Autor:
Dr Franjo Komarica

  I. kapitel II. kapitel III. kapitel IV. kapitel V. kapitel VI. kapitel VII. kapitel VIII. kapitel IX. kapitel X. kapitel XI. kapitel  
Eine Auswahl der Dokumente des Bischofs und des bischöflichen Ordinariats von Banja Luka aus den Kriegsjahren 1991-1995


- II -
AN DIE GEISTLICHKEIT UND DIE GLÄUBIGEN


WOLLEN WIR FRIEDEN ODER KRIEG?
Botschaft von Bischof Franjo anläßlich des Weltfriedenstages
1. Januar 1992

Nach einer dem Frieden gewidmeten feierlichen Messe hat der Bischof im Beisein von Repräsentanten anderer Konfessionen und der Europäischen Beobachtermission nach einer kurzgefaßten Wiedergabe den Inhalts der päpst­lichen Botschaft zum Weltfriedenstag und des gemeinsamen Sendschreibens der religiösen Repräsentanten auch seine Botschaft übermittelt.

Liebe Gläubige, geehrte Mitbürger,
als Ihr Mitbruder im Glauben bzw. Ihr Nachbar und Mitbürger möchte ich Ihnen allen und allen Menschen unserer Umgebung heute einen gesegneten Tag für die gemeinsamen Gebete für den Frieden in unserer Stadt und in unse­rem Land wünschen und folgende Worte an Sie richten:
Eines der größten Probleme der menschlichen Geschichte liegt darin, daß die Begriffe Liebe und Macht gewöhnlich als einander entgegengesetzte Dinge verstanden werden. So wird die Liebe mit der Ablehnung der Anwendung von Macht, von Gewalt, und die Macht wiederum mit der Unterdrückung, der Ver­neinung, der Liebe gleichgesetzt. Es ist notwendig, daß wir begreifen, daß Macht ohne Liebe bedenklich ist, weil sie mißbraucht werden kann, und daß Liebe ohne Macht sentimental bleibt und nicht zum Tragen kommt.
In ihrer besten Gestalt ist Macht Liebe, die alles, was sich der Liebe ent­gegenstellt, zurückweist.
Vor uns, unserer Stadt und unserem Land erhebt sich in diesem Augen­blick eine höchst gravierende und schicksalsträchtige Frage: Wollen wir Frie­den oder Krieg, ein gemeinsames Leben in Frieden mit Wertschätzung des an­deren und gegenseitigem Beistand oder unermeßliche Zerstörungen aller Brükken und Kontakte und Kriegsgreuel, durch die wir alle alles verlieren, sowohl die für die Gegenwart als auch für die Zukunft der nachfolgenden Generationen wichtigen Dinge, insbesondere das so kostbare Gut des Daseins im Miteinander in unserem gemeinsamen Garten, unserer teuren und einzigen Heimat.
Ich bin überzeugt, daß es weder unter den Gläubigen noch unter den übrigen Mitbürgern in unserer Stadt einen geistig gesunden Menschen gibt, der Krieg und die Zugrunderichtung unseres friedlichen Zusammenlebens und un­serer Zukunft wünscht. Dies wünschende abnormale Menschen jedoch, sofern es sie gäbe, was Gott verhüten möge, darf man um keinen Preis über das indivi­duelle oder gemeinsame Schicksal all der anderen rechtschaffenen und in edler Gesinnung für Frieden eintretenden Menschen entscheiden lassen.
Für mich persönlich kann ich mit Bestimmtheit versichern: Wenn, was Gott verhüten möge, ein Fall einträte, wo alle Gläubigen, die Katholiken unse­rer Stadt und unseres Landes, sich für die Anwendung von Gewalt und für Ge­walttaten gegeneinander zur Durchsetzung irgendwelcher unbedeutender, vor­übergehender und egoistischer Ziele entscheiden, wäre es mein Anliegen, mit meiner einen Stimme allen mahnend zuzurufen: "Brüder, ihr habt den falschen Weg und die falschen Mittel gewählt. Das, was ihr tut, ist verderblich, unmensch­lich und schändlich!" Danken wir aber Gott, daß unsere Gläubigen und, wie ich glaube, auch alle anderen Mitbürger meistenteils tatsächlich Anhänger eines echten menschlichen Miteinander und des Friedens unter uns sind.
Von dieser Stelle aus, wo wir uns zur ersten von drei interkonfessionellen Gebetsversammlungen für den Frieden in unserer Stadt Banja Luka zusammen­gefunden haben, bitte ich Sie alle, meine lieben Brüder und Schwestern im Glauben und alle meine verehrten Mitbürger, bei möglichen Uneinigkeiten un­ermüdlich die gan7.e Palette notwendiger, dauerhafter und echter Lösungen in Anwendung zu bringen bzw. nach allen entsprechenden Losungen zu suchen.
Ich appelliere an alle Verantwortungsträger in unserer Stadt, unserem Gebiet und unserer Republik, daß sie sich entsprechend ihren edlen menschli­chen Qualitäten und ihrer religiösen Überzeugung nicht durch die engeren In­teressen ihrer jeweiligen Partei oder Volksgruppe bei der Erfüllung ihrer über­aus wichtigen hauptsächlichen Aufgabe behindern lassen: den Frieden zu erhal­ten und die Ausbreitung der Kriegsgreuel und Kriegsleiden in unserer Mitte zu verhindern.
Allen für das Schicksal der vielen Landsleute und unserer Zeitgenossen in anderen, uns benachbarten Ländern zuständigen Verantwortungsträgern aus dem Osten, Westen, Norden und Süden sage ich: Machen Sie dem Krieg und dem Blutvergießen ein Ende, dehnen Sie den Krieg nicht auf unsere Gebiete aus! Wir wollen Frieden! Beginnen auch Sie endlich, wenn auch auf den als Hypothek des Krieges dastehenden Trümmern, einen Frieden mit uneinge­schränkter Respektierung der Freiheit und der übrigen legitimen Rechte eines jeden Einzelnen und eines jeden Volkes zu erbauen.
Möge Gott Ihnen und uns, die wir hier versammelt sind, und allen unse­ren Mitbürgern und Menschen guten Willens in unserer Heimat zur Seite ste­hen, damit dieses neue Jahr, das Jahr des Herrn 1992, für uns alle ein besseres, friedlicheres, glücklicheres und schließlich auch für unsere unsterbliche Seele fruchtbareres Jahr wird. Amen.

+ Franjo, Bischof

anfang der seite

LASSEN SIE SICH NICHT DURCH DIE VON DEN ÖFFENTLICHEN MEDIEN VERBREITETEN LÜGEN, VERLEUMDUNGEN UND TÄUSCHUNGEN BEEINFLUSSEN!
Hirtenbrief an die in den Pfarrgemeinden des Bistums Banja Luka verbliebenen Gläubigen
(Prot. Nr. 922/93 vom 27. März 1993)

Meine lieben Gläubigen,
in letzter Zeit haben wir mehrfach erlebt, daß die hiesigen Medien - der Rundfunk, das Fernsehen und die Tageszeitungen - eigenartige Nachrichten über die katholische Kirche im Bistum Banja Luka, ihren Bischof und die Gläubigen des Bistums verbreiten.
Es handelt sich dabei um böswillige Unterstellungen sowohl gegenüber dem Bischof und den Geistlichen als auch gegenüber den übrigen Angehörigen unseres Bistums und um eine skrupellose Täuschung unserer breiten Öffent­lichkeit und damit auch um Erregung neuer innerer Unruhe bei Ihnen und eine Verstärkung des auf vielen von Ihnen lastenden psychischen Drucks.
So sind auch die Nachrichten, die in den Informationssendungen des Fern­sehens - der Fernsehanstalt Banja Luka und der Fernsehanstalt Serbiens - vom Sonntag, dem 21. d. Mts., ausgestrahlt sowie auch von einigen Radiosendern und in der in Banja Luka erscheinenden Zeitung "Glas Srpski" vom Montag, dem 22. d. Mts., verbreitet wurden, wonach angeblich eine Massenemigration der Katholiken aus unseren Pfarrgemeinden in der Bosanska Krajina vorbereitet und organisiert wird, die angeblich auf Wunsch der katholischen Kirche erfolgen und unier der Führung Ihres Bischofs und Ihrer Geistlichen vonstatten ge­hen soll, eine gewöhnliche, jedoch keineswegs harmlose LÜGE, eine vorsätzli­che VERLEUMDUNG von uns allen und eine schändliche TÄUSCHUNG der breiten Öffentlichkeit.
Dies dürfte Ihnen sofort klar gewesen sein, da Sie sowohl die Einstellung der katholischen Kirche, der wir angehören, als auch meine und die aller unserer Geistlichen kennen! Dennoch haben wegen der allgemeinen Atmosphäre der Kriegshetze, die auch wir hier verspüren, diese Falschinformationen, Lügen und Unterstellungen bei einigen von Ihnen eine gewisse Nervosität, zusätzliche Unsicherheit und sogar unnötige Panik und in einzelnen Fallen sogar nicht wün­schenswerte Reaktionen wie die der ernsthaften Erwägung der Flucht bzw. der Emigration heraufbeschworen.
Es darf nicht verwundern, daß bei dieser sich in unserem Lebensraum abspielenden wahnsinnigen, durch nichts gerechtfertigten kriegerischen Aus­einandersetzung unter Nachbarn, an der wir Katholiken uns nicht beteiligen und auch nicht beteiligen wollen, auch ein Kampf besonderer Art auf der Ebene von Lügen und Falschinformationen in den öffentlichen Medien abläuft.
Es ist daher um so notwendiger, daß alle sich richtig informieren, damit sie nicht zu falschen Überlegungen kommen, sich kein falsches Urteil bilden und für sich selbst keine falschen Schritte tun.
Bezüglich der erwähnten Lugen und Verleumdungen, die nur einen Teil der in letzter Zeit verstärkt geführten Kampagne gegen die katholische Kirche allgemein und insbesondere gegen ihre Anwesenheit in diesem Gebiet ausma­chen, kann ich Ihnen als Ihr Bischof folgendes sagen:
Haben Sie keine Angst! Haben Sie auch weiter Vertrauen zu Gott, der Herr über jedes Menschenleben wie auch über die gesamte menschliche Ge­schichte und somit auch unsere katholische Kirche ist. Sie hat sich hier siebzehn lange Jahrhunderte behauptet, obwohl es Zeiten gegeben hat, die noch viel stür­mischer waren als die, die wir jetzt erleben! Sie wird auch weiterhin hier bleiben, wenn es Gottes Wille ist, woran zu zweifeln kein Anlaß besteht!
Sie haben Ihre Geistlichen, die bei Ihnen geblieben sind und bei Ihnen bleiben werden, solange es auch nur einen einzigen Gläubigen in Ihrer Pfarrgemeinde gibt. Sie haben auch einen Bischof, der es nicht als seine Aufgabe an­sieht, an Ihrer Spitze oder mit Ihnen zusammen von unseren jahrhundertealten Heimstätten wegzulaufen, aus der einzigen Heimat, die wir haben, zu fliehen. Auch unsere ruhmvollen Vorfahren haben derartige stürmische Zeiten mehr als einmal erlebt! Wir wissen sehr wohl, daß sie nicht selten wahre Märtyrer und Dulder gewesen sind und man sie unterdrückt und erniedrigt, entrechtet und verleumdet hat, sie jedoch in ihrem Zuhause geblieben sind und dort getreu dem Evangelium Christi und der Lehre der Kirche in der Liebe zu Gott und zu jedem ihrer Mitmenschen - und sogar zu ihren Feinden - ihr Leben geführt haben!
Ich, Ihr Bischof, kann nicht über Ihren zukünftigen Aufenthaltsort ent­scheiden, und auch Ihre Geistlichen können dies nicht! Dies können nur Sie selbst in eigener freier Entscheidung tun. Was wir aber tun können und müssen, tun wir, und wir werden es auch in Zukunft tun! Wir können und müssen Gott im Gebet anrufen, damit er Sie alle schützt und Sie näher an sich heranzieht, wo immer Sie sich aufhalten! Wir können und müssen an alle maßgebenden Persönlichkeiten appellieren, daß sie jeden Einzelnen von Ihnen, und zwar hier, an unseren Heiniställen, als einen Menschen mit allen menschlichen Grundrechten ansehen, und somit auch als ein Individuum mit dem Anrecht auf ein eines zivilisierten Menschen würdiges Dasein und dem Recht auf sein eigenes Zu­hause!
Meine Aufgabe und die aller meiner Geistlichen ist, daß wir, indem wir durch Wort und Beispiel die göttliche Lehre vermitteln, Sie von der Sünde weg­führen und der Gnade Gottes näherbringen, damit wir Sie schließlich mit Chri­sti Beistand nach Mühsal und Leiden von dieser sündigen Welt zum Fest der Auferstehung - in das ewige Paradies - führen!
An eine andere oder anders geartete "Wegführung" jedoch, wie es in hin­terlistiger Weise behauptet, d.h. uns unterstellt wird - denken wir nicht im ent-ferntesten!
Indem ich für Sie alle im Gebet den reichen Segen des dreieinigen Gottes und den mütterlichen Schutz der Heiligen Jungfrau Maria, der Helferin der Chri­sten und Königin des Friedens erbitte, verbleibe ich mit einem herzlichen und brüderlichen Gruß an Sie alle

Ihr Bischof + Franjo

Anm.: Es wird gebeten, diesen Brief am ersten auf seinen Eingang fol­genden Sonntag bei allen Messen vor den Gläubigen zu verlesen!

anfang der seite

"SEIEN SIE BEREIT, LIEBER BÖSES ZU ERTRAGEN, ALS ANDEREN BÖSES ZUZUFÜGEN"
Österlicher Hirtenbrief des Bischofs
(Prot. Nr. 112/94 vom 30. März 1994)

Liebe Brüder im geistlichen Amt, Ordensbrüder und Ordenschwestern, meine lieben Gläubigen,
auch dieses Jahr gehen wir auf die Osterfeiertage zu, während wir vom Krieg und von den Kriegsleiden in unserer Nahe hören und persönlich die tag­täglichen Erniedrigungen und kriegsbedingten Nöte erleiden und ertragen. Den­noch sind wir auch weiterhin voll begründeter Zuversicht und der Überzeu­gung, daß Christas, Gottes Sohn und Erlöser dieser Welt und das Haupt der Kirche, der wir angehören, den im Gebiet des Bistums Banja Luka lebenden Teil seines Volkes nicht vergessen hat. Auch diesmal hat sich bewahrheitet, was Er zu seinen Jüngern gesagt hat: "In der Welt werdet ihr Drangsal erleiden. Aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden" (Joh 16, 33) und "Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden ... Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende" (Mt 28, 18-20).
"Das grauenhafte Geschehen dieses unerhörten Krieges hat unser armes Bistum nicht verschont. Zahlreiche Kirchen wurden zerstört, zahlreiche Pfarr­häuser in Brand gesteckt, und Seelsorger wurden gepeinigt und getötet und ha­ben sich in der Tat in ihrem Amt geopfert. Sie sind echte Märtyrer! Unsere Pfarrgemeinden sind verödet. Die Gläubigen sind in alle Himmelsrichtungen zerstreut, Dörfer wurden vernichtet und in Brand gesteckt und die Heime der Menschen wurden durchwühlt. Wo immer wir hinschauen, sehen wir das Bild einer schrecklichen Wüste. Alle Herzen sind von Schmerz und Trauer erfaßt... Und in dieser so überaus schweren Not hört man aus eurem Mund nur: 'Dank sei Gott! Sein heiliger Wille geschehe!' Dies ist ein wunderbares Beispiel christli­chen Langmuts und christlicher Stärke, die an die der frühen Christen erinnert. Darin sehen wir wahrlich die Vollendung des Christenmenschen, der in allem seinen eigenen Willen dem Gottes unterordnet". - Diese Worte hat mein Vorgän­ger Jozo Gariæ", Bischof von Banja Luka, im Februar 1945 im "Glasnik Banjaluèke biskupije" (Bote der Diözese Banja Luka) auf S. l -2 geschrieben.
Infolge der damaligen Kriegsereignisse ist seinerzeit ein Drittel unserer Pfarrgemeinden verschwunden, und von den übrigen Pfarrgemeinden war nur ein verstümmelter Rest übriggeblieben. Dennoch sind aus dem zurückgeblie­benen jahrhundertealten gesunden Wurzelstock neue junge Schößlinge ge­kommen, hat sich der Stamm des Baums der Kirche Christi im Gebiet unseres Bistums erneuert, denn unsere Gläubigen haben sich in ihrem Leben, getreu den Unterweisungen ihrer eifrig bemuhten Hirten, an die Worte der Heiligen Schrift gehalten, die besagen: "Gott ist treu, und er wird nicht zulassen, daß ihr über eure Kraft hinaus versucht werdet, sondern er wird euch in der Versu­chung einen glücklichen Ausweg schaffen, so daß ihr sie bestehen könnt" (1.Kor 10, 13).
Auch diese jüngsten großen Prüfungen, die in den letzten beiden Jahren des Kriegssturms der großen Familie unseres ganzen Bistums auferlegt wurden, konnten nicht den Glauben an den dreieinigen Gott und die Hoffnung auf seine Hilfe und seinen Schutz ersticken. Vielmehr haben sich viele gerade in diesen schweren Zeiten wieder dem lebendigen und wirksamen Glauben ihrer Eltern und Voreltern zugewandt und ihn durch Gebet und den Empfang der Sakramen­te gestärkt. Sie haben in der Praxis gezeigt, daß Sie sich nicht nur auf die eigene Kraft und die eigenen Fähigkeiten verlassen wollen, sondern vor allem Hilfe und Schutz bei unserem gütigen Gott suchen. Sie sind bereit, lieber Böses zu ertragen, als anderen Böses zuzufügen, und Sie bemühen sich sogar aufrichtig, das schwerste Gebot Christi zu erfüllen, das lautet: "Liebet eure Nächsten! Tut wohl denen, die euch hassen!" (Lk 6, 27).
Da Sie innerlich so gestimmt sind und sich entsprechend bemühen, wird für Sie - auch hier bei uns - der Segen Gottes für seine Kirche gewiß nicht ausbleiben!
Obwohl wir noch immer auf diesem Kreuzweg eigener Art unterwegs sind, auf dem wir falsche Beschuldigungen und nicht gerechtfertigte Züchti­gungen einstecken müssen und unsere Würde und unsere fundamentalen Men­schenrechte mit Füßen getreten werden, erfahren und wissen wir, daß der zum Menschen gewordene Gottessohn, der Gerechteste von allen und der größte Märtyrer, mit uns ist und uns führt. Er duldet mit uns und für uns, und so gibt er, wenn wir bewußt mit ihm gemeinsam dulden und für die eigenen Sünden und die anderer büßen, auch unseren Leiden einen Sinn. Er gibt uns die begründete Hoffnung und Gewißheit, daß auf den Golgathaweg und den Karfreitag unauf­haltbar der Tag der glorreichen Auferstehung für alle kommt, die an Gott glau­ben und auf seine Liebe und Barmherzigkeit hoffen! Deshalb konnten und kön­nen das Geklirr der Waffen und das Kriegsgeschrei in uns nicht die Freude des Ostergesangs ersticken: Halleluja - der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden, Halleluja!
In diesem Glauben und in dieser Hoffnung wünsche ich Ihnen allen, mei­nen Brüdern im geistlichen Amt, meinen Ordensbrüdern und Ordensschwestern und meinen lieben Gläubigen, Ihnen, die Sie sich hier auf dem Boden unseres Bistums aufhalten, und Ihnen, die Sie wegen der Kriegsnöte vorübergehend woanders weilen, von ganzer Seele: den Frieden des auferstandenen Christus im Herzen und ein freudiges Halleluja auf den Lippen! Lassen Sie uns diesen Frieden Christi auch mit allen anderen Menschen teilen, die ihn sich wünschen! 

+ Franjo, Bischof

 anfang der seite

 OHNE EHRFURCHT VOR GOTT GIBT ES KEINEN GERECHTEN FRIEDEN UNTER DEN MENSCHEN
Beitrag von Bischof Franjo in "Glasnik Banjaluèke Biskupije"
(Bote der Diözese Banja Luka) Nr. 3/94

Wie andere Bischöfe der Kirche Christi auch, können und dürfen wir Bischöfe der vrhbosnischen Metropolie uns nicht unbeteiligt abseits halten, wenn es um die Ehre Gottes und die menschliche Würde geht. Wir sind uns unserer Verantwortung "vor Gott und Jesus Christus, der über die Lebenden und die Toten richten wird" (2. Tim 4, 1) sowie vor der Kirche, der wir angehören und die wir hier als "vom Heiligen Geist eingesetzte Hirten" (Apg 20, 28) leiten, bewußt. Deshalb ist es unser Bestreben, sowohl einzeln als auch gemeinsam "zu gelegener und zu ungelegener Zeit" (2. Tim 4, 2) von Christi Wahrheit, Ge­rechtigkeit, Liebe und Barmherzigkeit vor allen Menschen Zeugnis abzulegen.
Wann immer es uns in den letzten beiden Jahren gelungen ist, uns zu einer Vollversammlung der Bischöfe unserer Metropolie zu versammeln, haben wir uns stets in einer öffentlichen und klaren Botschaft an unsere Gläubigen und alle Menschen guten Willens gewandt, in der aufgerufen wurde, bewaffnete Handlungen einzustellen, das Blutvergießen zu beenden, die Waffen zum Schwei­gen zu bringen, die in das Böse und in Blut Eingetauchten bei ihrem Tun aufzu­halten und endlich an die Herstellung des so ersehnten Friedens zu gehen, des Frieden, der ein universeller Wert ist und der uns in diesem Gebiet die Achtung vor den göttlichen Geboten und die Respektierung der Menschenrechte jedes Einzelnen und jeder ethnischen oder religiösen Gemeinschaft bringen muß!
Dies haben wir auch anläßlich unserer letzten Vollversammlung getan, die am 06. Mai d. J. in Bol auf der Insel Braè im dortigen uralten Dominikaner­kloster abgehalten wurde, wo das Priesterseminar unserer Metropolie vorüber­gehend untergebracht ist und unsere Seminaristen ihre theologischen Studien abschließen.
In unserer diesmal an "unsere Geistlichen und Gläubigen sowie an die in-und die ausländische Öffentlichkeit" gerichteten Erklärung haben wir unter an­derem an "alle an den Spitzen der politischen Macht Stehenden" die Bitte ge­richtet, "zum Wohle der in unserem Gebiet lebenden Menschen wohlerwogene Vereinbarungen zu erarbeiten und diese mit Besonnenheit abzuschließen und konsequent in die Praxis umzusetzen". Sie alle, unsere Gläubigen, haben wir     erneut "zu demütigem und beharrlichem Gebet" aufgerufen, "damit unser barmherziger Gott allen die nötige Erleuchtung gibt, damit sie optimale Lösungen für die Herstellung eines gerechten Friedens in Bosnien und Herzegowina", d.h. im gesamten Gebiet unserer Metropolie "finden und ins Werk setzen".
Mit Bedauern mußten wir feststellen, daß, wie es im derzeitigen Stadium der politischen Verhandlungen und aufgrund der erzielten Vereinbarungen aus­sieht, die Integrität unserer Metropolie in Frage gestellt wird und daß infolge des unseligen Krieges jedes unserer vier Bistümer Verluste im Umfang von 40-80% zu verzeichnen hat, sei es in Form der Entvölkerung unserer Pfarrgemein­den oder in Form der Vernichtung von Kirche», kirchlichen Gebäuden oder anderem kirchlichen Eigentum. Wenn es dabei bleibt, wäre dies "weder für uns, die Bischöfe dieser Bistümer, noch für die katholische Kirche insgesamt an­nehmbar!"
Erneut haben wir "energischst unsere Stimme zum Schutz und für die Rückgabe der fundamentalen bürgerlichen Rechte und Freiheiten sowohl der katholischen Gläubigen als auch aller anderen entrechteten Menschen im Ge­biet unserer gesamten Metropolie" erhoben und von allen derzeit die politische Macht Ausübenden (sowohl der serbischen als auch der muslimischen und der kroatischen Seite) verlangt, daß sie sich "energischer und wirksamer für die Beendigung der in einem großen Teil des Bistums Banja Luka weiterhin andau­ernden Diskriminierungen und Ungerechtigkeiten gegenüber der katholischen Bevölkerung in allen ihren Formen" einsetzen.
"Hinsichtlich jener Gegenden von Bosnien and Herzegowina, wo bereits die Rückkehr der vertriebenen bzw. geflohenenen Bevölkerung möglich ist, for­dern wir von den maßgeblichen Behördenorganen,
- daß sie die freie Rückkehr der Betreffenden in ihre Häuser gewährlei­sten;
- daß sie sich noch energischer für die sichere Anlieferung und die ge­rechte Verteilung der für den gefährdetsten Teil der Bevölkerung bestimmten humanitären Hilfe einsetzen;
- daß sie für die Wiederherstellung bzw. die Schaffung von Beschäftigungs­möglichkeiten und damit verbunden für Möglichkeiten zur Bestreitung des Familienunterhalts sorgen;
- daß von allen über Einfluß verfügenden Seiten (Zivilbehörden, öffentli­che Medien, Spitzenpersönlichkeiten des religiösen Lebens, Persönlichkeiten des Kulturlebens und des Gesundheitswesens) mit mehr Nachdruck auf ein ent­sprechendes günstiges Klima hingearbeitet wird, in dem die tiefen psychischen und körperlichen Wunden, die der Krieg geschlagen hat, erfolgreich geheilt werden können.
Wir wissen, daß viele vertriebene oder geflüchtete Katholiken aus den Gebieten von Bosnien und Herzegowina, die den serbischen Behörden unterstehen, friedlich zu ihren Heimställen zurückkehren möchten. Wir verlangen so­wohl von den serbischen Behörden als auch von der internationalen Völkerge­meinschaft, daß dies den Betreffenden baldigst ermöglicht wird".
Wir hielten es für unsere Pflicht, "auch diesmal unseren Geistlichen und Ordensleuten zu danken, die, häufig mir heroischen Bemühungen und unter unmittelbarer Gefahr für ihr eigenes Leben, bei den ihnen von Gott anvertrauten Menschen ausgeharrt und sie mit geistlicher und materieller Nahrung versorgt, sich schützend vor sie gestellt und sie ermutigt und aus der durch Sünde ge­schaffenen geistigen und materiellen Wüste dieses entsetzlichen Krieges emporgehoben haben". Gleichzeitig bitten wir sie, "auf die Kraft des göttlichen Geistes gestützt, da, wo sie am nötigsten gebraucht werden, Christus und ihrer Kirche getreu beharrlich weiter zu wirken".
Wir haben auch "den Mitgliedern der Kroatischen Bischofskonferenz und der anderen Bischofskonferenzen in der ganzen Welt für den Geist der Liebe und Solidarität, mit dem sie an unserem Leid Anteil nehmen", nochmals ge­dankt.
Wie schon immer in der Vergangenheit habe ich auch dieses Mal gemein­sam mit meinem lieben Bruder im Bischofsamt, dem Erzbischof und Metropo­liten von Vrhbosna (Sarajevo), Msgr. Vinko Puljiæ, dem Bischof von Mostar und Verwalter für das Gebiet Trebinje-Mrkan, Msgr. Ratko Periæ, und dem Stell­vertreter des Erzbischofs von Vrhbosna (Sarajevo), Msgr. Pero Sudar, "alle un­sere Geistlichen, Ordensleute und alle unserer seelsorgerischen Betreuung anvertrauten Menschen sowie alle Wohltäter und Freunde und alle Menschen gu­ten Willens der Liebe Gottes und dem Schutz der Heiligen Jungfrau Maria, der Mutter der Kirche und Königin des Friedens, anempfohlen".

Ihr Bischof Franjo

  anfang der seite

"SCHAUT STETS NACH VORN!"
(Johannes Paul II.)
Beitrag von Bischof Franjo in "Glasnik Banjaluèke Biskupije"
(Bote der Diözese Banja Luka) Nr. 8/94

In der letzten Nummer des "Glasnik" haben wir bei unseren Betrachtun­gen zu dem für unsere heimatliche Kirche geschichtlichen Ereignis des kürzli­chen Besuchs des Papstes hier bei uns nicht ohne Grund auch dies festgestellt: "Sein Besuch und sein Aufenthalt unter uns ist ein direkt vom Himmel kom­mendes kostbares Geschenk! Seine vom Geiste Gottes durchdrungenen Bot­schaften stellen für uns alle einen bleibenden Wert und eine Verpflichtung dar."
Dieser Verpflichtung sind sich auch unsere Bischöfe bewußt. In einem gemeinsamen Brief an ihre Gläubigen heben sie unter anderem folgendes her­vor: "Tm Aufenthalt des Heiligen Vaters in Zagreb kommt - insbesondere in Anbetracht der für ihn als Rekonvaleszenten damit verbundenen Anstrengung - die tiefe Verbundenheit zwischen unserer Kirche und dem Nachfolger des Hl. Petrus zum Ausdruck. Bei dem Unglück, das über uns gekommen ist und uns noch immer bedrückt, haben die Strapazen, denen der Heilige Vater sich unseretwegen unterzogen hat, sein Gebet für den Frieden und seine Worte der Ermu­tigung für alle, die sich um die Herstellung eines gerechten Friedens in Bosnien und Herzegowina bemühen, große Bedeutung und Impulskraft. Wir sind Ange­hörige einer Kirche, an deren Spitze Jesus den Apostel Petrus und seine Nach­folger gestellt hat, damit sie als Lehrmeister für ein christliches Leben wirken und ihr leitendes Amt im Geiste der Liebe wahrnehmen.
Wir nehmen daher die Botschaft des Heiligen Vaters mit Ehrfurcht und Aufmerksamkeit entgegen. Dies zeigte sich im übrigen auch während der An­sprachen des Heiligen Vaters als solchen. Zustimmung und Billigung kamen sowohl in aufmerksamem Zuhören als auch in spontanem Händeklatschen zum Ausdruck, sogar an Stellen, die auf den ersten Blick als für die weltliche Logik schwieriger erscheinen. Insbesondere diejenigen, die am meisten gelitten ha­ben, die im Hippodrom versammelten Zehntausende unserer Vertriebenen sowohl aus Kroatien als auch aus Bosnien und Herzegowina, brachten ihren Willen zum Ausdruck, friedlich und frei das Leben zu Hause aufzunehmen, ein neues Leben anzufangen und "eine gerechte Gesellschaft aufzubauen, deren An­gehörige einträchtig und solidarisch sind", wie es der Heilige Vater formulierte. "Es ist absolut ausgeschlossen, andere mit Gewalt von ihren jahrhundertealten Heimstätten vertreiben zu wollen, da wir uns bewußt sind, daß Gerechtigkeit nicht durch Ungerechtigkeit geschaffen werden kann." ...
"Die Ansprachen des Heiligen Vaters - im ganzen gesehen - sind eine Quelle der Erleuchtung und Wegweiser für unsere Kirche und unser ganzes Volk. Man muß sie immer wieder lesen, immer wieder über sie nachdenken, Schlüsse daraus ziehen und entsprechende Entscheidungen für das persönliche und das gesellschaftliche Leben treffen. Diese wertvollen Dokumente des Glaubens und der christlichen Moral sollten in unserem Volk weitestmöglich Verbreitung fin­den."
So äußern sich unsere Bischöfe einzeln und gemeinsam gegenüber ihren Geistlichen, ihren Ordensleuten und allen übrigen Gläubigen.
Deshalb ist es völlig logisch, daß auch wir in unserem "Glasnik" immer wieder von neuem auf einzelne Teile der päpstlichen Aussagen zurückkommen, um daraus Schlüsse für den Inhalt und die Zielrichtung unseres Lebens zu zie­hen.
Diesmal möchte ich mit Ihnen bei den viel Kraft ausstrahlenden Worten verweilen, die der Heilige Vater bei seiner Abschiedsrede auf dem Zagreber Flughafen an uns gerichtet hat. Erinnern wir uns an sie:
"... Liebe Kroaten, schaut stets nach vorn! Habt den Mut, eurem Näch­sten zu verzeihen und ihn anzunehmen ... Verzeihen bedeutet, das Herz vom Gefühl der Rache zu befreien, die nicht mit der Schaffung einer Kultur der Liebe, bei der jeder Mensch guten Willens mit seinem eigenen Beitrag mit­wirkt, vereinbar ist. Voraussetzung für den Frieden ist, daß jeder Initiative der aufrichtige Wille zum Dialog, die Achtung vor den Rechten jedes Einzelnen wie auch der nationalen Minderheiten und das Streben nach Toleranz von Mensch zu Mensch zugrundeliegen. Seid fest überzeugt, daß die Wohltat des Friedens letztendlich auf dem Herzen Gottes selbst beruht. Ihr habt selbst ungerechter­weise erfahren müssen, in welche Verirrungen eine Gesellschaft abgleiten kann, zu deren Fundamenten die Abweisung Gottes und die Mißachtung der göttli­chen Gebote gehören. Wo dies der Fall ist, ist der Mensch nicht mehr ein Urgut der Gesellschaft, sondern wird Objekt und Werkzeug für die Erreichung un­menschlicher Ziele. Die Vergangenheit und die Gegenwartsgeschichte lehren uns, daß echter Glaube an Christus den besten Halt bietet, wenn es um die Wahrung und Stützung der menschlichen Würde gehl.
Auch ihr, die ihr als Verwundete, Waisen, Witwen, Vertriebene und Flücht­linge Opfer des Krieges seid: Bleibt Christus, dem Märtyrer, treu! ... So, wie eure Vorfahren im Reichtum des Glaubens die Kraft fanden, alle Schwierigkei­ten durchzustehen, findet auch ihr als Christen in Christi Worten immer Er­leuchtung und die Kraft, euch eine Zukunft zu schaffen."
Der Heilige Vater verweist uns auf Jesus Christus, der allein uns Men­schen glücklich machen kann, auf den, der von sich sagt: "Mir ist alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben" (Mt 28, 18) und: "Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige" (Offb l, 13-18) sowie: "Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt" (Joh. 11, 25).
An Jesus Christus, den Gott uns in Menschengestalt auf die Welt gesandt hat, zu glauben, bedeutet, in Sicherheit in die Fülle des Lebens einzutauchen und alles zu besitzen, was uns Gottes Geist in den Worten des Apostels Paulus kundtut: "Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und keines Men­schen Herz gewünscht hat, das hat Gott denen bereitet, die ihn liehen" (l. Kor 2, 9). Dies besagt, daß die, die Christi Worte beherzigen und seinem Beispiel fol­gen, die freudvollsten und für ihr Schicksal bedeutungsvollsten Worte des gött­lichen Richters der Lebenden und der Toten vernehmen: "Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, und nehmt das Reich in Besitz, das seit Er­schaffung der Welt für euch bestimmt ist! ... Wahrlich, ich sage euch, was ihr einem unter diesen meinen geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr mir ge­tan." (Mt 25, 34.40).
Wenn wir in diesem letzten Monat des liturgischen Jahres beim Besuch der Gräber unserer liebsten Menschen und zu Allerheiligen und zum Christ­ - königsfest, dem Fest des Königs der Schöpfung, häufiger als sonst über den Inhalt, den Sinn und das Ziel unseres persönlichen Lebens nachdenken, sollten wir versuchen, jene herrlichen und vielsagenden Worte von Isidor Poljak, dem Dichter im geistlichen Amt, zum Wahlspruch für unser Leben zu machen, die da lauten:
"Meine Tage sollen nicht in Finsternis dem Strom der Ewigkeit entgegen­fließen... Auf allen meinen Wegen will ich Strahlen goldenen Lichtes verbrei­ten!"

 + Franjo, Bischof

  anfang der seite

"LEGT ZEUGNIS AB UND SEID BAUMEISTER DES FRIEDENS"
(Johannes Paul II.)
Beitrag von Bischof Franjo in "Glasnik Banjaluèke Biskupije"
(Bote der Diözese Banja Luka) Nr. 1/95

Wir beginnen ein neues Jahr, das eintausendneunhundertfünfundneunzigste seit der Geburt Christi, unseres Erlösers. Es sollte für uns und für alle anderen Menschen ein Jahr der Erlösung sein. Wird sich das auch bewahrheiten? Was müssen wir tun, damit es für uns ein gesegnetes und für die Ewigkeit heilbrin­gendes Jahr wird?
Indem wir sagen, daß wir auch dieses Jahr rechnerisch auf die geschicht­liche Tatsache des Erscheinens des fleischgewordenen Gottessohns auf unserer Well zurückführen, bedeutet dies, daß wir begründetermaßen meinen, daß die Person Jesu Christi nicht nur in bezug auf die Zeitrechnung von oberster Bedeu­tung ist, sondern auch in bezug darauf, wie wir die Zeit, die uns der Schöpfer und Herrscher über das Leben gewährt, richtig gestalten und verbringen müs­sen. Im Erscheinen des Gottessohns drückt sich das göttliche Friedensangebot an uns Menschen aus! Indem er seinen Sohn zum Menschen werden ließ, hat Gott uns, den sündigen Nachkommen Adams und Evas, die Hand zur Versöh­nung gereicht.
Im Alten Testament wird das friedensstiftende Erscheinen Christi in un­serer Welt auch mit den Worten "Zu seinen Zeiten soll die Gerechtigkeit blühen und großer Friede sein" (Ps 72, 7) angekündigt, und der Prophet Jesaja bezeich­net Christum in seinen Weissagungen als "Friedensfürst" (Jes 9, 5).
Obwohl wir keinen Grund haben, an der Echtheit dieser Behauptungen aus der Heiligen Schrift zu zweifeln, zeigt uns die Lebenserfahrung, daß auch nach Ablauf von fast zweitausend Jahren nach dem Erscheinen Jesu Christi auf dieser Welt noch immer nicht der ersehnte Frieden unter den Menschen und den Völkern herrscht.
Warum ist das so?
Es ist deshalb so, weil dieser göttliche Friedensfürst in seinem Respekt vor dem freien Willen eines jeden Menschen niemandem - weder Einzelmenschen noch Völkern noch Volksgruppen - mit Gewalt seinen Frieden aufzwin­gen will. Obwohl er als Friedensfürst unbestritten nach wie vor einzig, einmalig und universell ist, wird auf der Welt erst dann Frieden herrschen, wenn alle Menschen in freier Entscheidung und aufrichtigen Herzens Christum anerken­nen und sich sein Gebot der Liebe, der Wahrheit, der Gerechtigkeit und des Friedens zu eigen machen. Dies bedeutet, daß erst dann, wenn alle Christum annehmen und sich nach seinem Gebot der Vergebung, der Versöhnung und der Liebe richten, der dringend nötige Frieden auch zu jedem von uns, zu unseren Mitmenschen und überhaupt in unser Land kommt. Ob und inwieweit es in Zukunft in uns selbst und in unserer Umgebung Frieden geben wird, hängt also in hohem Maße auch von uns persönlich ab, von unserer Bereitschaft, unmittel­bar auf den Fundamenten der Wahrheit, der Gerechtigkeit, der Liebe und der Freiheit als aktive Erbauer des Friedens zu wirken. Um uns dazu zu befähigen, müssen wir zuerst von unseren auf Irrtum beruhenden falschen Wünschen und Vorgehens weisen Abstand nehmen sowie den von verdächtiger Seite angebote­nen unechten Wegen zum Frieden, fragwürdigen Führern und falschen Ideen eine Absage erteilen.
Wie werden wir dieses Ziel am sichersten erreichen?
Wenn wir die Würde und die unveräußerlichen Rechte eines jeden Men­schen achten, wird sich in uns ein zunehmendes Bewußtsein der Mitverantwort­lichkeit für die Bedürfnisse unserer Nächsten herausbilden. Wir werden ange­sichts der derzeitigen vielen Ungerechtigkeiten in unserem Umfeld beunruhigt sein. Wir werden auch selbst leiden, wenn wir nur, ohne helfen zu können, die Nöte von Mitmenschen mitansehen müssen, die geistig oder politisch unter­drückt sind, die als Einzelne oder als Gemeinschaft ihre menschlichen Grund­rechte nicht wahrnehmen können.
In einer solchen Situation kann es jedoch leicht geschehen, daß wir An­fechtungen unterliegen und vor der Verantwortung davonlaufen, die wir als Chri­sten in diesen Zeiten und in diesem Umfeld haben, oder daß wir uns auf falsche Wege begeben, in unserer Lebensführung allerlei Irrtümer begehen und uns ver­schiedenen Lastern hingeben, indem wir es zulassen, daß wir hoffnungslos, de­pressiv, fatalistisch, faul und verbittert werden, uns dem Alkohol ergeben, un­ehrlich sind, plündern oder sogar gewalttätig handeln, oder fragwürdigen Füh­rern folgen und anfangen, falsche Idole zu verehren. Nichts von alledem wird und kann uns glücklich machen, und nichts von alledem wird und kann unserem Herzen und der Welt, in der wir leben, den notwendigen Frieden bringen.
Was müssen wir uns dann vor Augen halten und tun?
Der heilige Apostel Petrus lehrt: "Solange ihr in der Fremde seid, fuhrt ein Leben in Gottesfurcht, und wisset, daß ihr aus eurer eitlen Lebensweise nicht mit materiellen Dingen, Gold oder Silber, sondern mit dem kostbaren Blut Christi losgekauft wurdet" (1. Petr l, 17-19).
Erinnern wir uns auch an die sehr bedeutungsvollen und programmati­schen Hinweise, die uns vor kurzem der Nachfolger des H1. Petrus, Johannes Paul II., gegeben hat: "Meine Vielgeliebten, Jesus Christus ist die Wahrheit, die eurem Leben Sinn und eurer Zukunft Hoffnung geben kann. Er wiederholt heu­te an euch, eure Familien und euer Volk gerichtet seine Osterbotschaft: 'Friede sei mit euch!' (Joh 20, 19). Der Frieden ist eine große Gottesgabe. Um sie entge­genzunehmen, müssen wir unser Herz ändern, zulassen, daß Gott in unserem Leben immer an erster Stelle steht. Wenn ein Mensch Gott abweist oder hintan­stellt, kommt es fast unausweichlich dazu, daß er wertlosen Idolen huldigt. Es geschieht sogar, daß er die Idole einer Nation, einer Rasse oder einer Partei vergöttert und dann in deren Namen Haß, Diskriminierung und Gewalt rechtfer­tigt. Nur Gott ist ein sicheres Fundament für das Leben und die Unantastbarkeit der Würde eines jeden Menschen. Christus verlangt von euch, daß ihr solchen Anfechtungen widersteht. Er ruft euch sogar auf, Zeugnis abzulegen und Baumeister des Friedens zu sein!"
Ein besseres und zweckmäßigeres Programm als das, welches uns Apo­stel Petrus und unser Papst an die Hand gegeben haben, können wir uns nicht wünschen! Auch unser "Glasnik" möchte mit seinem Inhalt dazu beitragen, daß in diesem Jahr möglichst viele Angehörige der zu unserem Bistum gehörenden Gemeinschaft und Leser unseres Blattes dieses wertvolle Programm in diesem Jahr mit Leben erfüllen!

+ Franjo, Bischof

  anfang der seite

GOTT VERGISST DIE SEINEN NICHT
Bischöfliche Botschaft zum Pfingstfest
(Prot. Nr. 400/95 vom 31. Mai 1995)

Meine lieben Geistlichen, meine lieben Ordensleute,
mein liebes Gottesvolk!
"Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und der Gott allen Trostes, der uns tröstet in all unserer Not, damit auch wir mit vielfältigem Trost jene trösten können, die in allerlei Be­drängnis sind. Wahrlich, so überreich uns die Leiden Christi zuteil geworden sind, so wird uns durch Christi auch überreicher Trost zuteil" (2. Kor 1, 3-5)
Als Ihr Bruder kraft dem Sakrament der Heiligen Taufe und im Glauben an Christum, unseren Erlöser, und Ihr Bischof, der ich aufgrund des in Seiner Kirche erhaltenen Auftrags bin, fühle ich mich mit Ihnen allen durch das allerstärkste Band, die Liebe des göttlichen Herzens Christi, eng verbunden!
Mit den Dankesworten an Gott, unseren Tröster, die der Apostel Paulus an die Christen der Stadt Korinth übermittelt, möchte auch ich aus tiefster Seele und tiefstem Herzen unserem gütigen Gott danken, dessen beschützende Hand wir Tag für Tag unmittelbar spüren.
Als Angehörige der Kirche Christi sind wir Glieder Seines Leibes. Er, Christus, der Gemarterte, Getötete und Auferstandene, ist unser göttliches Haupt. Wegen unserer Sünden mußte Er, obwohl er Gottes Sohn ist und frei von jeder Sünde war, das bitterste Martyrium und einen schrecklichen Tod erleiden. Aber für jeden seiner Jünger, jeden seiner Nachfolger, sieht Jesus ein ähnliches Schicksal voraus, wenn er sagt: "Der Jünger steht nicht über seinem Meister!" (Lk 6, 40).
Jesus läßt seine Jünger wissen, daß auch sie aus dem so bitteren Kelch des Schmerzes und des Leidens trinken werden, aus dem schon Er, sich dem Willen des Vaters unterwerfend, trinken muß (vgl. Mt 20, 23). Er sagt: "Wenn sie mich verfolgt haben, so werden sie auch euch verfolgen" (Joh 15, 20). Dies bedeutet, daß wir, die Christen, wegen eben dieser unserer engen Verbundenheit mit Jesus mit Verfolgungen, vielfältigen Ungerechtigkeiten und Drangsalen rech­nen müssen. Gott vergißt jedoch die Seinen nicht! Auch beim allergrößten Lei­den gibt er ihnen Kraft, so daß sie, anstatt zu verzweifeln, ihr eigenes Martyri­um als Teil des Martyriums seines göttlichen Sohnes Jesus Christus, der aus Liebe für unsere ewige Erlösung gelitten hat, annehmen. In jedem seiner Jün­ger, in jedem Christen, in jedem von uns leidet Christus selbst. Indem er unsere Leiden mit den eigenen verbindet, verwandelt Christus sie und läßt sie zu etwas Wertvollem für unsere Zukunft werden.
In diesen Tagen, wo unser Glaube und unsere Treue zum Evangelium Christi und unser Vertrauen und unsere Liebe zu Colt einer großen Prüfung unterzogen werden, fühlen wir uns nicht allein, sondern uns gegenseitig stüt­zend noch mehr miteinander verbunden! Wir erfahren immer wieder von neu­em, insbesondere in Gestalt des Gebets und der Zeichen christlicher Solidarität, daß viele Hunderttausend, ja Millionen, unserer christlichen Brüder und Schwe­stern außerhalb unseres Bistums überall in der Welt mit dem Stellvertreter Christi und Nachfolger des HI. Petrus, dem derzeitigen Heiligen Vater Johannes Paul II. an der Spitze mit uns vereint sind. Wir alle spüren die Unterstützung, die uns aus ihren Gebeten zuströmt. Diese Unterstützung hilft uns, im tagtägli­chen Kampf gegen den Geist des Bösen, der es auf unsere Herzen und unsere Seelen abgesehen hat, den Mut nicht sinken zu lassen und nicht, was Gott ver­hüten möge, selbst auf den Weg des Bösen zu geraten. Bisher ist es uns gelun­gen, dem Bösen zu widerstehen und anderen Menschen nichts Böses anzutun, und wir waren sogar imstande, Böses mit Gutem zu vergelten!
Unsere neuesten schweren Prüfungen, die teuflische Vernichtung unserer Heiligtümer in Petriæevac, Presnaèe, Trn und anderen Orten, und insbesondere der Märtyrertod unseres Geistlichen Filip und unserers im geistlichen Amt tätig gewesenen Ordensbruders Alojzije und der ehrwürdigen Schwester Cäcilia, so­wie die Verjagung unserer getreuen Ordenschwestern aus den Klöstern in Bosanski Aleksandrovac und Nova Topola und schließlich die Vertreibung ei­ner großen Anzahl unserer Brüder und Schwestern aus ihren eigenen Häusern und ihren uralten Heimstätten in den Pfarrgemeinden Banja Luka, Petriæevac, Motike, Marija Zvijezda, Bud¾ak, Barlovci, Presnaèe, Trn, Ivanjska und ©imiæi sind zugleich Schläge, die die Kirche Christi als Ganzes, Christus, ihr göttliches Haupt, und uns Christen, die Glieder seines Körpers, getroffen haben.
Es ist offensichtlich, daß Satan selbst in unserer Heimat die Zerstörung des Reiches Christi betreibt, das sich bislang in besonders herrlicher Weise in der von uns Katholiken gezeigten Bereitschaft zu friedensstiftendem Verhalten, Vergebung und praktizierter christlicher Liebe gegenüber allen Menschen unse­rer Umgebung offenbart hat. Christus, der Auferstandene, der Herr des Him­mels und der Erde und der Richter über die Lebenden und die Toten, hat seiner Kirche, die ihm gehorcht und nachfolgt, fest verheißen, daß "auch die Pforten der Hölle" sie "nicht überwältigen werden" (Mt 16, 18). Deshalb haben wir trotz der neuesten Welle der Verfolgung, die über die Katholiken des Bistums Banja Luka hinweggegangen ist, weder einen Grund noch ein Recht, daran zu zweifeln, daß Christi heiliges Evangelium auch in Zukunft in dieser Gegend verkündet werden wird! Jesus, unser göttlicher Führer und Freund, sagt auch zu uns: "Fürchte dich nicht, du kleine Herde, denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben!" (Lk 12, 32). Er sagt uns auch: "Dies habe ich zu euch gesagt, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut; ich habe die Welt besiegt!" (Joh 16, 33). Also "kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, und ich werde euch erquicken!" (Mt 11, 28).
Meine Brüder und Schwestern, lassen Sie uns, gleich, was noch mit uns geschehen mag, nie vergessen, daß der Allerhöchste mit uns ist, Gott, der uns in seinem Sohn Jesus Christus offenbart hat, daß er ein Herz für uns hat und daß auch wir in diesem seinem göttlichen Herzen die sicherste Wohnung, unsere ewige Heimat haben. Im Glauben und im Vertrauen auf seine unermeßliche Liebe und seinen Schutz sind wir bereit, auch unser jetziges Kreuz zu tragen. Leiden durchzustehen, Opfer zu bringen und notfalls auf all das zu verzichten, was weniger wichtig als die Rettung unserer unsterblichen Seele ist! Fahren wir fort im zuversichtlichen Gebet zum Dreieinigen Gott und in freiwilligen Bußübungen und Gelübden, damit sich an uns sein heiliger Wille erfülle und Sein Heiliger Name gepriesen sei und damit unsere mit dem von Jesus Christus durchlittenen Martyrium verschmolzenen gegenwärtigen Leiden zu einem ge­rechten Frieden und zur Aussöhnung unter allen Menschen und Völkern in un­serem Bistum, in unserem Land und in der ganzen Welt beitragen!
Die Heilige Jungfrau und Gottesmutter Maria, unsere gütige himmlische Mutter und Helferin, die wir tagtäglich innigst um Fürbitte ersuchen, wird uns gewiß auch weiterhin mit ihrer mütterlichen Liebe beschützen!
Ich bete für Sie alle um reichen Segen unseres Dreieinigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes!

 Ihr Bischof + Franjo

Banja Luka, am 31. Mai 1995, dem Feiertag "Mariae Heimsuchung"

   anfang der seite

DIE MUTTER GOTTES WIRD IHR OHR AUCH HEUTE NICHT DEN GEBETEN IHRES VOLKES VERSCHLIESSEN
Aufruf des Bischofs an die Gläubigen zur neuntägigen Andacht zu Ehren der Mutter Gottes (Prot. Nr. 537/95 vom 05. August 1995)

Meine lieben Brüder und Schwestern,
meine lieben Gläubigen,
noch immer dauern die schweren Zeiten des Kriegsleids an. Viele Herzen sind von Angst und Schrecken erfüllt. Wir alle warten sehnsüchtig auf Hilfe und Tröstung, die wir nötig haben.
Das wirksamste Mittel gegen Beklommenheit, Angst und Pessimismus sind das Gebet und der Glaube an Gottes Gegenwart in unserem Leben.
Es ist sehr wichtig, daß wir uns als Gläubige Christi angesichts des anhal­tenden Leidens nicht der Resignation anheimgeben, sondern vielmehr fest dar­an glauben, daß unser gütiger Gott Tag für Tag auf seilen derer ist, die zu Un­recht leiden, und daß er für all diese Menschen schon einen sicheren Weg berei­tet hat, der sie letztendlich zum Frieden und zu einem glücklichen Leben führt. Wir wissen, daß wir als Menschen nicht allein passive Wesen sind, die nur ent­gegennehmen, was Gott gibt. Wir sind auch Wesen, die in dieser Welt den gött­lichen Plan aktiv ausführen. Der vollkommenste Weg und die solideste Grund­lage ist dabei das Gebet, weil es uns hilft, den göttlichen Plan zu begreifen und auszuführen und so unsere aktive Mitwirkung richtig zu gestalten.
Das Gebet war für uns auch bisher etwas Vertrautes. Es hat uns in der ganzen Zeit der Bedrängnisse und Prüfungen dieses schrecklichen Krieges re­gelrecht aufrechterhalten. Auch in den jetzigen Augenblicken der großen Unge­wißheit und des Leidens müssen wir uns als Gläubige Christi von neuem - und gemeinsam und inbrünstig - dem Gebet zuwenden.
Vor uns liegt der uns so am Herzen liegende Feiertag zu Ehren der Got­tesmutter, Mariae Himmelfahrt. Die Heilige Jungfrau Maria ist auch für unser Volk die zuverlässigste Anwältin und getreueste Beschützerin. Bei ihr haben schon unsere Vorfahren die ganze lange und stürmische Geschichte hindurch bei Gefahren Zuflucht gesucht. Unsere gütige himmlische Mutter, unsere Anwältin und Fürbitterin, hat ihr Ohr niemals verschlossen, wenn ihr Volk sie um Hilfe rief, und sie wird dies bestimmt auch jetzt nicht tun, wo wir sie, die Köni­gin des Friedens, aus dem tiefen Unheil dieses Krieges anrufen, damit sie bei ihrem Sohn, unserem Erlöser Jesus Christus, für uns Fürsprache hält und uns zum ersehnten Frieden verhilft.
Im Glauben und im Gebet mit unseren anderen Brüdern und Schwestern hierzulande und draußen in der Welt vereint, rufen wir alle Angehörigen unseres Bistums für die Zeit der NEUNTÄGIGEN AND ACHT ZU EHREN DER GOT­TESMUTTER vom 06. bis zum 15. August 1995 auf, sich zu zusätzlichen ge­meinsamen Gebeten zusammenzufinden. Wo immer dies möglich ist, mögen sich die Gläubigen mit den Mitgliedern der Rosenkranzbewegung für Bekeh­rung und Frieden an der Spitze um ihren Pfarrer (Geistlichen) zum Rosenkranz­gebet sowie zu einem passenden Gebet für den Frieden versammeln. Wer nicht teilnehmen kann, möge im Kreise seiner Familie oder allein beten! Am Freitag, dem 11. August, mögen alle, die dazu in der Lage sind, fasten. Die gemeinsa­men Anliegen unserer Gebete und unseres Fastens sollten ein gerechter Frieden in unserem Heimatland, unsere Abkehr von falschen Wegen und unsere Bewah­rung vor dem Geist des Hasses und der Rache, unsere Bereitschaft zur Verge­bung und zur Menschlichkeit gegenüber denen, die uns Böses antun, die Fürbit­te für alle in diesem Krieg umgekommenen oder auf irgendeine andere Weise zu Opfern von Unheil gewordenen Menschen und die Bitte um Hilfe für alle durch diesen Krieg von Unglück heimgesuchten, zu Flüchtlingen gewordenen und in Not geratenen Menschen sein.
Wir sollten Jesu Worte nicht vergessen, die da lauten: "Bittet, so wird euch gegeben!" (Mt 7, 7). Treten auch wir zuversichtlich vor das Antlitz der Gottesmutter und rufen wir sie gemeinsam an:
"Unter deinem Schirm suchen wir Zuflucht, o Heilige Mutter Gottes! Weise unsere in unseren Noten an Dich gerichteten Bitten nicht ab, sondern nimm jederzeit alles Unheil von uns, du glorreiche und gebenedeite Jungfrau, Du, die Du unsere Herrin, unsere Vermittlerin und unsere Beschützerin bist! Bitte Deinen Sohn, mit uns einen neuen Bund schließen, empfehle uns ihm an und gebe uns in Seine Hände!"
Ich bete für Sie alle um reichen göttlichen Segen und um mütterlichen Trost durch die Heilige Jungfrau Maria!

 Ihr + Franjo, Bischof

Anm.: Dies möge am 06. August 1995 bei allen Meßfeiern vor den Gläu­bigen verlesen werden.

  anfang der seite

FÜR ALLES, WAS GESCHIEHT, TRAGEN AUSSCHLIESSLICH JENE DIE VERANTWORTUNG, DIE ES ORGANISIEREN
Belehrung für die Gläubigen - 14. August 1995

Von ihrem am 14. August 1995 im Bischöflichen Ordinariat in Banja Luka abgehaltenen, der geistlichen und seelsorgerischen Arbeit gewidmeten Treffen aus möchten der Bischof und die Geistlichen des Gebiets von Banja Luka folgendes mitteilen:
1. Der Abtransport von katholischen Gläubigen - Kroaten und anderen - von ihren jahrhundertealten Heimstätten, mit dem heute begonnen wurde, wird entgegen in Umlauf gesetzten Gerüchten absolut nicht von der katholischen Kirche, vom Bischof, von den Geistlichen oder der Caritas organisiert. Die öf­fentlichen Vertreter der katholischen Kirche verfügen weder über amtliche In­formationen, noch könnten sie für den Weggang Sicherheit garantieren.
2. Für alles, was geschieht, tragen ausschließlich jene die Verantwortung, die es organisieren. Ein jeder muß für sich selbst entscheiden, ob er weggeht oder bleibt. Die Geistlichen sind von niemandem beauftragt worden, ihre Gläu­bigen von ihren hiesigen Pfarrgemeinden wegzubringen und sie irgendwohin zu führen.
3. Wir Geistlichen sind auch weiterhin überzeugt, daß wir hier an unse­rem jeweiligen Platz bleiben müssen, solange es möglich ist, um unsere Arbeit als Geistliche zu tun und für das ganze Volk zu Gott zu beten und ihn zu bitten, die Tage dieser schweren Prüfungen und Leiden baldigst enden zu lassen.

 Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka und die Geistlichen

   anfang der seite

EHKE SEI GOTT - FRIEDEN FÜR DIE MENSCHEN
Bischöfliche Botschaft zum Friedensvertrag von Dayton
(Prot. Nr. 760/95 vom 24. November 1995)

An alle sich im Gebiet des Bistums und im Exil aufhaltenden Geistlichen und Ordensleute und die anderen Gläubigen des Bistums Banja Luka:
"GNADE SET MTTEUCH UND FRIEDE VON GOTT, UNSEREM VA­TER, UND DEM HERRN JESUS CHRISTUS!" (Römer 1,7)
Genug des Krieges! Wir wünschen Frieden! Dies ist die wichtigste, er­freulichste und am meisten ersehnte Botschaft, die sich in den letzten Tagen in alle Himmelsrichtungen verbreitet hat - eine Botschaft "urbi et orbi", d.h. an unser schmerzlich heimgesuchtes Heimatland und an alle anderen Menschen dieser Welt, die in dieser mehrjährigen furchtbaren Kriegstragödie aufrichtig mit uns mitgefühlt haben.
Für uns Katholiken des Bistums Banja Luka wie auch für alle anderen friedliebenden Menschen in unserer Umgebung ist dieser zwischen den für die Führung des Krieges und den für die Wiederherstellung und die Verwirklichung des Friedens entscheidend Verantwortlichen abgeschlossene offizielle Vertrag die Bestätigung der Richtigkeit unseres bisherigen friedfertigen Verhaltens!
- Wir alle kennen die Worte göttlicher Wahrheit aus der Heiligen Schrift, die lauten: "Frieden verkündet der Herr seinem Volk, seinen Frommen, denen, die mit ganzem Herzen zu ihm zurückkehren" (Ps 85, 9). Daraus ergibt sich für uns, wenn wir uns echten Friedens erfreuen wollen, eines Friedens, den nur Gott uns geben kann, die Notwendigkeil, uns wirklich mit ganzem Herzen Gott zuzuwenden, anstatt den falschen Göttern dieser Welt und selbsterwählten und selbsternannten Götzen hinterherzulaufen! Wir müssen einzeln und gemeinsam Gott mit den Worten des Psalmisten anrufen: "Gott, unser Erlöser, erneure uns, laß von deinem Unmut gegen uns ab! Erweise uns, Herr, deine Barmherzigkeit und gib uns dein Heil!" (Ps 85, 5.8). - Wenn die göttliche Wahrheit lautet, "Liebe und Treue begegnen einander, und Gerechtigkeit und Friede umarmen sich" (vgl. Ps 85, 11), so bedeutet dies, daß Frieden und Gerechtigkeit für uns, aber auch für alle Menschen unserer Umgebung nur dann Wirklichkeit werden, wenn wir, die wir an Gott, der uns Menschen liebt, glauben, uns bemühen, die wich­tigsten göttlichen Gebote einzuhalten, und daß Frieden und Gerechtigkeit in dem Maße Wirklichkeit werden, wie stark wir uns bemühen, (vgl. Lk 6, 27-28).
Die wichtigsten Politiker und Staatsmänner haben sieh gemeinsam zur entschlossenen Verwirklichung des Friedens und zur Beseitigung der schweren, äußerst unmenschlichen Folgen des Krieges verpflichtet. Sie haben allen klar zu verstehen gegeben, daß überall in unserem Heimatland die Respektierung der menschlichen und bürgerlichen Rechte und Freiheilen wieder in höchstem Maße gewährleistet werden muß. Zu den vorrangigsten dieser Rechte und Frei­heiten gehören das Recht auf" den Schutz des eigenen Lebens und des Eigen­tums, das Recht auf ein Heim, auf eine Wohnung und auf die Heimat, das Recht auf Religionsfreiheit, das Recht auf Freizügigkeit, das Recht auf Arbeit und die Möglichkeit einer normalen Lebensführung und das Recht auf die eigene Iden­tität. Dies bedeutet, daß unseren entrechteten, vertriebenen oder geflüchteten Gläubigen ausnahmslos {sowie auch im entsprechenden Falle allen anderen) garantiert wird, daß sie sämtliche Rechte und Freiheiten zurückerhalten bzw. daß sie wieder nach Hause, in ihre Heimstätten, zurückkehren und dort ein si­cheres und menschenwürdiges Leben führen können!
Wir sind gefordert, durch friedfertiges Verhalten, aber auch durch ent­schlossenes Eintreten für die Respektierung der von Gott und den Menschen verliehenen Rechte all den wohlgesinnten Politikern und Staatsmännern, die sich verpflichtet haben, für das allgemeine Wohl aller unserer Mitbürger zu ar­beiten, helfend zur Seite zu stehen!
So, wie wir während der ganzen Zeit der unseligen Kriegsereignisse in unserem Heimatland beharrlich versichert haben, daß wir ein wirklich friedli­ches Zusammenleben mit allen unseren Mitbürgern und Nachbarn wünschen, daß wir sie alle achten möchten, weil unser Gott uns dazu verpflichtet, wieder­holen wir für uns selbst und für alle anderen: Der Gott, an den wir glauben, ist der Gott der Menschenliebe, und Er muß auch zukünftig "Wohnrecht" in unse­rem ganzen Heimatland haben! In allen unseren Dörfern und Städten brauchen wir Menschen, die Gott ehren und Heben und so in der Lage sind, auch ihren menschlichen Brüdern, wenn nötig, zu vergeben und sie zu lieben und ihnen in jeder Hinsicht beizustehen.
Der Frieden, wie wir alle ihn brauchen, muß mit Gerechtigkeit, aber auch mit Vergebung und Menschenliebe gekoppelt sein! Wenn wir wirklich dieser Aufforderung Gottes Folge leisten, wenn es uns wirklich um die Wiederherstel­lung des Reiches Christi geht, darum, daß auch in unserem lieben Heimatland wieder die Wahrheit, die Gerechtigkeit, die Liebe und der Frieden Einzug hal­ten, wird sich das, was Gott uns durch die Heilige Schrift verheißt, bestimmt erfüllen, nämlich "Auch spendet der Herr Segen und Heil und unsere Erde gibt ihren Ertrag!" (Ps 85, 13).
Ihnen allen, meine lieben, getreuen und schmerzlich heimgesuchten Brü­der und Schwestern in Jesu Christo, wünsche ich von Herzen, daß Ihnen der Herr, die Quelle des Friedens, zu allen Zeilen und in allen Dingen Frieden gibt! Gott sei mit Ihnen allen! (vgl. 2 Thess 3, 16). 

Ihr Bischof Franjo

anfang der seite
 

AN DIE GEISTLICHKEIT UND DIE GLÄUBIGEN

WOLLEN WIR FRIEDEN ODER KRIEG?

LASSEN SIE SICH NICHT DURCH DIE VON DEN ÖFFENTLICHEN MEDIEN VERBREITETEN LÜGEN, VERLEUMDUNGEN UND TÄUSCHUNGEN BEEINFLUSSEN!

"SEIEN SIE BEREIT, LIEBER BÖSES ZU ERTRAGEN, ALS ANDEREN BÖSES ZUZUFÜGEN"

OHNE EHRFURCHT VOR GOTT GIBT ES KEINEN GERECHTEN FRIEDEN UNTER DEN MENSCHEN

"SCHAUT STETS NACH VORN!"

"LEGT ZEUGNIS AB UND SEID BAUMEISTER DES FRIEDENS"

GOTT VERGISST DIE SEINEN NICHT

DIE MUTTER GOTTES WIRD IHR OHR AUCH HEUTE NICHT DEN GEBETEN IHRES VOLKES VERSCHLIESSEN

FÜR ALLES, WAS GESCHIEHT, TRAGEN AUSSCHLIESSLICH JENE DIE VERANTWORTUNG, DIE ES ORGANISIEREN

EHKE SEI GOTT - FRIEDEN FÜR DIE MENSCHEN

 

..::Dolina::..

 

Copyright © 2005 all rights reserved - webmaster@biskupija-banjaluka.org