den Schwestern wurde gesagt, daß sie fortgebracht werden, aber erst in 15 Tagen. Schwester Oliva befürchtet, daß man sie irgendwohin ins Ozren-Gebiet bringen wird, damit sie dort Verwundete pflegen.
Es ist uns gelungen, ihr ein Ticket für den Flug nach Belgrad zu besor­gen, da sie selbst den Wunsch äußerte, zu den Schwestern ihrer Gemeinschaft in Gerestried weiterzureisen. Wir hoffen, daß es ihr gelungen ist.
2. Bezüglich des letzte Nacht erfolgten bewaffneten Zwischenfalls in Bosanski Aleksandrovac lege ich Dir eine Kopie des Schreibens der Äbtissin, Schw. Maristella, bei. Ich persönlich habe eingeschlagene Türen, zerbrochene Fensterscheiben, einen zerschlagenen Tisch und zerschlagene Stühle auf dem Balkon und kleinere Beschädigungen an den Fassaden sowie beschädigte Dach­ziegel auf dem Haus- und dem Kirchendach gesehen.
Nach meiner Rückkehr habe ich den Leiter der Schutzpolizei und den leitenden Beamten der Polizeiwache von Lakta¹i, die bereits vor mir bei den Schwestern gewesen waren, aufgesucht und meine Betrübnis zum Ausdruck gebracht und scharfen Protest angesichts des gegen eine Gemeinschaft älterer und kranker Ordensschwestern und Nonnen gerichteten jüngsten Zwischenfalls eingelegt.
Die Schwestern haben mir - und vor mir auch den Beamten versichert, daß die betreffenden Täter im großen und ganzen den in Lakta¹i für öffentliche Ruhe und Ordnung zuständigen Stellen bekannt sind, was diese nicht einmal abstreiten. Diese gleichen Stellen wiederholen ihre Versprechungen, daß sie all diesen bösen Ausschreitungen, bei denen man katholische Ordensschwestern und die kleine Anzahl im Gebiet von Bosanski Aleksandrovac und Lakta¹i ver­bliebener Katholiken überfällt, ein Ende machen werden.
Tatsache ist, daß solche Ausschreitungen im Laufe der letzten neun Mo­nate immer wieder erfolgen. Die Schwesterngemeinschaft, die bereits über 100 Jahre in Bosanski Aleksandrovac ansässig ist, will jedoch trotz dieser rohen und unmenschlichen Überfälle ihre Heimstatt nicht verlassen, in der Überzeugung, daß die Kirche und die Zivilbehörden sie schützen werden. In der Tal tue ich meinerseits alles, um diese überaus verdienten unschuldigen Ordensschwestern unseres Bistums Banja Luka zu schützen, und ich werde dies auch weiter tun.
Lieber Vinko, ich danke Dir für Deine uns trotz Deiner noch größeren Probleme gewidmete Fürsorge. Gott gebe Dir Kraft und Frieden!
Es grüßt Dich und Deine Mitarbeiter

 + Franjo, Bischof

P. S. Wenn Du es für erforderlich hältst, informiere bitte, wen Du willst, denn diesmal können wir niemandem Nachricht geben.

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"ES IST MEIN ANLIEGEN, MIT ALLEN KRÄFTEN DAS LEBEN DER ANGEHÖRIGEN UNSERER GEMEINSCHAFTEN UND DAS DIESEN GEMEINSCHAFTEN GEHÖRENDE EIGENTUM ZU SCHÜTZEN"
Brief an Schw. Bernarda Kri¹tiæ, die Beratende Generalbeauftragte der Schwesterngemeinschaft "Klanjateljice Krvi Kristove"
(Prot. Nr. 443/92 vom 08. Juni 1992)

Geehrte Schwester Bernarda,
im Nachgang zu unserem heule abend geführten Telefongespräch erhal­ten Sie hiermit wunschgemäß schriftlich alle erforderlichen Informationen über Ihre Schwestern in Bosanski Aleksandrovac (sowie über die in Nova Topola und Bosanska Gradi¹ka).
Ich habe bereits zuvor die ehrwürdige Leitung Ihrer Ordensprovinz in Zagreb sowie die Apostolische Nuntiatur in Belgrad von der Beilegung der dra­matischen Situation im Zusammenhang mit dem Versuch der gewaltsamen Räu­mung Ihres Klosters in Bosanski Aleksandrovac unterrichtet. Anliegend erhal­ten Sie eine Kopie des Schreibens.
Abgesehen von den Ausführungen in dem erwähnten Schreiben möchte ich an dieser Stelle auch noch hervorheben, daß das Hauptmotiv bei dem Vorha­ben der Hinaussetzung der Schwestern strenggenommen der Wunsch einiger jetzt von der Front in Westslawonien zurückkehrender Kämpfer gewesen war, sich mit anderen Kämpfern in den Räumlichkeiten des Klosters einzuquartieren bzw. das ganze Eigentum des Klosters an sich zu reißen. Diese Tatsache, die leider auch die örtlichen Behörden in Lakta¹i nicht geleugnet haben, hat sowohl mich als auch den orthodoxen Bischof, Herrn Jefrem, in unseren Gesprächen mit ihnen besonders aufgebracht.
Bezüglich der derzeitigen Lage kann ich hier die Versicherungen der Amtsträger der örtlichen Behörden, des Bürgermeisters und Leiters des Krisen­stabs, Dr. Joviæ, des Leiters der Polizeibehörde, Herrn Dobrijeviæ, des Leiters der Kriminalpolizei, der auch bei der kriminalpolizeilichen Untersuchung des Klosters die Leitung hatte, Herrn Jovièiæ, des Vorsitzenden der Ortsverwaltung und der Territorial Verteidigungsbehörde, Herrn Vujièiæ, und des Vorsitzenden der Kommission für die Beziehungen zu den religiösen Gemeinschaften, Herrn Glamoèanin, sowie noch einiger weiterer offizieller, mir vom Namen her nicht bekannter Vertreter der Einwohner der umliegenden Dörfer wiedergeben, wonach die Ordensschwestern nicht mehr belästigt werden bzw. auch weiterhin ungestört in ihrem Kloster leben können.
In ähnlicher Weise hat sich mir gegenüber in Bosanska Gradi¹ka der Lei­ter der Polizeidienststelle, Herr Vesiæ, im Namen der Gemeindebehörde des Ortes hinsichtlich der Ordensschwestern in den Klöstern Nova Topola und Bosanska Gradi¹ka verbürgt, denen, um die Wahrheit zu sagen, keine Gewalt wie in Aleksandrovac gedroht hat.
In einem Gespräch, das ich zusammen mit dem orthodoxen Bischof von Banja Luka, Herrn Jefrem, und dem Mufti von Banja Luka, Herrn Haliloviæ, am Samstag, dem 06. Juni 1992, mit dem Bürgermeister von Banja Luka, Herrn Radiæ, und dem Kommandanten des l. Krajina-Korps, Generalmajor Taliæ, führte, habe ich außer den übrigen aktuellen Problemen auch die Notwendigkeit des Schutzes für die Klöster der Ordensschwestern Ihrer Gemeinschaft in unserem Gebiet, besonders für die in Aleksandrovac, Nova Topola und Bosanska Gradi¹ka, angeschnitten. Beide Gesprächspartner, insbesondere General Taliæ, haben ihr Versprechen wiederholt, nicht zuzulassen, daß den Schwestern etwas zustößt.
Ich nehme alle genannten Herren, die maßgebliche Vertreter der Behör­den und des Militärs in unserem Gebiet sind, beim Wort, und ich habe ihnen dies auch gesagt. Außerdem habe ich sie wissen lassen, daß ich sowohl der Hauptverwaltung der Ordensgemeinschaft als auch dem Heiligen Stuhl über alles Bericht erstatten werde. Es ist mein Anliegen, mit allen Kräften das Leben der Angehörigen unserer Gemeinschaften in diesem Gebiet und das diesen Ge­meinschaften gehörende Eigentum zu erhalten, und ich werde jede Möglichkeit zur Beilegung der Spannungen kriegerisch-aufwieglerischen Charakters nutzen und friedensfördernde Initiativen und Handlungen ausnahmslos, gleich, von wel­cher Seite, moralisch unterstützen.
Möge unser gütiger Gott uns allen wie bisher beistehen, damit uns Kriegszerstörungen und Todesopfer unter der unschuldigen Bevölkerung erspart blei­ben! Deshalb bitten wir auch weiterhin um Hilfe durch Gebet auch seitens Ihrer mir besonders teuren Ordensgemeinschaft "Klanjateljice Krvi Kristove". Ge­lobt sei Christi Blut!
Ich verbleibe mit dem Ausdruck meiner Hochachtung und meinen Segenswünschen, Ihr in Christo ergebener

 + Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

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DRAMATISCHE LAGE DER ORDENSSCHWESTERN DER GEMEINSCHAFT "KLANJATELJICE KRVI KRISTOVE" IM KLOSTER NOVA TOPOLA
Brief an die Provinzialoberin Schw. Tarzicija Medven in Zagreb
(Prot. Nr. 464/92 vom 23. Juni 1992)

Geehrte Schwester Tarzicija,
wegen der totalen Blockade kann ich Sie erst jetzt von einem vor einigen Tagen im Kloster Ihrer (und unserer) Ordensschwestern in Nova Topola gesche­henen bösen Vorfall in Kenntnis setzen.
1. Am Dienstag, dem 16. Juni 1992, gegen 09.30 Uhr kamen vier bewaff­nete Uniformierte in den Hof der Pfarrei und des Klosters von Nova Topola. Sie forderten eine Schwester, die zufällig im Hof war, auf, ihnen zu sagen, wo der Pfarrer ist. Sie zeigte ihnen das Pfarrhaus, und sie gingen hin. Auf ihr Klopfen öffnete der Pfarrer die Tür, und sie brachten ihn in einem Auto in Richtung des Dorfes Laminci weg.
Man hat mir dies unverzüglich gemeldet, und ich meinerseits setzte die Polizei in Banja Luka und Bosanska Gradi¹ka in Kenntnis. Ich bin auch selbst nach Nova Topola gefahren, wo ich auf der Polizeiwache und bei den (schreckerfüllten) Ordensschwestern im Kloster war, und außerdem war ich beim Bür­germeister in Bosanska Gradi¹ka. Keiner meiner Gesprächspartner wußte, von wem und warum der Pfarrei- weggebracht worden war. Ich habe verlangt, daß man nach dem Pfarrer sucht und daß die Schwestern besonderen Schutz erhal­ten. Sowohl in Nova Topola als auch in Bosanska Gradi¹ka hat man mir ver­sprochen, dies zu tun. Ich war dann nochmals bei den Schwestern und habe ihnen alles mitgeteilt, was ich von den maßgeblichen Organen erfahren hatte. Ich wollte die beiden jüngsten Ordensschwestern. Schw. Antonia und Schw. Maria, mitnehmen. Die beiden Schwestern (und dann auch die Schwester Obe­rin) willigten nicht ein, da sie der Meinung waren, daß dafür kein Anlaß beste­he, und sie erklärten, daß sie mit ihren Mitschwestern der Gemeinschaft von Nova Topola zusammenbleiben wollen. Ich habe am gleichen Abend auch Schwe­ster Salezija in Bud¾ak über alles informiert.
2. Am Mittwoch gegen 16.30 Uhr kam Schw. Salezija, die beratende Provinzialbeauftragte, und berichtete mir aufgeregt, daß sie aus dem Kloster Nova Topola komme und daß dort in der Nacht zuvor gegen 22.00 Uhr eine Gruppe von vier bewaffneten Soldaten, die sich als "Weiße Adler" ausgaben, gewaltsam eingedrungen sei und einige Stunden lang die Schwestern psychisch - und einige derselben auch körperlich - mißhandelt habe. Die Schwestern wa­ren, wie sie sagte, furchtbar erschreckt und hallen Angst vor der kommenden Nacht. Ich habe mich mit Schw. Salezija sofort zur Zentralstelle der Schutzpo­lizei in Banja Luka und zum Krisenstab begeben und den Vorfall gemeldet. Danach fuhr ich nach Nova Topola, wo ich zur Polizei ging und die Schwestern aufsuchte, sowie nach Bosanska Gradi¹ka, wo ich zur Polizeiwache ging und verlangte, daß man die Schwestern umgehend unter Schutz stellt bzw. ihnen allen die Möglichkeit gibt, sich nach Banja Luka zu begeben. Nachdem sich die Schutzpolizeistelle in Banja Luka eingeschaltet hatte, erklärten die Polizeiorga­ne in Bosanska Gradi¹ka und Nova Topola, daß sie garantieren, daß den Schwe­stern in der folgenden Nacht nichts geschieht, da sie sie bewachen werden. Ich bin, wie auch Schw. Salezija, bei den Schwestern geblieben. Die Schwestern hatten sich bereits ziemlich beruhigt (die beiden jüngsten, Schw. Maria und Schw. Antonia, hatte Schw. Salezija schon am Nachmittag des gleichen Tages nach Bud¾ak gebracht).
3. Am Donnerstagmorgen war ich zusammen mit Schw. Salezija und der Äbtissin Schw. Dominika bei Bürgermeister Vesiæ in Bosanska Gradi¹ka und brachte meine Empörung, meine Entrüstung und meinen Protest zum Ausdruck, worauf er sich entschuldigte und versprach, unverzüglich Maßnahmen zur Er­mittlung der Täter und zum zusätzlichen Schutz der Schwestern und des Klo­sters zu ergreifen.
Da Fronleichnamstag (zugleich Feiertag der Gemeinschaft) war, zelebrier­ten wir in der Kirche von Nova Topola eine Messe, bei der die Schwestern ganz besonders erkennen ließen, wie sehr sie vom Glauben beseelt sind, aus dem sie die Kraft für ihr Wirken in der Treue zu Christus bis hin zum Martyrium schöp­fen.
Am Nachmittag war ich erneut bei der regionalen Polizeibehörde von Banja Luka, wo ich zusätzlichen Schutz für die Schwestern verlangte, den man mir versprach, und fuhr dann wieder nach Nova Topola zurück, wo ich im Hin­blick auf die Sicherheit der Schwestern die Nacht verbrachte. Ich stellte mit Schw. Salezija und Schw. Dominika Überlegungen zu den Fragen an, was mit der Schwesterngemeinschaft werden und wem man das Kloster überlassen soll.
4. Am Freitag waren wir bereits am Morgen wieder in Banja Luka und sprachen mit den Chefs der ganzen Region, S. ®upljanin und S. Markoviæ, wo­bei wir von dem einen schwache und von dem anderen viel zuverlässigere Garantien bekamen. Dann eilten wir zu einem Treffen mit dem Bürgermeister von Bosanska Gradi¹ka, N. Iva¹tanin, wobei wir wegen der abscheulichen Tat, die Bewaffnete in einem zu seinem Verwaltungsbereich gehörenden Kloster verübt haben, Protest erhoben und größtmöglichen Schutz für die Schwestern und das Eigentum des Klosters forderten. Er drückte ebenfalls sein tiefes Bedauern über die beiden schweren Ausschreitungen in Nova Topola - die Entführung des Pfar­rers und die Mißhandlung der Schwestern - aus, die, wie die Schwestern versi­chern, jeweils von den gleichen Männern begangen wurden, und versprach ma­ximalen Einsatz sämtlicher für die Gemeinde zuständiger Strukturen (der Kräf­te der Polizei, der Territorial Verteidigung und des Militärs) zur Aufklärung der bösen Zwischenfalle und zum Schutz der Schwestern.
5. Am Samstag fuhr (wegen der hl. Firmung in einer anderen Pfarrge­meinde) der Ökonom unseres Bistums, Hochw. B. Prucha, mit Schw. Salezija nach Nova Topola, um bei der amtlichen Vernehmung der Schwestern zu dem bösen Vorfall durch einen Vertreter der regionalen Zentralstelle der Schutzpoli­zei in Banja Luka, den Leiter der Polizeibehörde von Bosanska Gradi¹ka, Vesiæ, und den Leiter der Territorial Verteidigungskräfte für das Gebiet von Bosanska Gradi¹ka zugegen zu sein.
Am Nachmittag begab auch ich mich in das Kloster, wo wir erneut über das "Schicksal" der Schwestern sprachen, diesmal eingedenk Ihrer uns über das Päpstliche Sekretariat in Rom und den Apostolischen Nuntius in Belgrad über­mittelten ersten Reaktionen. Wir beschlossen, auch mit dem orthodoxen Bi­schof von Banja Luka, der von dem Vorfall sehr betroffen war, Gespräche zu führen. Dieser schlug vor, daß wir immerhin versuchen sollten, von General Taliæ, dem Kommandanten des J. Krajina-Korps, der mir bereits früher verspro­chen hatte, daß das Militär nach seiner Rückkehr von der Front in Westslawonien die Ordensschwestern nicht belästigen wird, zusätzliche Garantien zu erhalten.
Die Vertreter der Polizei, die weiter oben bereits genannte "Troika", ver­bürgten sich bei den Schwestern dafür, daß sie unbesorgt sein können, da sie sie von nun an, namentlich nachts, besonders bewachen lassen werden.
Bis heute (Dienstag, den 23. Juni) wurden die Schwestern von nieman­dem belästigt.
6. Gestern abend habe ich in den Räumen des orthodoxen Bischofssitzes und im Beisein des orthodoxen Bischofs Jefrem ein zweieinhalbstündiges Ge­spräch mit Generalmajor M. Taliæ geführt, bei dem ich ihm die schwierige Si­tuation der Klöster in Nova Topola und Bosanski Aleksandrovac und die allgemeine Lage der Katholiken in dieser Region schilderte. Bischof Jefrem seiner­seits bekräftigte viele meiner Ausführungen. Der General hörte aufmerksam zu, drückte hinsichtlich all dessen, was mit "den Linsehuldigen Ordensschwestern in den beiden Klöstern geschehen ist", höchste Mißbilligung aus und gab uns beiden mit der Autorität seiner Position sein Wort und verbürgte sich, "daß jed­weder Überfall auf die Schwestern oder Versuch einer zwangsweisen Aussied­lung der Schwestern oder Räumung der Klöster mit allen Mitteln, auch mit Waffengewalt, verhindert wird". Er versprach, mir diese Zusage auch in schriftlicher Form zu geben, damit ich sie auch Ihnen und der obersten Verwaltung der Schwesterngemeinschaft zuleiten kann.
Herr Jefrem und auch ich persönlich haben den Eindruck, daß der Gene­ral mit den seinem Befehl unierstehenden Streitkräften in der Lage sein wird, mit den verschiedenen bewaffneten paramilitärischen Gruppen, die die Sicher­heit der Zivilisten in diesem Gebiet bedrohen, fertig zu werden.
Hinsichtlich Ihrer die Schwestern betreffenden Weisungen, die uns über Rom zugegangen sind, darf ich Ihnen mitteilen, daß alle jüngeren Schwestern aus Nova Topola und Bosanski Aleksandrovac bereits vor Eingang dieser Wei­sungen nach Bud¾ak bzw. in das Bischöfliche Ordinariat gebracht worden sind. Die Ordensschwestern in den Pfarrgemeinden außerhalb von Banja Luka dürfen ihre Gemeinde nicht verlassen! Sie sagen mir allerdings alle, daß bei ihnen im großen und ganzen alles friedlich ist. Dies gilt auch für ©imiæi und Prnjavor sowie für Bosanska Gradi¹ka (den Stadtbereich).
Verehrte Schwester Tarzicija, auch in diesen Kriegsnöten ist Gott höchst­selbst mit uns! Er macht auch aus zarten menschlichen Geschöpfen wahre Gi­ganten der Aufopferung, der Liebe und der Vergebung! Eine Ordensgemeinschaff, ein Bistum und eine Kirche, die solche Ordensschwestern wie unsere hier in Nova Topola und Bosanski Aleksandrovac und überhaupt in unserem ganzen Gebiet haben, sind gesegnet und sind glücklich zu schätzen. Ich tue für die Ordensschwestern, was ich nur kann, und Gott gewiß noch mehr!
Es grüßt Sie hochachtungsvoll, Ihr

 + Franjo, Bischof

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"DAS STERBEN JESU TRAGEN WIR AN UNSEREM LEIBE"
Brief an den Apostolischen Nuntius in Belgrad, Msgr. G. Montalvo
(Prot. Nr. 495/92 vom 06. Juli 1992)

Eure Exzellenz,
in der Hoffnung, daß endlich bald die Telefonverbindung zwischen Banja Luka und Belgrad wieder hergestellt wird, möchte ich Ihnen hiermit eine kurze Übersicht über die derzeitige Lage in meinem Bistum Banja Luka geben.
Im Gebiet der Bosanska Krajina, wo der größte Teil meines Bistums liegt, wird die Situation mit jedem Tage schwieriger. Soweit zuverlässige Informatio­nen vorliegen, befindet sich von der Bevölkerung der Pfarrgemeinden der Deka­nate Prijedor und Jajce ein Teil in Flüchtlingslagern, während ein anderer Teil verschleppt worden ist. Auch die Pfarrer sind bis auf einen bei ihren Gläubigen. Besonders schwierig ist die Lage in drei Pfarrgemeinden von Kotor Varo¹, wo die Bevölkerung gemischt ist (Muslime) und gekämpft wird; laut Berichten der örtlichen Rundfunkstationen wurden viele Häuser niedergebrannt, und wir fürch­ten, daß auch viele Menschen umgekommen sind. Was die letzten zehn Tage betrifft, so weiß ich nur über die Lage eines Viertels meines Bistums genau Bescheid. Von vier im Pfarramt tätigen Geistlichen weiß ich, daß sie verschleppt worden sind und daß über ihr Schicksal nichts bekannt ist. Es handelt sich um Marko Sähe aus Dragalovci, Ratko Grgiæ aus Nova Topola, Stipo ©o¹iæ aus Ljubija und Bruder Stipiæ aus Stratinska. Von 14 Pfarrern habe ich schon länge­re Zeit überhaupt nichts gehört. Ich hoffe, daß sie am Leben sind, d.h. sich bei ihren Gläubigen befinden, deren Schicksal sie teilen. Ich habe mich um eine Möglichkeit bemüht, wenigstens einige vom Krieg erfaßte Pfarrgemeinden auf­zusuchen, erhielt aber von den Militär- und den Zivilbehörden keine Erlaubnis. Ich bin mehrmals an diese Behörden herangetreten, damit sie mir die Möglich­keit geben, auf irgendeine andere Weise zu erfahren, wie es um die Geistlichen und die Gläubigen steht. Leider stieß ich dabei auf wenig Verständnis.
In den Pfarrgemeinden um Banja Luka selbst (es sind 10) ist es, Gott sei Dank, im großen und ganzen noch immer friedlich. Die Menschen haben große Angst vor möglichem großen Unheil, aber vorläufig können sie sich nirgendwohin wegbegeben. Hinsichtlich der Klöster der Ordensschwestern der Gemein­schaft "Klanjateljice Krvi Kristove" ist die Lage noch immer weder klar noch völlig sicher. Nach schweren Zwischenfällen, wobei der vom 16. Juni 1992, bei dem in Nova Topola nach der Entführung des Pfarrers Hochw. Ratko Grgiæ vier bewaffnete Uniformierte eine ganze Nacht lang die 22 zum Großteil älteren Ordensschwestern mißhandelten, besonders schwerwiegend ist, habe ich - vor allein bei den örtlichen und regionalen Zivil- und Militärbehörden - alles ver­sucht, damit man die Sicherheit der Ordensschwestern noch besser gewährlei­stet und dafür sorgt, daß solche Garantien auch in die Tat umgesetzt werden. Leider wurde trotz der vom Kommandanten des 1. Krajina-Korps, General M. Taliæ, persönlich abgegebenen Versicherung, daß das Militär den Schutz der beiden Klöster übernehmen wird, in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni ein größeres Wirtschaftsgebäude beim Kloster in Nova Topola in Brand gesteckt. In der Zwischenzeit habe ich in Absprache mit deren Regionaloberin zehn Schwe­stern vorläufig bei ihren im Gebiet von Banja Luka befindlichen Gemeinschaf­ten untergebracht, solange es die Zeiten und die realen Möglichkeiten beim besten Willen noch nicht erlauben, der Anordnung der General- und der Provinzialverwaltung der Gemeinschaft in Rom bzw. Zagreb, alle Schwestern (es sind an die hundert) vom Gebiet der Bosanska Krajina bzw. des Bistums Banja Luka nach Zagreb bzw. Kroatien umzusiedeln, Folge zu leisten. Zusam­men mit dem orthodoxen Bischof von Banja Luka, Herrn Jefrem, habe ich in der letzten Zeit mehrfach bei verschiedenen Institutionen interveniert, um zu erreichen, daß die Ordensschwestern und die Klöster geschützt werden, und am Mittwoch, dem 08. Juli d. J., werden wir in Bosanska Gradi¹ka mit den örtli­chen Behörden erneut ein Gespräch führen, um darzulegen, daß es besserer Garantien bedarf, damit die Schwestern doch in ihrem über hundert Jahre alten Kloster in Nova Topola und auch im Kloster von Bosanski Aleksandrovac blei­ben. Ich muß hervorheben, daß der orthodoxe Bischof, Herr Jefrem, bisher wäh­rend dieser durch den Krieg herbeigeführten schweren Prüfungen große Bereit­schaft gezeigt hat, uns zu helfen, wo er nur kann. Dies ist wahrlich eine wertvol­le Geste, der man Anerkennung zollen muß, und deshalb sollten auch wir, die katholischen Bischöfe, uns für die Belange der Menschen der schwesterlichen serbisch-orthodoxen Kirche einsetzen, wenn es dessen bedarf, insbesondere in Kroatien bzw. in Gebieten, wo wir Katholiken die Mehrheit bilden.
Eure Exzellenz, wenn dieser kurze Bericht über die derzeitige sehr schmerzliche Lage in meinem Bistum zu Ihnen gelangt, wollen Sie sich bitte auch noch dies vor Augen halten: Wir sind uns bewußt, daß uns auferlegt ist, zu kämpfen und durchzuhalten - "adversus principatus, adversus potestates, adversus mundi rectores tenebrarum harum, adversus spiritalia nequitiae in celestibus" (Eph 6, 12)! "In omnibus tribulationem patimur, sed non angustiamur; aporiamur, sed non destituimur; persecutionem patimur, sed non derelinquimur; deicimur, sed non perimur: mortificationem Iesu in corpore circumferentes, ut et vita Iesu in corpore nostro (et vita nostra) manifestetur." (2. Kor 4, 8-10).
- OREMUS PRO INVICEM!
Ich verbleibe mit dem Ausdruck meiner Hochachtung in Christo, Ihr

 + Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

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"MÖGE UNSER HIMMLISCHER VATER DURCH DIE GEDULD DER HIESIGEN CHRISTLICHEN GLÄUBIGEN GEPRIESEN SEIN!"
Schreiben an den Apostolischen Nuntius in Belgrad. Msgr. G. Montalvo
(Prot. Nr. 501/92 vom 08. Juli 1992)

Erhabene Exzellenz,
mit meinem Schreiben Nr. 495/92 vom 06. Juli 1992 habe ich Ihnen die wesentlichsten Angaben zur gegenwärtigen Lage im größeren Teil meines Bis­tums übermittelt. Gott sei Dank, daß es mir endlich gelungen ist, sie Ihnen per Fax zu übersenden.
Heute war ich mit dem orthodoxen Bischof von Banja Luka, Herrn Jefrem, beim Bürgermeister von Bosanska Gradi¹ka, Herrn Neboj¹a Iva¹tanin. In unse­rem Gespräch, das volle drei Stunden dauerte, richteten wir das Augenmerk besonders auf das noch immer Ungewisse Schicksal der Ordensschwestern und des Klosters der Gemeinschaft "Klanjateljice Krvi Kristove" in Nova Topola im Gemeindebereich von Bosanska Gradi¹ka. Es ging auch um das große Leid, das den Angehörigen der Pfarrgemeinden Dolina, Bosanska Gradi¹ka und Nova Topola durch verschiedene uniformierte Gruppen und Einzelpersonen zugefügt wird.
Dies war mein viertes mit dem Herrn Bürgermeister in den letzten drei Wochen geführtes Gespräch bezüglich des Schicksals der Ordensschwestern und des Klosters Nova Topola und der katholischen Gläubigen und natürlich auch der Geistlichen im Gebiet dieser Gemeinde. Herr Jefrem, der orthodoxe Bischof von Banja Luka, äußerte erneut seine Besorgnis und sein Bedauern wegen der "offensichtlichen Verbrechen am Pfarrer und an den Ordensschwestern" in Nova Topola. Er hat dies selbstverständlich energisch verurteilt, wobei er gemeinsam mit mir verlangte, daß die rechtmäßigen Behörden alles unternehmen zum Schutz der Ordensschwestern, des Klosters und des Pfarrers sowie der unschuldigen Gläubigen. Bürgermeister Iva¹tanin hat wiederholt, daß sich im Gebiet seiner Gemeinde viele bewaffnete Serben, nicht nur aus seiner, sondern auch aus ande­ren Gemeinden, sowie Flüchtlinge aufhalten, die hier außerhalb der Institutio­nen ihre privaten Kriege und Racheakte austragen. Er bedauert das Verbrechen in Nova Topola, kann jedoch nicht völlige Sicherheit und Frieden gewährlei­sten, obwohl er sich dies wünschte. Auf Befehl des Kommandeurs des 1. Krajina-Korps, Generalmajor M. Taliæ, bewacht jetzt das (serbische) Militär die Schwestern in Nova Topola und in Bosanski Aleksandrovac, aber wir wissen nicht, wie lange dies sein wird!
Bisher gibt es in keinem der genannten Klöster Anzeichen größerer Angst unter den Schwestern. Der Bürgermeister hat erneut versprochen (!), daß er mit dem Militär bzw. dessen Spitzen Kontakt halten wird, damit er im Falle eines Abzugs des Militärs andere entsprechende Maßnahmen zum größtmöglichen Schutz der Schwestern und der Klöster ergreifen kann.
Auch diesmal habe ich keine vollständigen Sicherheitsgarantien hinsicht­lich der Zukunft der Schwestern und der Klöster bekommen, denn in einer sol­chen Situation kann natürlich weder der Bürgermeister noch irgendjemand an­derer solche geben! In einigen Teilen unserer Gegend herrscht völlige Anarchie und in anderen wiederum eine entsetzliche Diktatur. Was uns Katholiken be­trifft, so sind wir in der Tat allein der Barmherzigkeit und dem Schutz Gottes überlassen! Wir haben keinerlei anderen rechtlichen Schutz und keine Rechte! Tagtäglich erleben wir fürchterliche Mißhandlungen, Peinigungen, Inhaftierun­gen und Tötungen, alles ohne Gerichtsverfahren und Nachweis von Schuld. Davon sind unsere Gläubigen, Ordensleute, Geistlichen und sogar ich betrof­fen. Ununterbrochen werden Klöster und Pfarrbüros, sogar das Bischöfliche Ordinariat durchsucht und geplündert. Ich tue alles, was ich kann, um auf meine Gläubigen, Ordensleute und Geistlichen beruhigend einzuwirken, auf diese Men­schen, die man ununterbrochen provoziert und mißhandelt, ohne daß sie jeman­den haben, bei dem sie Schutz suchen könnten; Menschen, denen man sogar die menschlichen Grundrechte nimmt: nicht sehen sogar das Recht auf Leben, fast regelmäßig das Recht auf Arbeit, sehr oft das Recht auf Wohnung, das Recht, die eigenen religiösen Empfindungen zu zeigen, und das Recht auf die eigene religiöse, nationale und kulturelle Identität. Trotz meiner vielen diesbezügli­chen Ersuchen, Appelle und Bitten, die ich bisher an die Militär- und Zivil­behörden gerichtet habe, bin ich noch immer ohne gesicherte Informationen über die Geistlichen: Marko ©aliæ, Pfarrer aus Dragalovci, Ratko Grgiæ, Pfarrer aus Nova Topola, Stipo ©o¹iæ, Pfarrer aus Ljubija, Bruder Juro Stipiæ, Pfarrer aus Stratinska, Vlado Tomiæ, Pfarrer aus Sasina, Adolf Vi¹aticki, Pfarrer und Dekan aus Vrbanjci, Bruder Ivo Franjiæ, Pfarrer aus Kotor Varo¹, Bruder Mato Pranjiæ, Kaplan aus Kotor Varo¹, Bruder Toma Buljan, Pfarrer aus Sokoline, und Anto Marijan, Pfarrer aus Liskovica. Ich werde auch weiterhin unermüd­lich nach ihnen suchen und hartnäckig danach forschen, wie es um sie steht, und ich bitte auch Sie, darüber nachzudenken, was Sie unternehmen könnten, damit diesen meinen Geistlichen, deren Leben in Gefahr ist (sofern nicht schon einige von ihnen umgebracht wurden!), baldigst geholfen wird.
Wegen der uns umschließenden totalen Blockade ist mir der Weg zu in­ternationalen humanitären Organisationen, die sich für das Schicksal dieser Geist­lichen verwenden würden, versperrt. (...)
Ich weiß, daß die Pfarrkirchen in Kotor Varo¹ und Liskovica und die Filialkirchen in Donja Ravska, Kozarac und Bosanska Krupa niedergebrannt wurden. Hinsichtlich einiger anderer bin ich noch nicht ganz sicher, aber ich fürchte, daß sie das gleiche Schicksal ereilt hat. Einige Kirchen und Pfarrwohnungen sind beschädigt, aber weil es unmöglich ist, vollständige In­formationen zu bekommen (man hat keine Bewegungsfreiheit, aber auch Tele­fonate sind nicht möglich!), habe ich diesbezüglich keine genaueren Angaben.
Obwohl im engeren und im weiteren Bereich der Gemeinde Banja Luka keine schlimmen Kriegszerstörungen zu verzeichnen sind, herrscht unter unse­ren völlig entrechteten Gläubigen ungeheure Angst wegen der Gefahr einer Mas­senvernichtung oder zumindest einer Zwangsaussiedlung aus ihren jahrhunder­tealten Heimstätten. Leider ist diese Angst nicht unbegründet, da sich derglei­chen auch in unserer Umgebung an vielen Orten ereignet hat! Ich bemühe mich mit allen Kräften, beruhigend einzuwirken und diese Angst zu mindern, und ich hoffe und bete zum Herrn, daß wir vor größeren Kriegsgreueln und vor der völligen Zerstörung aller Möglichkeiten für ein zukünftiges gemeinsames Le­ben der jetzigen Bewohner dieser Gegend bzw. Region bewahrt werden.
Ihnen, verehrte Exzellenz, danke ich für Ihre väterliche Fürsorge für uns und für mein ganzes Bistum. Ihre Fürsorge und Ihr Gebet geben uns die not­wendige Energie, damit wir bei unserem vom Geist des Höheren bestimmten Streben, das Böse und die Sünde in uns und um uns nicht um sich greifen zu lassen, nicht ermatten. Möge unser himmlischer Vater durch die Geduld der hiesigen christlichen Gläubigen auch in diesem Teil Seiner Kirche gepriesen sein, und möge für alle Menschen auch dieses unseres Landes und unserer Hei­mat das beglückende Reich Gottes in höchstem Maße seinen Ausdruck finden, als das Reich der Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe, Vergebung und des Friedens!
Ich verbleibe mit dem Ausdruck der Hochachtung und einem herzlichen Gruß an Sie, Eure Exzellenz, sowie auch an alle Ihre tüchtigen Mitarbeiter. Ihr in Christo ergebener

+ Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

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"ICH WERDE ALLES TUN, UM DIE GEISTLICHEN UND DIE GLÄUBIGEN ZU SCHÜTZEN"
Schreiben an den Apostolischen Nuntius in Belgrad, Msgr. G. Montalvo
(Prot. Nr. 551/92 vom 02. August 1992)

Eure Exzellenz,
wieder möchte ich mich bei Ihnen melden, in der Hoffnung, daß es mir gelingt, diese neuesten Nachrichten zu Ihnen zu senden.
1. Gestern, um 01. August 1992, war ich mit zwei Geistlichen zur Pfarrge­meinde Sasina unterwegs, wo ich die Hl. Firmung erteilen sollte. Irgendwo in den Bergen. 25 km hinter Banja Luka, haben uns uniformierte Militärpersonen das Auto weggenommen. Nachdem ich darauf bestanden hatte, daß sie uns nach Banja Luka zurückbringen, da wir über alle erforderlichen Passierscheine ver­fügen, haben sie dies immerhin getan, uns aber unterwegs schwer mißhandelt. Ich habe mich bei der Militärpolizei in Banja Luka beschwert, wobei ich nach­drücklich hervorhob, wie schwerwiegend dieser Vorfall ist. Man entschuldigte sich und stellte uns eine Militärpatrouille zur Verfügung, die uns zum Ort des Vorfalls begleitete, wo wir den weggenommenen Wagen zurückverlangten, der uns dann auf Befehl der Militärpolizei zurückgegeben wurde. In Begleitung der Militärpolizei sind wir zur Pfarrgemeinde Sasina weitergefahren, um den Pfar­rer zu besuchen, der wie seine Gläubigen wegen eines eventuellen Massakers in schrecklicher Angst lebt. Sowohl er wie seine Gläubigen wollen ihr nacktes Leben in Sicherheit bringen und nach Kroatien gehen, gleich wohin! In Sasina habe ich auch den Pfarrer der benachbarten Gemeinde Sanski Most getroffen und seinen traurigen Bericht über seine Gemeinde und den schwer mißhandel­ten Dekan von Stara Rijeka, Ilija Arloviæ, der mit einer großen Gruppe seiner Gläubigen im Gefängnis von Sanski Most inhaftiert ist, gehört. Ich wollte den­selben unbedingt sehen, aber man hat es mir nicht gestattet.
2. Nachdem ich beharrlich darauf bestanden hatte, ist es mir heute gelun­gen, mich mit dem Kommandanten des l. Krajina-Korps der serbischen Streitkräfte, Generalmajor Momir Taliæ, zu treffen, mit dem ich ein über einstündiges Gespräch über Probleme führte, die ich ihm auch schriftlich dargelegt hatte (Kopie in der Anlage). Es war ein konstruktives Gespräch, in dessen Verlauf mir als erstes versprochen wurde, daß er mir eine Begleitung zur Verfügung stellt, damit ich alle Pfarrgemeinden und Geistlichen besuchen kann, von denen ich keine gesicherten Informationen habe. Über die Zukunft der Katholiken in dieser Region entscheiden, wie er sagte, andere. Er hofft jedoch, daß alles ein ra­sches und gutes Ende nimmt, und versicherte, daß er gegen jedwede Zwangsaussiedlung sei. Er äußerte, daß er viele Schwierigkeiten mit verschiedenen be­waffneten Gruppen habe, die sich von niemandem etwas sagen lassen, er sich aber bemühe, Ordnung herzustellen und die Grundrechte durchzusetzen, ob­wohl es sehr schwierig sei.
Er versprach erneut Hilfe zur Sicherstellung des Transports von Lebensmitteln und Medikamenten ans Zagreb in die Region unserer bischöflichen Caritas. Ich habe den Eindruck, daß er sich den Idealen der Humanität verpflichtet fühlt und helfen möchte, soweit er kann. Er versprach auch, daß er sich erneut um eine möglichst baldige Freilassung der inhaftierten Geistlichen bemühen werde. Gebe es Gott! Ich werde meine Forderungen so lange vortragen, bis sie erfüll sind!
3. Ich machte von den Zusagen des Generals zunächst Gebrauch, indem ich darum ersuchte, gleich heute das Gebiet von Kotor Varo¹ besuchen zu kön­nen. In Begleitung der Militärpolizei machte ich mich mit zwei weiteren Geist­lichen und einer Ordensschwester ans der Pfarrgemeinde Kotor Varo¹ (Schwe­ster Xaveria) sowie dem dortigen Pfarrer, Bruder Ivan Franjiæ, der sich hier in der bischöflichen Residenz nach medizinischer Behandlung von den erlittenen Mißhandlungen erholt hat, und einigen Lebensmitteln in einem Kombi der Caritas auf den Weg. Ich habe die niedergebrannte neue Pfarrkirche, die so herrlich gewesen war und nun einen sehr traurigen Anblick bot, sowie ungefähr fünfzig niedergebrannte Häuser längs der Hauptverkehrsstraße gesehen und mich mit Bruder Mato Pranjiæ, Kaplan in Kotor Varo¹, unterhalten, der die ganze Zeit über dort gewesen ist und mir berichtete, daß fast l.000 Menschen der Pfarrge­meinde weggegangen sind und weitere 2.000 in diesen Tagen unbedingt aufbre­chen wollen! In der Pfarrgemeinde Vrbanjci haben wir Dekan Adolf Vi¹aticki angetroffen, der, zwischen zwei kriegführenden Parteien eingekeilt, übermensch­liche Strapazen durchlebt hat, aber, Gott sei Dank, am Leben geblieben ist. Er wurde nur etwas mißhandelt, und sowohl die noch nicht fertiggestellte Kirche, der nichts geschehen ist. als auch die Pfarrwohnung wurden geplündert. Dort erhielt ich auch die erfreuliche Nachricht, daß unsere Theologiestudenten Marko Vidoviæ und Ivan Grgiæ am Leben sind. Ein Großteil der Pfarrgemeinde ist in großer Furcht und Panik in die Berge geflüchtet, aber es gibt auch Fälle, wo die Leute ihr gesamtes Hab und Gut aufgeben und irgendwohin flüchten. Sowohl in Vrbanjci als auch in Kotor Varo¹ habe ich die dortigen Militär- und Polizeibehörden ersucht, der Bevölkerung Sicherheit zu gewährleisten und die Menschen nicht zu verhaften und nicht zu töten und ihnen nicht die Häuser zu zerstören, wenn sie doch völlig unschuldig sind! Unter der verbliebenen katholischen Be­völkerung herrscht große Panik und Angst vor einer totalen Ausrottung, und es ist ein großer Segen, daß die Geistlichen unter Gefahr für ihr eigenes Leben noch immer bei ihnen sind! Ich werde in den kommenden Tagen alles unterneh­men, um sowohl die Geistlichen als auch die Gläubigen weitmöglichst vor grö­ßeren Leiden zu beschützen.
4. Heute erreichte mich die Nachricht, daß letzte Nacht auch die Pfarrkir­che und ein Haus der Pfarrgemeinde Kula¹i sowie die griechisch-katholische Kirche in Prnjavor gesprengt worden sind. Morgen werde ich versuchen, hinzu­fahren, um zu sehen, was geschehen ist, und mich um die Geistlichen und die Gläubigen zu kümmern!
- Eure Exzellenz, beten Sie für uns, es bedeutet uns viel! Haben Sie Dank für alles! Ich werde mich bei nächster Gelegenheit wieder melden!
Ich verleibe im Herrn, mit dem Ausdruck der Hochachtung

 + Franjo Komarica, Bischof

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"ES IST MIR GELUNGEN, EINIGE PFARRGEMEINDEN ZU BESUCHEN!"
Schreiben an den Apostolischen Nuntius in Belgrad, Msgr, G. Montalvo
(Prot. Nr. 559/92 vom 03. August 1992)

Eure Exzellenz,
heute habe ich zusammen mit meinem Generalvikar Dr. Auto Orlovac und meinem Kanzler Dr. Miljenko Anièiæ den Bürgermeister von Banja Luka, Mag. Predrag Radiæ, aufgesucht. Ich habe ihm in schriftlicher Form unsere Sor­ge wegen der schwierigen Lage und der Ungewissen Zukunft des katholischen Bevölkerungsteils unserer Gemeinde dargelegt (Text - Anlage 1!).
In einem längeren offenen Gespräch zeigte Bürgermeister Radio Verständ­nis für unsere Überlegungen und Bereitschaft, allen Bürgern die gleichen Rech­te zu gewähren und gegen jede An von Gewalt und Ungerechtigkeit einzuschrei­ten, soweit es ihm möglich ist. Er hob erneut den großen Beitrag hervor, den gerade der katholische Teil der Bevölkerung unserer Gemeinde zum derzeitigen relativen Frieden in diesem Gebiet geleistet hat. Er versprach, mir auf die in meinem Schreiben formulierten Fragen eine schriftliche Antwort zu übermit­teln, sobald er die anderen zuständigen Politiker konsultiert hat, "denn er möch­te keine Versprechungen abgeben, die er nicht halten kann".
Im Anschluß daran habe ich in Begleitung von Militärpolizeiangehörigen vom Korps Banja Luka, die mir der General selbst zur Verfügung gestellt hatte (nachdem am Samstag in der Nähe von Banja Luka einige Uniformierte und Zivilisten mir und den mich begleitenden Geistlichen gedroht hatten, uns um­zubringen), die Pfarrgemeinden Prnjavor, Kula¹i und Dragalovci und die grie­chisch-katholische Pfarrgemeinde in Prnjavor besucht. Die Kirche der griechisch-katholischen Pfarrgemeinde in Prnjavor ist in der Nacht vom 01. auf den 02. August durch Sprengladungen völlig zerstört worden! Von der derzeitigen, sehr traurigen Lage liegt von Pater Petar Ovad, dem Pfarrer und Dekan aller ukraini­schen Katholiken im Gebiet von BiH, eine kurzgefaßte Beschreibung vor (Text -Anlage 2!). Ich habe Pater Ovad versprochen, daß ich sie nicht vergessen werde, zumal sie keinerlei Kontakt mit ihrem Bischof Miklav¹i in Zagreb haben. In der Pfarrgemeinde Kula¹i wurde zur selben Zeit, als die Kirche in Prnjavor zerstört wurde, die römisch-katholische Kirche gesprengt und stark zerstört, und in der Nacht zuvor ist die neue Pfarrwohnung durch eine Sprengladung zerstört worden. In dieser Pfarrgemeinde hatte es ebenso wie in Prnjavor keiner­lei Kämpfe gegeben. Die Kirche wurde "aus heiterem Himmel" gesprengt. Die Menschen sind in großer Angst; als ich ankam, hatten sich fast 200 Männer, Frauen und Kinder versammelt! Sie weinten und verlangten von mir Schutz! Pfarrer Nikica Lozanèiæ war vom Leiter der Polizei in Prnjavor sehr unver­schämt beleidigt worden, als er diesem meldete, daß die Kirche vermint worden sei! Ich habe mit ihnen gemeinsam gebetet und ihnen, soweit ich konnte, Mut zugesprochen und sie gemistet und ihnen versprochen, daß ich sie nicht verges­sen werde! Sie haben sich sehr gefreut, als ich ihnen sagte, daß der Heilige Vater selbst für sie betet und sie segnet, wie auch Sie als sein Vertreter.
In der Kirchengemeinde Dragalovci war die Pfarrkirche durch eine Sprengladung stark beschädigt; worden, und man hatte sie geplündert. Es war auch in die Pfarrwohnung eingebrochen worden. Den Pfarrer, Marko ©aliæ, hat das Militär vor zwei Monaten weggebracht, und man weiß nicht sicher, wo er sich befindet. Am wahrscheinlichsten ist, daß er sich in Doboj befindet. Einige Häuser wurden niedergebrannt, und viele Menschen wurden inhaftiert; das Dorf ist wie ausgestorben. Hier hatte es keine kriegerischen Zusammenstöße gege­ben, aber die Pfarrei und das Dorf liegen an der einzigen Hauptstraße zwischen Banja Luka und Belgrad. Einige ältere Menschen, die ich traf, baten mich wei­nend, ihnen behilfich zu sein, damit sie irgendwie den täglichen Quälereien durch Uniformierte, die sie verprügeln und immer der Reihe nach ausplündern, entrinnen! Wir rafften uns auf und begaben uns nach Doboj, das einem anderen Kommando und einer anderen (ebenfalls serbischen!) Behörde untersteht. Ich ging zum dortigen Pfarrer, Jozo Kudiæ, um ihn nach Pfarrer ©aliæ zu fragen. Pfarrer ©aliæ war zwei Tage zuvor aus dem Gefängnis von Doboj entlassen worden und aus Sicherheitsgründen bei Pfarrer Kudiæ geblieben. Dort befanden sich auch vier Ordensschwestern der Gemeinschaft "Mägde des Kleinen Jesus" und eine alte Frau. Das Haus der Schwestern war zwei Monate zuvor von Angehöri­gen der "Roten Barette" der serbischen Streitkräfte demoliert worden. Die Pfarr­kirche ist niedergebrannt, viele Katholiken sind auch in Gefängnishaft umge­bracht worden, und ein Teil der Katholiken ist geflohen. Es sind nur noch sehr wenige von ihnen geblieben. Diese befinden sich regelrecht im Gefängnis, da sie nirgendwohin gehen können, und sie haben kaum etwas zu essen. Alle haben sieh sehr über meinen Besuch gefreut! Ich habe ihnen versprochen, mich an die Militärbehörden in Banja Luka zu wenden, um zu ermöglichen, daß ich sie am Mittwoch abholen komme, denn sie wollen Doboj unbedingt verlassen!
- Auf dem Rückweg war ich in Prnjavor hei Pfarrer Vlado Lukenda, dem man das Auto weggenommen hat. Ich formulierte einen schriftlichen Protest und drückte gegenüber dem Bürgermeister der Gemeinde Prnjavor meine Be­sorgnis wegen der immer schwieriger werdenden Lage der Katholiken in dieser Gemeinde aus (Text - Anlage 3!).
Eure Exzellenz, ich werde versuchen, in diesen Tagen noch einige weite­re Teile meines von Krieg und Unglück erfaßten Bistums zu besuchen. Ich wer­de mich wieder melden!
Indem ich mich auch für die Zukunft Ihrer geschätzten Fürbitte anemp­fehle, verbleibe ich im Herrn, Ihr

 + Franjo Komarica, Bischof

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"MÖGE GOTT UNS DIE KRAFT ZUM WEITEREN DURCHHALTEN GEBEN!"
Schreiben an den Apostolischen Nuntius in Belgrad, Msgr. G. Montalvo
(Prot.-Nr. 562/92 vom 06. August 1992)

Eure Exzellenz,
ich übersende Ihnen hiermit einen kurzgefaßten Bericht über soeben be­endete Besuche in einigen meiner Pfarrgemeinden, mit denen ich über mehr als zwei Monate keinerlei Verbindung hatte.
Am Dienstag, dem 04. August d. J., war ich in Prijedor, Stara Rijeka, Ravska, Ljubija und ©urkovac und in der griechisch-katholischen Pfarrgemeinde Trnopolje bei Kozarac. In Prijedor ist der Pfarrer, Mladen Grabovac, im gro­ßen und ganzen gut davongekommen: man hat sein Haus und die Kirche neun­mal durchstöbert - ohne jedweden Grund, aber er wurde nicht mißhandelt. Die Kirche wurde nur unwesentlich beschädigt, der Turm wurde von einigen Grana­ten getroffen. In der Tochtergemeinde Kozarac wurde die Kirche niedergebrannt, ebenso wie alle katholischen (und muslimischen) Häuser. Viele Angehörige der Pfarrgemeinde wurden in Lager gebracht. Unter den Menschen herrscht unge­heure Angst. Es ist eine Massenaussiedlung der nichtserbischen Bevölkerung im Gange!
Es gelang mir, mit Vertretern der örtlichen Behörden zu sprechen: dem Bürgermeister, dem Vorsitzenden des Vollzugsrats, dem Leiter der Polizei und dem für die gesamte dortige Region zuständigen Militärbefehlshaber. Es war ein schwieriges und hartes Gespräch! Man ist sehr unzugänglich und intolerant! Ich habe verlangt, daß Pfarrer Stipo ©o¹iæ aus Ljubija auf freien Fuß gesetzt wird. Ich wollte ihn und vier weitere im ihrer Zuständigkeit unterstehenden Lager Omarska besuchen. Sie haben es mir nicht erlaubt, jedoch versprochen (!), mir binnen zwei Tagen mitzuteilen, wie es um die Betreffenden steht! Ich habe von ihnen Garantien für die Sicherheit der nahezu 8.000 Katholiken dieser Gemeinde verlangt. Bei der Abgabe des Versprechens wirkten sie nicht über­zeugend!
- In der Pfarrgemeinde Stara Rijeka fand ich den Pfarrer und Dekan Ilija Arloviæ, der nach zwölftägiger schwerer Mißhandlung am Abend zuvor aus dem Lager Sanski Most entlassen worden war. Er hat am Körper Blutergüsse, klagt über starke Schmerzen im Rippenbereich und ist physisch und psychisch am Ende seiner Kräfte. Die neue Pfarrkirche ist gänzlich demoliert, ebenfalls die Pfarrwohnung, die man außerdem geplündert hat. Einige Dutzend Mitglieder der Pfarrgemeinde waren oder sind noch immer in Lagern. Am furchtbarsten ist es in der Tochtergemeinde Bri¹evo, wo am 24. Juli d. J., ohne daß es irgendwel­che Gründe oder Kampfe gegeben hätte, über 90 (!) Zivilisten - Männer, Frauen und Kinder - umgebracht und über 100 Häuser und die neue Kirche sowie die neue Pfarrwohnung niedergebrannt wurden. All dies hat das Militär - die 6. Krajina-Einheit aus Sanski Most unter dem Kommando von Oberst Branko Basara, getan, wie ich am Ort des Geschehens bei meinem Besuch dieses trau­rigen Ortes von einem hohen Offizier meiner Begleitung erfahren konnte. Die übriggebliebenen Menschen sind Gott weiß wohin geflüchtet. Entsetzlich! (s. Anlage l!)
- In der Pfarrgemeinde Ravska hat man Ivan Grgiæ nicht mißhandelt - nur das Pfarrhaus und die Kirche wurden mehrmals durchsucht. In Donja Ravska wurden die Filialkirche und fünf Häuser niedergebrannt, und in der Tochter­gemeinde Ovanjska wurden acht Häuser niedergebrannt. Die Menschen sind hauptsächlich weit weg, in die Berge, geflüchtet (die ganze Pfarrgemeinde liegt in einer gebirgigen Gegend). Es herrschen allgemeine Angst und große Armut!
- In der Pfarrgemeinde Ljubija war Pfarrer Stipo ©o¹iæ am 15. Juni d. J. in das (berüchtigte!) Lager Omarska gebracht worden. Lange Zeit wußte man nicht, wo er sich aufhielt. Jetzt weiß man, daß man ihn schrecklich mißhandelt hat und daß er am Ende seiner Kräfte und schwer krank ist. Das neue (am 12. Mai d. J. eingesegnete!) Seelsorgezentrum ist zwischen dem 23. und 25. Juli und dann nochmals am 30. Juli d. J. vom Militär völlig zerstört und ausgeplündert wor­den. Auch die neue Pfarrkirche ist vorsätzlich in Brand gesteckt worden, aber nicht vollständig ausgebrannt. Es wurde großer Schaden angerichtet! Die Men­schen sind auch hier fast alle geflüchtet. Die große Angst und die ständige Ver­folgung dauern schon zweieinhalb Monate.
- In der Pfarrgemeinde ©urkovac ist der Pfarrer, Bruder Josip Bo¾iæ, psy­chisch total erschöpft. Sowohl er als auch seine Gläubigen halten sich bereits seil dem 24. Mai d. J. fast ständig außerhalb ihrer Wohnungen und Häuser, in den Wäldern der umliegenden Berge, auf! Tagtäglich durchstreifen Militär und Polizei die Dörfer und nehmen die Häuser unter Maschinengewehrfeuer. Die Angst ist sehr groß. Die Kirche wurde von etwa 30 Geschossen getroffen, eben­so die Pfarrwohnung. Zwischen dem 26. und dein 27. Juli wurden in Kipe (in einer dort befindlichen im Tagebau betriebenen Erzgrube des Bergwerks Ljubija) fast 150 Menschen, darunter auch eine Anzahl Muslime, getötet. Am 28. Juli wurden weitere 14 Menschen und danach noch 9 Menschen (Zigeuner - Roma), denen man befohlen hatte, diese vierzehn zu begraben, umgebracht! Auch hier wollen die Menschen irgendwohin emigrieren, weil sie sich unter entsetzlichem Druck befinden und wie auch alle anderen Katholiken dieses Gebiets keinerlei Rechte haben! Es mangelt ihnen wie auch den Menschen der anderen Pfarrge­meinden an allem! Ich habe, wo immer ich hinkam, ein paar Lebensmittel und ein bißchen Waschpulver von unserer Caritas verteilt. Es wird viel mehr ge­braucht, aber wir haben nichts weiter! Ich habe auch den griechisch-katholi­schen Pfarrer in Trnopolje besucht. Dort halten sich noch einige Familien auf. Die Kirche ist nicht beschädigt, aber ringsum ist alles verwüstet, man sieht zerstörte und ausgeplünderte katholische und muslimische Häuser (Ansonsten sind in der Umgebung von Prijedor und in Prijedor selbst Hunderte von muslimischen Häusern niedergebrannt und zerstört!). Am Mittwoch, dem 05. August, habe ich mich nach Erhalt einer entsprechenden Genehmigung der Mi­litärbehörden zu Pfarrer M. Sähe und zu Pfarrer Jozo Kudiæ von Doboj sowie, wie ich es diesen auf ihre Bitte versprochen hatte, zu vier Ordensschwestern der Gemeinschaft "Mägde des Kleinen Jesus" begeben.
- Zuerst habe ich noch in Prnjavor zusammen mit Pfarrer Vlado Lukenda und dem griechisch-katholischen Pfarrer und Dekan Petar Ovad den Bürger­meister von Prnjavor aufgesucht und mit ihm über die Lage der Katholiken in dieser Gemeinde gesprochen. Ich verlangte von ihm mehr Schutz für das Leben und das Eigentum der Katholiken, um so mehr, als sich dort schlimme Dinge ereignet hatten und in der vorangegangenen Nacht die Sprengung der römisch-katholischen Kirche des Ortes gerade noch im letzten Moment verhindert wur­de! Er versprach, daß er sein Möglichstes tun werde, wie weit jedoch seine Möglichkeiten gehen, ist eine andere Frage!
- Aus Doboj habe ich dann glücklich (und geschickt) Inhaftierte, Geistli­che und Ordensschwestern herausgeholt und sie alle bei mir in der bischöfli­chen Residenz untergebracht. Pfarrer ©aliæ ist in Doboj über zwei Monate lang an verschiedenen Stellen im Gefängnis gewesen. Da er ein schwerkranker und schon älterer Mann ist, hat man ihn "nur" ein paarmal (wohl fünfmal!) schwer verprügelt. Er will nicht darüber sprechen. Er sagt nur, daß im Lager über 5.000 (!!!) Menschen interniert sind, daß von den Gefangenen keine Listen existieren, daß Menschen zu Tode geprügelt werden, daß es sogar inhaftierte Frauen gibt, daß die Ernährung sehr schlecht ist und daß sich diese Menschen im großen und ganzen nichts hatten zuschulden kommen lassen. Man hat die Leute inhaftiert, damit man ihr Eigentum leichter plündern und vernichten konnte! Aus der Pfarrgemeinde Doboj sind, soweit bekannt ist, über 5Ü Menschen ermordet worden, viele andere, deren genaue Anzahl nicht bekannt ist, hat man inhaftiert. Es herrscht große Furcht! Der Pfarrer und die Ordensschwestern hatten mit keinem einzi­gen Geistlichen der umliegenden Pfarrgemeinden Kontakt und wissen nicht, wie es um diese steht. Viele katholische Dörfer im Dekanat Doboj sind zerstört, die Menschen sind geflohen oder ums Leben gekommen! Pfarrer Kudiæ und die Ordensschwestern würden nach Zagreb gehen, wenn unsere Caritas in den kom­menden Tagen nach über anderthalb Monaten Blockade dorthin fahren kann!
Heute, am 06. August, habe ich mit dem orthodoxen Bischof von Banja Luka ein langes Gespräch über die tragischen Ereignisse in unserer Umgebung geführt. Es wurde auch über die Notwendigkeit eines Treffens der katholischen und der orthodoxen Bischöfe aller vom Krieg erfaßten Gegenden gesprochen. Solche Gespräche können sicherlich sehr nützlich sein!
- In der Gemeinde Bosanska Gradi¹ka haben die Streitkräfte der Territorialverteidigung den Katholiken der Pfarrgemeinde Dolina ein Ultimatum gestellt, wonach diese so bald wie möglich wegzuziehen und all ihren Besitz zurückzu­lassen haben. Ich habe mich in diese Gegend begeben, um zu versuchen, die faschistischen Aktionen ethnischer Säuberung zu verhindern. Möge Gott sich unser erbarmen und uns die Kraft zun weiteren Durchhalten geben! Beten Sie auch weiter für uns! Möge der Herr Ihnen alles, was Sie für uns tun, vergelten! Ich verbleibe mit einem brüderlichen Gruß in Christo, unserem Guten Hirten,

Ihr + Franjo Komarica

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"ES MÜSSTE BALDMÖGLICHST EIN TREFFEN DER ORTHODOXEN UND KATHOLISCHEN BISCHÖFE ORGANISIERT WERDEN"
Schreiben an den Apostolischen Nuntius in Belgrad, Msgr. G. Montalvo
(Prot. Nr. 574/92 vom 10. August 1992)

Eure Exzellenz,
trotz unserer vielen Bemühungen gelingt es uns nicht, die totale Blocka­de zu durchbrechen und Ihnen Informationen über die tatsächliche Lage in eini­gen Pfarrgemeinden meines Bistums, von denen ich längere Zeit nichts erfahren habe, zu übermitteln. Ich bin Ihnen sehr dankbar, daß wenigstens Sie uns telefo­nisch erreicht haben. Leider ist es mir auch nach dem vor zwei Tagen mit Ihnen geführten Telefongespräch nicht gelungen, Ihnen schriftliche Nachrichten über unsere Lage zukommen zu lassen.
Ich schreibe Ihnen noch einige Zeilen über die neueste Entwicklung der Ereignisse. In Bosanska Gradi¹ka mußte ich auch schriftlich gegen die zwangs­weise, vermutlich illegitime Aussiedlung des katholischen Bevölkerungsteils intervenieren (Anlage 1!). Jetzt erfolgen noch größere Repressalien gegenüber den Katholiken bzw. Kroaten in der Pfarrgemeinde von Bosanska Gradi¹ka bzw. Dolina. Die Menschen verlangen von den Pfarrern, und diese wiederum von mir, daß ihnen die Möglichkeit gegeben wird, wenigstens ihren Kopf zu retten. Ich habe das Internationale Rote Kreuz hier in Banja Luka ersucht, sich im Rahmen seiner Möglichkeiten einzuschalten. Man hat mir versprochen, dies zu tun.
Am Samstag bin ich mit dem Caritas-Direktor Dr. Anièiæ beim Kom­mando des l. Korps von Banja Luka gewesen und habe endlich die schriftliche Genehmigung erhalten, daß Lkws nach Zagreb fahren und Lebensmittel holen. Wann dies sein wird, ist noch nicht bekannt! Von einer oberen Instanz wurde mir gesagt, daß man weiß, wieviel wir hiesigen Katholiken zum Frieden und zum friedlichen Zusammenleben beitragen. Man hat uns gedankt und sowohl dem Bischof als auch den Geistlichen und den Gläubigen Anerkennung zuge­sprochen!
Heute war ich beim orthodoxen Bischof von Banja Luka, Herrn Jefrem, wo einige orthodoxe Bischöfe zusammengekommen waren: die Mitropoliten Nikolaj von Sarajevo, Vasilije von Tuzla, Hrisostom von Bosanski Petrovac, Lukijan von Pakrac und ein neuer australischer. Es wurde ein sehr konstruktives Gespräch geführt. Wie es hieß, müßte baldmöglichst ein Bischofstreffen der katholischen und der orthodoxen Kirche in Novi Sad organisiert werden. Ich bitte Sie, dies auch Ihrerseits zu unterstützen!
Unser Volk ängstigt sich zunehmend wegen der Ungewissen Zukunft, aber es hungert auch zunehmend! Gott wird aber sicher helfen! Wir glauben fest daran! Ich verbleibe im Herrn mit einem herzlichen Gruß an Sie und alle Ihre Mitarbeiter

Ihr  + Franjo Komarica

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"MAN KANN WEDER WEGGEHEN NOCH BLEIBEN"
Schreiben an den Apostolischen Nuntius in Belgrad, Msgr. G. Montalvo
(Prot. Nr. 652/92 vom 03. September 1992)

Eure Exzellenz,
nach fünfzehn Tagen haben wir wieder elektrisches Licht, und ich nutze die Gelegenheit, um Ihnen per Fax einige aktuelle Informationen aus meinem Bistum zu übermitteln. Ich freue mich, daß wir nach längerer Zeit wieder mit­einander telefonieren konnten. Ich danke Ihnen für Ihre uns allen erwiesene große Fürsorge und Liebe. Der Herr möge es Ihnen hundertfach vergelten! Ihre Gebete und Ihr sonstiger Beistand waren in diesen Zeiten schwerer Versuchun­gen und großer Nöte für beinahe mein gesamtes Bistum für uns sehr wertvoll.
Den beiliegenden Schreiben, die ich in den vergangenen Tagen an die Zivil- und die Militärbehörden geschickt habe, entnehmen Sie wenigstens teil­weise Informationen über unsere Lage. Allgemein gesehen lebt das Volk noch immer in großer Angst, in einigen Gegenden werden die Repressalien und das anarchistische Treiben räuberischer Gruppierungen, die oft auch von Örtlichen Politikern unterstützt werden, unerträglich. Sehr, sehr viele, mehrere Zehntau­send meiner Gläubigen verlangen von mir Schutz bzw. eine Möglichkeit der Emigration nach Kroatien oder ins Ausland. Es ist gar nicht leicht zu entschei­den, auch nicht für uns, wegzugehen oder zu bleiben. Ich tue, was ich kann, um wenigstens den besonneren und weitsichtigeren Mitarbeitern der örtlichen Mili­tär- und Zivilbehörden klar zu machen, daß die sogenannte ethnische Säube­rung ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist, daß es sich um Faschismus und Genozid handelt. Gelegentlich stoße ich auch auf Verständnis. Auch hier verspürt man immer mehr den von der internationalen Öffentlichkeit ausgeüb­ten Druck gegen derartige Barbarei der Machthaber. Ich bitte Sie, sich auch weiterhin, soweit es Ihnen möglich ist, für eine menschliche, humane und christ­liche Lösung dieser irrsinnigen und inhumanen Situation, in der sieb Tausende unschuldiger Menschen befinden, einzusetzen!
Pfarrer S. ©o¹iæ befindet sich nach zweieinhalb Monaten der Hölle in den Lagern Omarska und Manjaèa hier bei mir, und ebenso Pfarrer M. Grabovac, dessen Pfarrkirche zerstört ist und den man umbringen wollte. Auch mein Leben ist tagtäglich in Gefahr. Auch heute haben mir die Militärbehörden, die ich wegen verschiedener Interventionen zum Schutz meiner Gläubigen aufgesucht hatte, dies gesagt! FIAT NOB1SCUM VOLUNTAS DEI!
Beten wir füreinander! Ich grüße Sie herzlich und danke Ihnen!

 Ihr + Franjo, Bischof

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"WIR SIND MIT C. VANCE UND D. OWEN ZUSAMMENGETROFFEN"
Schreiben an den Apostolischen Nuntius in Belgrad. Msgr, G. Montalvo
(Prot. Nr. 825/92 vom 25. September 1992)

Eure Exzellenz,
ich darf mich auch heute kurz an Sie wenden und Trinen eine Kopie der Bittschrift übersenden, die ich heute den Herren C. Vance und Lord David Owen zu überreichen die Möglichkeit und Ehre hatte.
Zum Programm ihres Aufenthalts gehörte auch ein Treffen mit mir, wie mir heute morgen Bürgermeister Radiæ nach Erhalt des Besuchsprotokolls für die hohen Gäste telefonisch mitteilte. Er selbst hatte angeregt, daß auch der orthodoxe Bischof von Banja Luka. Herr Jetrem, zugegen ist, wozu ich meine klare Zustimmung gab, und er hat dann auch, wie ich es angeregt hatte, den Mufti von Banja Luka, Herrn Haliloviæ einbezogen. Wir drei waren in den Nachmittagsstunden fast anderthalb Stunden lang bei den Herren Vance und Owen im Hotel "Bosna". Nach Herrn Jetrem und Herrn Haliloviæ habe auch ich meine Sicht bezüglich der derzeitigen Lage dargelegt, wobei ich die besonderen Merk­male der Situation beim katholischen Teil der Bevölkerung der Bosanska Krajina hervorhob. Dies sind in erster Linie die ausgesprochene Friedfertigkeit und die Bereitschaft zum Zusammenleben mit anderen Volksgruppen, der Wunsch, in der Heimat sicher zu leben, der Verzicht auf Vergeltung für die entsetzlichen Ungerechtigkeiten, die Entrechtung und die soziale Bedrohung und das Bestre­ben, das nackte Leben zu retten und wegzugehen, gleich wohin, aber dahin, wo es sicher ist, jedoch nicht an Orte im Gebiet des heutigen Bosnien und Herzego­wina. Ich habe ebenfalls unterstrichen, daß ich den Eindruck habe, daß weder Dr. Karad¾iæ noch andere serbische Politiker (und andere noch viel weniger) das wahre Bild von der Situation vor Ort kennen, insbesondere der Situation außerhalb von Banja Luka, wo zwar auf den ersten Blick noch Frieden herrscht, aber gleichzeitig ständig die Gefahr besteht, daß es unter der hungernden Be­völkerung zu nicht wünschenswerten Zusammenstößen kommt. Ich habe an meine Gesprächspartner appelliert, daß man, wo immer diese Problematik aktu­ell ist, Unschuldige vor Gesetzlosigkeit schützt und dafür sorgt, daß die Kampf­handlungen eingestellt werden, und unter anderem angeregt, daß unbedingt ein internationales Gremium für die Kontrolle der Durchführung energischer Maß­nahmen mit dem Ziel der Beendigung des Krieges und des dadurch bedingten Unheils geschaffen wird. In ihrer kurzgefaßten Antwort auf unsere Darlegungen führten die Herren aus, daß sie für alle von uns erhaltenen Informationen dank­bar seien, daß sie sich darüber Irenen, daß wir, die Vertreter der drei Glaubensge­meinschaften, nicht nur untereinander tolerant sind, sondern auch zusammenar­beiten, aber daß es mehr als offensichtlich sei, daß in unserem Raum ein echter Holocaust erfolgt und auch weiterhin im Gange sei, den die internationale Öffentlichkeit nicht ungestraft lassen wird. Die Herren äußerten ihren Eindruck, daß man durch die ethnische Säuberung soviel wie möglich erreichen wolle, bevor die UNPROFOR in unser Gebiet kommt, wobei sie versprachen, in ihren Bemühungen um die Verhinderung einer Eskalation des Unrechts und der krie­gerischen Auseinandersetzungen nicht nachzulassen, und sie sagten, daß sie überzeugt seien, daß ebenso wie das Streben, sich so viel Territorium wie nur möglich anzueignen, auch das Vorhaben der ethnischen Säuberung sehr schnell an Triebkraft verlieren und sich als ein großer Betrug herausstellen wird. Beide Heeren sind entschlossen, alles zu unternehmen, damit der Krieg in Bosnien so bald wie möglich beendet und in unserem Raum Recht und Ordnung für alle Bewohner wiederhergestellt wird.
Angesichts dessen können wir unserem gütigen Gott danken, daß diese sehr kompetenten und offensichtlich fähigen Politiker auch zu uns gekommen sind, damit sich unsere äußerst dramatische Lage nicht noch mehr verschlim­mert und durch ihr Eintreten und das aller anderen, die auf der internationalen Bühne eine gewichtige Rolle spielen, zur Verhinderung größeren und unermeß­lichen Unheils für alle Völker und Glaubensgemeinschaften, selbstverständlich auch besonders für unsere Volksgruppe und die katholische Kirche in diesem Gebiet meines Bistums beigetragen wird.
Ich spreche Ihnen und über Sie dem Heiligen Stuhl meinen aufrichtigen Dank für alles aus, was Sie für die Wiederherstellung des Friedens und des möglichen Zusammenlebens zwischen den verschiedenen Völkern in diesem Raum tun, was kurzsichtige und unfähige Politiker und Kriegsprofiteure furcht­bar bedroht und zerstört haben.
Auch ich persönlich werde nicht ablassen, mich zu bemühen, daß sich das Klima des gegenseitigen Vertrauens unter den Menschen verbessert, und ich werde mit allen Kräften jede konstruktive Aktion unterstützen. Möge Gott selbst alle edlen Bemühungen und Anstrengungen all derer, die sich um das wahre Wohlergehen des Einzelnen und aller Menschen bemühen, segnen!
Sehr geehrte Exzellenz, nehmen Sie nochmals meinen aufrichtigen Dank für Ihr Bemühen um eine Lösung bei der schwierigen Situation der Kirche in Banja Luka entgegen! Der Herr möge es Ihnen vergelten! Ich wünsche es Ihnen und bete dafür, und verbleibe mit einem brüderlichen Gruß, Ihr in Christo und Maria ergebener

 + Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

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"IN VIELEN PFARRGEMEINDEN IST ES SEHR DRAMATISCH!"
Schreiben an den Apostolischen Nuntius in Belgrad, Msgr. G. Montalvo
(Prot. Nr. 726/92 vom 12. September 1992)

Eure Exzellenz,
ich möchte Ihnen kurz über die wichtigsten neuesten Ereignisse in dem Gebiet meines Bistums, über das ich halbwegs informiert bin, berichten.
Zunächst möchte ich Ihnen danken, daß Sie liebenswürdigerweise den Text des an alle über das Schicksal von Bosnien und Herzegowina verhandeln­den Persönlichkeilen gerichteten gemeinsamen Appells des orthodoxen Bischofs von Banja Luka, des Mufti und mir zur Kenntnis genommen und diesen Appell an die erforderlichen Stellen weitergeleitet haben. Hier wird diese unsere ge­meinsame Stimme allgemein sehr positiv aufgenommen. Gott sei Dank.
Am Samstag, dem 05. September d. J„ hatte ich ein Treffen mit den führenden Zivil- und Militärorganen der Gemeinde Banja Luka sowie mit einer größeren Gruppe von Bürgern (größtenteils Katholiken), die sich über die Be­drohung der menschlichen Grundrechte beklagten. Auch bei der Gelegenheit habe ich an die anwesenden Organe appelliert und von ihnen verlangt, den be­gründeten Beschwerden dieser in vieler Hinsicht völlig entrechteten Menschen, die sich i n keiner Weise schuldig gemacht haben, mehr und energischer nachzu­gehen. Es wurde ihnen öffentlich versprochen, daß man sich bemühen werde, ihren Forderungen Rechnung zu tragen, insbesondere im Hinblick auf die per­sönliche Sicherheit, die Verhinderung von Quälereien, Mißhandlungen und Plün­derungen, die Frage der erneuten Einstellung am Arbeitsplatz und die Respek­tierung des Rechts der Eltern auf selbstbestimmte Erziehung ihrer Kinder (es war eine irrsinnige, wahrhaft rassistische Schulreform eingeführt worden) so­wie auf einige weitere, in jeder zivilisierten Gegend der Welt gesetzlich aner­kannte Rechte.
Am Montag, dem 07. September, habe ich die (an der Grenze zu Kroatien gelegenen) Pfarrgemeinden Bosanska Gradi¹ka und Dolina besucht, wo nach der am 03. September d. J. erfolgten Entführung (und nicht auszuschließenden Ermordung) des Vorsitzenden des Gemeindeseelsorgerats und Mitglieds des bi­schöflichen Seelsorgegremiums, Dipl.-Ing. Marijan Vi¹tica, der gleichzeitig auch für unser gesamtes Gebiet zuständiges Mitglied des Parlaments von Bosnien und Herzegowina war, unter den Katholiken eine wahre Panik ausgebrochen ist und die Menschen um jeden Preis nach Kroatien gehen wollen. Im Verlauf meh­rerer Tage konnten fast 300 Personen wegziehen, aber auch alle übrigen moch­ten weggehen - fast 2.000 Katholiken. Sie haben mir erneut ihre Nöte vorgetra­gen, und die Pfarrer in Dolina und Bosanska Gradi¹ka wie auch die Ordens­schwestern des Klosters Bosanska Gradi¹ka sind völlig im Ungewissen dar­über, was sie weiter tun und wohin sie gehen sollen.
Am Dienstag, dem 08. September d. J., hatte ich wieder ein Gespräch mit Militär Vertretern des 1. Korps von Banja Luka, bei dem ich erneut die ganze Dramatik der Lage im Gebiet von Bosanska Gradi¹ka hinsichtlich des Schick­sals der Katholiken und der katholischen Pfarrgemeinden darlegte, meine Be­sorgnis und meinen Protest angesichts dessen, daß zum Schulz dieser unschul­digen Menschen nichts Konkreteres unternommen wird, äußerte und von neu­em darauf bestand, daß man mich über das Schicksal von Ratko Grgiæ, dem bereits am 16. Juni d. J. verhafteten Pfarrer von Nova Topola, richtig informiert. Ich habe auch meiner tiefen Bitterkeit wegen der völligen Zerstörung der Pfarr­kirche und der Pfarrwohnung in der Kirchengemeinde Mahovljani durch das Militär und der Verwüstung des ebenfalls dort gelegenen bischöflichen Wirtschaftsbetriebs Ausdruck gegeben. Alle haben dies zur Kenntnis genommen und haben versprochen (!), daß sie die Lage in Ordnung bringen und weitere Akte des Vandalismus verhindern werden. Bisher gibt es keinerlei zuverlässige Infor­mationen, aus denen hervorgeht, daß die Lage sich gebessert hat!
Inzwischen hat mir der Pfarrer von Kljuè, Herr Franjo Kre¹iæ, mitgeteilt, daß fast seine gesamte Pfarrgemeinde, die dort eine Minderheit von nahezu 150 Gläubigen bildete, weggegangen sei und sich auf den Weg nach Kroatien ge­macht habe! Diese Pfarrei wurde damit tatsächlich in Frage gestellt. Nach dem Untergang der umliegenden Pfarrgemeinden (im letzten Krieg): Drvar, Bosanski Petrovac, Krnjeu¹a, Zelinovac, droht auch dieser einst großen Gemeinde das völlige Erlöschen!
Auch die Pfarrer von Sanski Most und Stara Rijeka sowie von ©urkovac und Sasina melden mir, daß auf die Katholiken in jenen Gegenden nach wie vor entsetzlicher Druck ausgeübt wird, und sie bitten, daß der Bischof sie unbedingt rettet, d.h. sie aus der unerträglichen Umgebung herausbringt! (...)
Den Pfarrern von Kotor Varo¹ und Vrbanjci ist es gelungen, mir die Mit­teilung zukommen zu lassen, daß sich die am dortigen katholischen Bevölkerungsteil verübten Quälereien trotz dessen ausgesprochener Friedfertigkeit unerträglich steigern, daß die Menschen die Grenzen ihrer Durchhaltefähigkeit erreicht, haben, daß sie nicht wagen, in ihren Carlen Kartoffeln zu ernten oder anderes Gemüse zu holen, daß ihre Häuser weiterhin in Brand ge­steckt werden und daß sie den Bischof ersuchen, sie unbedingt aus jener Hölle herauszuholen.
Am Donnerstag, dem 10. September d. J., habe ich endlich eine erste schriftliche Antwort auf meine vielen Schreiben an den Kommandanten des l. Krajina-Korps, Generalmajor Taliæ, erhalten, wobei es um die Zerstörung der Pfarrkirche in Prijedor geht. Eine Kopie des Schreibens erhalten Sie beiliegend (Anlage 1).
Auf mein wiederholtes Drängen hin hat mich gestern, am 11. September, der Leiter der regionalen, d.h. für die gesamte Bosanska Krajina zuständigen Polizei, Herr ®upljanin, empfangen. Ich habe ihm auch die schriftliche Eingabe bezüglich der "ständigen Gefährdung und höchst Ungewissen Lage der Katholi­ken im Gebiet der Bosanska Krajina" überreicht (Anlage 2) und ihm mündlich die ganze Dramatik der Situation dargelegt, wobei ich ihn fragte, warum dies geschehe und wie lange es noch andauern werde. Er äußerte unter anderem, daß der Vatikan am Schicksal Jugoslawiens und der Serben schuld sei und die Ser­ben sich daher an den Katholiken rächen - indem sie ihnen die Kirchen zerstö­ren, Zivilisten umbringen und sie aus diesem Raum vertreiben ... Er versprach trotzdem, sich um verstärkte Disziplin unter der seinem Befehl unterstehenden Polizei zu bemühen und, soweit es ihm möglich sei, schwerere Delikte zu ver­hindern. Ich verlangte auch eine schriftliche Antwort, und er hat mir eine solche versprochen! Ich habe ihm versichert, daß ich nicht nachlassen werde, sowohl von ihm als auch von allen anderen derzeitigen Vertretern der Obrigkeit zu ver­langen, sich zu so verhalten, wie man es aufgrund ihrer Position von ihnen erwartet, und alle in diesem Gebiet lebenden Menschen, und selbstverständlich auch die Katholiken, in gleicher Weise zu schützen.
Am gleichen Tage habe ich auf sein Verlangen auch Herrn Kupre¹anin, den Vorsitzenden der Autonomen Region Bosanska Krajina, bei mir empfan­gen, der vom Führer der Serben von Bosnien und Herzegowina, Dr. Karad¾iæ, bevollmächtigt war, sich mit mir über den Brief zu unterhalten, den ich vor einem Monat sowohl an Dr. Karad¾iæ als auch an den Premierminister der RS, Dr. Ðjeriæ, gerichtet hatte. Auch ihm habe ich in schriftlicher Form erneut die derzeitige Lage der Katholiken in der Bosanska Krajina dargelegt (Anlage 3), und ich habe mit ihm in einem längeren Gespräch die heikelsten Punkte erör­tert, d.h. die Aussiedlungen, die Plünderungen, die Entlassungen aus dem Arbeitsverhältnis, die Inhaftierungen und Ermordungen, den Fall meines verschwundenen Pfarrers, die Schulreformen, die Frage der Häftlinge in Manjaèa u.a.m. Er versprach mir, sich dafür einzusetzen, daß diese Fragen positiv gelöst wer­den. Wir werden bald sehen, was daraus wird!
Heute hat mich die Fernsehanstalt Banja Luka um ein Interview wegen der Antwort von Premierminister Ðjeriæ auf mein Schreiben bezüglich der Miß­handlungen von Katholiken dieses Gebiets und der Vertreibungen derselben gebeten! Den Brief, d.h. diese Antwort, habe ich noch nicht erhalten! Soviel für diesmal! Verehrte Exzellenz, wir beten und arbeiten, so gut wir nur können, für den Frieden und das Wohl aller Menschen! Ich verbleibe mit einem brüderli­chen Gruß in Christo

Ihr + Franjo Komarica, Bischof

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ANGST UND HOFFNUNG WECHSELN EINANDER AB
Schreiben an den Apostolischen Nuntius in Belgrad, Msgr. G. Montalvo
(Prot. Nr. 1075/92 vom 19. Oktober 1992)

Eure Exzellenz,
auf die Elektrizitätsversorgung und den Faxverkehr ist wie bisher weiter­hin kaum Verlaß, und auch mein letzter Brief wartet noch auf Zustellung. Ich melde mich aber, in der Hoffnung, daß ich Ihnen trotz allem bald die neuesten Nachrichten über die derzeitige Lage in meinem Bistum Bari ja Luka zusenden kann.
Ich weiß noch immer nicht, wie es um meine Geistlichen, Ordensleute und Gläubigen in den Pfarrgemeinden steht, in denen gekämpft wird - in Jajce und Bihaæ. Ebenso habe ich keinerlei Informationen vom Dekanat Livno, aber ich hoffe, daß die dortigen Menschen, von wirtschaftlichen Schwierigkeiten abgesehen, wie sie sie im übrigen die gesamte Bevölkerung unseres vom Krieg erfaßten Landes ertragen muß, nicht unter größeren Kriegsnölen zu leiden ha­ben. Hinsichtlich der aktuellen Situation im restlichen Teil des Bistums kann ich Ihnen folgendes mitteilen:
Nach fast acht Monaten ist es mir gelungen, mich endlich nach Zagreb zur diesjährigen Tagung der Kroatischen Bischofskonferenz zu begeben und von dort ohne besondere Schwierigkeiten zurückzukehren. Ein besonderes Er­lebnis war die Begegnung mit den Brüdern im Bischofsamt und mit dem neuen Apostolischen Nuntius in Zagreb, Msgr. Einaudi, mit dem ich ein langes Ge­spräch über die Gesamtsituation sowohl in meinem Bistum als auch im gesam­ten BiH führte. Es war ein sehr konstruktives Treffen!
Den Aufenthalt in Zagreb habe ich auch für eine Zusammenkunft mit maßgeblichen Persönlichkeiten der Regierung der Republik Kroatien genutzt, konkret mit dem Vizepremierminister Dr. Graniæ, den ich bat, daß er unserem entrechteten und völlig verarmten Volk die Beschaffung von Weizen für die diesjährige Herbstaussaat sowie von Kraftstoff' für die zur Feldbestellung erfor­derlichen Traktoren ermöglicht. Seine entgegenkommende Haltung war für mich Anlaß, in den vergangenen Tagen erneut nach Zagreb zu fahren und für meine hungernden und entrechteten Gläubigen direkt bei der politischen Spitze der Republik Kroatien Hilfe zu erbitten, die ich, Gott sei Dank, auch bekommen habe! Anstatt an der Spitze einiger Zehntausend meiner katholischen Gläubigen das Gebiet meines Bistums und des Territoriums von Bosnien (wie es in der Geschichte dieser Gegend der Fall war) Tür immer zu verlassen, habe ich be­schlossen, für mein unterdrücktes, entrechtetes und verarmtes Volk Hilfe und Schulz zu erbitten, sowohl um Nahrung, Kleidung und Schuhwerk als auch um die Erweckung einer begründeten Hoffnung auf eine bessere Zukunft, eine neue Aussaat und ein neues Leben! Ich traf, Gott sei Dank, auf Verständnis und er­hielt die Zusicherung, daß man uns nicht vergessen werde! Gleichzeitig habe ich die Aufnahme von Verbindungen im Bereich des Verkehrs, des Handels und des Post- und Fernmeldewesens zwischen unserem gesamten Gebiet und Kroa­tien bzw. Zagreb verlangt. Auch in dieser Hinsicht traf ich auf Verständnis, und ich bin effektiv Zeuge einer Verbesserung der durch den Krieg bedingten ge­spannten Beziehungen zwischen diesen beiden Gebieten. Ich werde nicht nach­lassen, nach allen nur möglichen Mitteln und Wegen zur Wiederherstellung des Friedens und der Zusammenarbeit zwischen den entzweiten Brüdern und Nach­barn zu suchen. Es gibt, Gott sei Dank, Fortschritte!
Dank unserem gütigen Gott bessert sich die in der letzten Zeit sehr dra­matisch gewe