Autor:
Dr Franjo Komarica

  I. kapitel II. kapitel III. kapitel IV. kapitel V. kapitel VI. kapitel VII. kapitel VIII. kapitel IX. kapitel X. kapitel XI. kapitel  
Eine Auswahl der Dokumente des Bischofs und des bischöflichen Ordinariats von Banja Luka aus den Kriegsjahren 1991-1995


- VII -
AN DIE POLITIKER DER "REPUBLIKA SRPSKA"


"WIR KÖNNEN UND DÜRFEN UNS AUF EINE ETHNISCHE SÄUBERUNG UND EINE ANDAUERNDE UNTERDRÜCKUNG FUNDAMENTALER MENSCHENRECHTE, GLEICH, WELCHER GESTALT, NICHT EINLASSEN"
Schreiben an den Führer der bosnischen Serben, Dr. R. Karad¾iæ
(Prot. Nr. 578/92 vom 12. August 1992)

Geehrter Herr Präsident Dr. Karad¾iæ,
ich erlaube mir, mich in meiner Eigenschaft als katholischer Bischof" von Banja Luka, d.h. als geistliches Oberhaupt von über 110.000 im nordwestlichen Teil von Bosnien und Herzegowina lebenden katholischen Gläubigen, an Sie zu wenden.
Dieser unglückselige Krieg hat, obwohl der größte Teil der Gläubigen meines Bistums Banja Luka ihn bestimmt nicht wollte, viele unserer Pfarreien in den Griff genommen, und in den letzten drei Monaten riesigen Schaden und ungeheures Unglück mit schwerwiegenden und tragischen Folgen verursacht.
Ohne jeden Grund und Anlaß, d.h. ohne daß es von Katholiken auf Basis irgendeiner selbstorganisierten oder territorialen Organisation initiierte bewaff­nete Überfälle oder Kämpfe gegeben hätte, wurden nach mir vorliegenden zu­verlässigen Informationen bis jetzt trotzdem über 150 Zivilisten, Kinder, Frau­en und alte Menschen getötet. Ohne daß es in der Nähe irgendwelche Kampf­handlungen gegeben hätte, wurden Kirchen niedergebrannt oder völlig zerstört: in Glamoè, Kotor Varo¹, Bosanska Dubica, Bosanska Kostajnica, Bosanska Krupa, Donja Ravska, Prnjavor, die griechischkatholische in Kula¹i, in Bri¹evo, Èatrnja, Kozarac und Liskovica, und weitere 25 Kirchen wurden mehr oder weniger beschädigt!
Ohne jegliches Verschulden, wie ihnen am Ende gesagt wurde, sind mir unterstellte Pfarrer in Lagern und Gefängnissen schwer mißhandelt (strengge­nommen gefoltert!) worden: einer 12, ein anderer 62 Tage lang, ein dritter ist noch immer, seit dem 15. Juni d. J. (!) in einem Lager, und im Falle eines vierten, den man am 16. Juni d. J. aus seinem Pfarrhaus entführt hat, ist mir noch immer nicht bekannt, wo er sich befindet und ob er überhaupt noch lebt. Von den zahlreichen Fällen der Mißhandlung von Geistlichen, Ordensbrüdern und -Schwestern sowie einer großen Anzahl von Gläubigen möchte ich hier nur die mehrmonatigen ununterbrochenen bewaffneten Angriffe auf das Nonnenkloster in Bosanski Aleksandrovac sowie die in der Nacht vom 16. auf den 17. Juni d. J. von enthemmten bewaffneten Uniformierten begangenen, sadistischen Handlungen an Nonnen in Nova Topola erwähnen.
Nachdem mich bewaffnete Uniformierte und Zivilisten, die sich in deren Gesellschaft befanden, mehrmals in schwerwiegender und böser Weise belä­stigt hatten, wobei sie mich auch gern getötet hätten (!), hat mir der Komman­dant des 1. Krajina-Korps. Generalmajor Momir Taliæ, das Geleit der Militärpo­lizei angeboten, damit ich mit den meisten meiner Pfarreien, über die ich kei­nerlei Informationen hatte, in Verbindung treten konnte. Auf diese Weise war es mir möglich, an die zehn Pfarreien im Gebiet von Prijedor, Kotor Varo¹, Bosanska Gradi¹ka und Prnjavor zu besuchen, und ich kann jetzt folgendes sagen:
1. Bei den Katholiken herrscht überall Angst wegen häufiger Mißhand­lungen, ziemlich häufiger Fälle von Massenmord (Bri¹evo, Kotor Varo¹), Ver­schleppungen in Lager (Stara Rijeka, Vrbanjci, Kotor Varo¹, Mrkonjiæ Grad, Sanski Most, Bri¹evo), Plünderungen und Inbrandsetzungen von Häusern (Ravska, Bri¹evo, Kotor Varo¹, Vrbanjci).
2. Viele Menschen befinden sich bereits seit einigen Monaten in Flücht­lingslagern (©urkovac, Ljubija, Sanski Most, Liskovica, Vrbanjci).
3. Wegen der ihnen zugefügten Quälereien und der herrschenden Gewalt und Gesetzlosigkeit in Panik versetz, ziehen die Menschen weg oder haben vor, diesen Schritt zu tun, um ihr Leben zu retten. Dies betrifft konkret die Gläubigen der Pfarrgemeinden Kotor Varo¹, Vrbanjci, Sanski Most, Sasina, ©urkovac, Prijedor, Prnjavor, Dolina, Bosanska Gradi¹ka, Kula¹i, Dragalovci, Mrkonjiæ Grad, Liskovica, Kljuè, Bosanski Novi, Mahovljani, Nova Topola und Bosanski Aleksandrovac und eine große Anzahl von Gläubigen des Gebiets Banja Luka, wo ich zehn Pfarreien habe! In einigen Pfarrgemeinden (Dolina, Bosanska Gradi¹ka, Bosanski Aleksandrovac, Kotor Varo¹) haben verschiedene Uniformierte, die sich als öffentliche Organe der Behörden ausgaben, Katholi­ken für den Wegzug Ultimaten gestellt.
4. Das Gefühl der äußersten Schutzlosigkeit, der Entrechtung und der Unterdrückung fundamentaler Menschenrechte führt bei einer übergroßen An­zahl meiner Gläubigen in den genannten, aber auch in anderen Pfarrgemeinden zwangsweise dazu, daß sie sich wie gehetztes Wild fühlen, sie werden von Or­ten verjagt, wo sie jahrhundertelang ihre Heimat hatten und wo es nicht einmal der osmanischen Gewaltherrschaft gelungen war, ihr Herdfeuer auszutreten und ihre Heimat zu vernichten.
- Herr Präsident, ich sehe mich verpflichtet, Sie auf die zwangsläufig weitreichende Folgen nach sich ziehende schmerzliche Tatsache hinzuweisen, daß der größte Teil meines Bistums Banja Luka (nach der Katastrophe des Zwei­ten Weltkriegs, in dem mehr als ein Drittel der Pfarreien vollständig zerstört wurde) verschwinden wird, wenn in diesem Gebiet Gesetzlosigkeit und Willkür Einzelner und einzelner Gruppen weiter andauern.
- Ihnen ist das besonders gute Verhältnis zwischen den führenden Vertre­tern der katholischen und der serbisch-orthodoxen Kirche sowie den meisten unserer Gläubigen untereinander sowohl hier in Banja Luka als auch im gesam­ten Gebiet der Bosanska Krajina sicher nicht unbekannt!
- Sie konnten sich bisher ebenfalls von der ausgeprägten Friedfertigkeit des katholischen Teils der Bevölkerung der gesamten Region überzeugen, einer Tatsache, die in der letzten Zeit auch von den Militär- und Zivilbehörden mehr­fach hervorgehoben wurde!
- Sie werden auch ohne weiteres verstehen, daß es mir als dem höchsten Verantwortungsträger der katholischen Kirche in diesem Raum und gewiß auch allen anderen Katholiken inner- und außerhalb dieses Gebiets keineswegs gleich­gültig sein kann, was aus unseren Pfarreien, d.h. dem Bistum Banja Luka, wird!
Wir können und dürfen uns auf eine ethnische Säuberung und eine an­dauernde Unterdrückung fundamentaler Menschenrechte, gleich welcher Ge­stalt, nicht einlassen, nicht nur wegen unserer katholischen Gläubigen, sondern auch wegen des neben uns lebenden Volkes, konkret des serbischen bzw. des dem orthodoxen Glauben anhängenden Volkes, dem in diesem Falle leicht die Praktizierung einer solchen Form von Faschismus, Rassismus und Völkermord-Philosophie zugeschrieben werden könnte.
- Ich versichere Ihnen, daß meine Gläubigen, soweit ich sie kenne - und ich denke, daß ich sie gut kenne - in ihrer Mehrheit tatsächlich friedfertige Men­schen sind, Menschen, die bereit und fähig sind, wie auch bisher mit den An­hängern anderer Glaubensbekenntnisse und mit anderen Völkern in einem Kli­ma des Respekts gegenüber den Überzeugungen, Rechten und Besonderheiten der anderen zusammenzuleben.
- Die Zukunft der Gläubigen meines Bistums hängt in hohem Maße auch von Ihnen und Ihrer Humanität und Weilsicht ab. Dies haben mir auch viele Gesprächspartner, Vertreter örtlicher Zivil- und Militärbehörden, bestätigt.
Ich erlaube nur daher, Sie im Namen von einigen Zehnlausend Gläubi­gen, die von mir eine Antwort erwarten (die politischen Institutionen dieser Menschen sind zwangsweise völlig handlungsunfähig!), zu bitten, uns folgende Fragen zu beantworten:
1. Was hat die durch Sie vertretene Institution mit uns in diesem Ihrer Zuständigkeit unterstehenden Gebiet lebenden Katholiken vor?
2. Welche Rechte werden den in dem Ihrer Zuständigkeit unterstehenden Gebiet lebenden Katholiken (Kroaten, Ukrainern, Polen, Italienern, Tschechen u.a.m.) gewährleistet?
3. Was sollten Ihrer Meinung nach ich als Bischof, meine Geistlichen, unsere Ordensbrüder und -Schwestern und alle unsere übrigen Gläubigen noch tun, damit das entsetzliche Kriegsgeschehen, an dem wir nicht beteiligt sind und das wir nicht wollen, schnellstens ein Ende nimmt und es in den mehr als genug ins Wanken geratenen zwischenmenschlichen Beziehungen wieder zu Gleichgewicht und Frieden kommt?
Ich erwarte Ihre Antwort, für die ich mich hiermit im voraus bedanke! Hochachtungsvoll

Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

Schreiben übermittelt an
- die Apostolische Nuntiatur, Belgrad
- Herrn Dr. Branko Ðeriæ, Regierungschef der SR BiH
- das Sekretariat der BK BiH
- das Sekretariat der HBK

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STANDIGE BEDROHUNG UND GROSSE UNGEWISSHEIT FÜR DIE KATHOLIKEN IM GEBIET DER BOSANSKA KRAJINA - WIE LANGE NOCH?
Schreiben an den Präsidenten der Autonomen Republik Bosanska Krajina, Herrn V. Kupre¹anin
(Prot.-Nr. 717/92 vom 11. September 1992)

Geehrter Herr Präsident,
als sich vor einem Monat Herr Dr. Radovan Karad¾iæ, der Präsident der "Serbischen Republik Bosnien und Herzegowina", und Herr Dr. Branko Ðeriæ, der Regierungschef der "Serbischen Republik Bosnien und Herzegowina", in unserer Stadt Banja Luka aufhielten, habe ich über Ihr Kabinett die Bitte geäu­ßert, mich in meiner Eigenschaft als Bischof von Banja Luka wenigstens mit einer dieser Persönlichkeiten treffen zu dürfen. Man hat mir dies versprochen, aber die Versprechung blieb ohne Angabe irgendeiner Begründung unerfüllt. Ich mußte mich daher brieflich an die beiden Persönlichkeiten, die auch für das Schicksal bzw. die Zukunft von über 100.000 katholischen Gläubigen meines Bistums Banja Luka Verantwortung tragen, wenden, um ihnen die schwierige Lage und die Ungewisse Zukunft dieser Menschen darzulegen.
Bis heute habe ich von keiner der Persönlichkeiten irgendeine offizielle Antwort bekommen!
Sie, Herr Kupre¹anin, haben meinem Büro (ich war abwesend) telefo­nisch mitgeteilt, daß Herr Präsident Dr. Karad¾iæ Sie ermächtigt hat, in seinem Namen mit mir den Inhalt des erwähnten Briefes bzw. die zum Bistum Banja Luka gehörende Glaubensgemeinschaft betreffende aktuelle Fragen zu erörtern.
Ich danke Ihnen für Ihr geneigtes Interesse!
Ich erlaube mir, Ihnen wenigstens einen Teil des nicht nur mich, sondern auch einige Zehntausend Katholiken meines Bistums im Gebiet der Bosanska Krajina bedrückenden schweren Alptraums vorzutragen.
Da diese Menschen Schutz und ihre legitimen Rechte nicht Über ihre gewählten politischen Vertreter einfordern können, da man denselben ihre Tä­tigkeil völlig unmöglich gemacht bzw. sie inhaftiert und sogar getötet hat (Kotor Varo¹, Prijedor, Ljubija, Sanski Most, Bosanska Gradi¹ka, Kljuè, Mrkonjiæ Grad), verlangen sie als katholische Gläubige von mir, ihrem Bischof, daß ich sie vor den unerträglichen Quälereien, Plünderungen und Verfolgungen schütze und dafür sorge, daß ihre fundamentalen Menschenrechte wieder gesichert sind, die man ihnen in großem Umfang genommen bzw. über die man sich hinwegge­setzt hat. Dies sind u.a.: Das Recht auf Gleichberechtigung ohne Ansehen der nationalen Zugehörigkeit und der religiösen Überzeugung, das Recht auf für das Leben und den persönlichen Unterhalt notwendige Güter, das Recht auf Arbeit und auf gerechte Verteilung der Früchte der Arbeit (über 90 % dieser Menschen wurden aus ihrem Arbeits Verhältnis entlassen!), das Recht auf selbst­bestimmte Erziehung und Bildung der eigenen Kinder, das Recht auf freien Zusammenschluß und Mitbestimmung im öffentlichen und gesellschaftlichen Leben, das Recht auf einen guten Leumund und das Recht auf Gewissensfrei­heit sowie das Recht auf Gedanken- und Redefreiheit. All dies nur einige der Rechte, die in einem zivilisierten Umfeld für jedermann gewährleistet sind! In einigen Teilen meines Bistums - Bosanska Gradi¹ka, Prijedor, Ljubija, Sanski Most, Kljuè, Kotor Varo¹, und ständig zunehmend auch in Banja Luka - können die Gläubigen den seit mehreren Monaten andauernden entsetzlichen Druck und die große soziale Gefährdung nicht mehr ertragen und verlangen von mir, daß ich ihnen den Weggang ermögliche, gleich, wohin - was meistens der Weg in die totale Ungewißheit ist! Die Leute fühlen sich noch immer sehr oft wie ge­hetztes Wild, und sie können keinen rechtlichen Schutz seitens der für öffentli­che Ruhe und Ordnung zuständigen Organe erwarten!
Während der vergangenen anderthalb Monate ist es mir unter großen Schwierigkeiten gelungen, die meisten der Pfarreien im Gemeindegebiet von Banja Luka - Lakta¹i, Bosanska Gradi¹ka, Prnjavor, Èelinac, Kotor Varo¹, Mrkonjiæ Grad, Kljuè, Sanski Most und Prijedor - aufzusuchen und mir vor Ort ein Bild von der wahren Situation meiner Gläubigen, der im religiösen Dienst tätigen Mitarbeiter und der religiösen Gebäude zu machen. Bei der Gelegenheit habe ich im Gespräch mit den örtlichen Behörden wie auch mit den furchtbar verängstigten Menschen alles in meinen Kräften Stehende für eine Entspan­nung der sehr schwierigen und häufig auch dramatischen Lage getan. Von den Vertretern der Zivil- und der Militärbehörden hörte ich regelmäßig, daß die ka­tholische Bevölkerung sich im großen und ganzen friedfertig verhalte und kei­nerlei besondere Probleme verursache (...). Wir, sowohl ich als auch meine Geist­lichen und die Mehrheit unserer Gläubigen, haben alles getan, damit der Sturm des Krieges keine gefährlichen Fruchte in unser Gebiet trägt und die Katholiken dieses Gebiets die uns allen aufgezwungene schreckliche Kriegstragödie nicht noch größer werden lassen.
Trotzdem sind viele Zivilisten getötet worden (es sind über 150, von de­nen ich weiß), und es werden immer noch Zivilisten umgebracht (Ljubija, ©urkovac), und dies ohne Einschaltung eines Gerichts und ohne Urteil. Häuser werden angezündet und zerstört, bewaffnete Uniformierte plündern Eigentum und Einzelpersonen werden an unbekannte Orte verschleppt (z. B. der Bischöf­liche Rat, Herr Dipl.-mg. Marijan Vi¹tica aus Bosanska Gradi¹ka).
Ein besonderes Problem ist die Zerstörung und Schändung von Kirchen und anderen religiösen Gebäuden. In den letzten drei Monaten wurden ohne jeden Grund und Anlaß, und ohne daß es jeweils in der Nähe Kampfhandlungen gegeben hätte, in diesem Gebiet 40 % aller katholischen Kirchen zerstört und in Brand gesteckt, weitere 50 % sind mehr oder weniger beschädigt worden! Fünf Geistliche, Pfarrer, sind, ohne nachgewiesenes Verschulden, nach Folterungen über Zeiträume zwischen 12 und 80 Tagen in Lagern und Gefängnissen nun­mehr mehr oder weniger hochgradige Invaliden. Und bezüglich des Pfarrers von Nova Topola, Hochw. Ratko Grgiæ, der am 16. Juni d. J. aus dem Pfarrhaus entführt wurde, gibt es trotz meiner Interventionen bei den Militär- und den Zivilbehörden keine Spur und keine Hinweise.
Herr Kupre¹anin, Ihnen wurde in dieser "Wahnsinnszeit", im Sturm eines Krieges, und eben hier, wo wir jahrhundertelang gemeinsam gelebt haben, gro­ße Verantwortung übertragen, und daher richte ich im Namen vieler meiner Gläubigen dieselben Fragen, die ich den Herren Präsidenten Dr. Karad¾iæ und Dr. Ðeriæ gestellt habe, noch einmal an Sie:
- Was haben Sie persönlich bzw. was haben die durch Sie vertretenen Institutionen mit uns Katholiken vor? Wann werden wir eine klare Antwort be­kommen?
- Welche Rechte beabsichtigen Sie uns Katholiken - Kroaten, Ukrainern, Tschechen, Polen, Italienern und anderen - zu gewähren, und wann?
- Was sollten wir Ihrer Meinung nach noch für den Frieden und ein wür­diges Zusammenleben der Menschen in unserem Gebiet tun?
- Was soll ich den vielen Tausenden von schutzlosen und entrechteten Gläubigen, die die Grenze ihres psychischen und physischen Durchhaltevermögens erreicht haben, sagen, und wie soll ich künftig verfahren?
- Ich bin überzeugt, daß Sie meine bzw. unsere Nöte verstanden haben und daß Sie ernsthaft versuchen werden, sie einer Lösung zuzuführen, und Sie werden dies gewiß auch im Blick auf alle weitreichenden Folgen Ihrer Ent­scheidungen tun.
Ich bedanke mich im voraus für Ihre Antwort!
Hochachtungsvoll

Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

 

Schreiben übermittelt an:
- den Kommandeur des 1. Krajina-Korps - Banja Luka
- die Apostolische Nuntiatur - Belgrad
- das Sekretariat der HBK - Zagreb
- das Sekretariat BK BiH - Sarajevo

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"MACHEN SIE SICH WENIGSTENS IN ZUKUNFT NICHT SCHULDIG, UNS INS UNGLÜCK GEBRACHT ZU HABEN"
Bischöflicher Appell an den Führer der bosnischen Serben, Dr. R. Karad¾iæ
(Prot. Nr. 591/93 vom 23. Februar 1993)

Geehrter Herr Präsident,
ich erlaube mir, Ihnen beiliegend eine lange Liste jener kirchlichen Ge­bäude meines Bistums Banjo Luka zu übermitteln, die in den vergangenen Mo­naten vollständig zerstört bzw. mehr oder weniger beschädigt worden sind, ob­wohl es in der Mehrzahl der Fälle in der Nähe derselben keine bewaffneten Auseinandersetzungen gegeben hatte, was auch der Haltung der Mehrheit mei­ner Gläubigen, die ausgeprägte und unermüdliche Friedensstifter sind, zu ver­danken ist. Diese Liste umfaßt 93 % aller Kirchen meines Bistums sowie dazu noch 33 % der übrigen religiösen Gebäude!
Ich übermittle Ihnen zugleich eine Kopie meines an den Bürgermeister von Banja Luka, Herrn Radiæ, gerichteten Schreibens vom 19. Februar 1993 anläßlich der für die katholischen Gläubigen in dieser Gemeinde immer drama­tischer und unerträglicher werdenden Lage sowie meines an den Bürgermeister von Kljuè, Herrn Banjac, gerichteten Schreibens vom 11. Februar 1993 anläß­lich der Zertrümmerung der direkt im Zentrum von Kljuè liegenden Pfarrkirche durch Zerstörungswütige.
Möglicherweise haben Sie meine mehrmals an Sie und an Ihre Mitarbei­ter gesandten Mitteilungen noch immer nicht richtig zur Kenntnis genommen, mit denen ich Sie über die nunmehr bereits rd. 10 Monate andauernde katastro­phale Lage und völlige Entrechtung, Schutzlosigkeit und Not der Angehörigen der katholischen Kirche in noch weiteren zum Bistum Banja Luka gehörenden Gemeindegebieten informiert habe. Es handelt sich um die Gemeinden Prijedor, Sanski Most, Bosanska Gradi¹ka, Lakta¹i, Bosanska Dubica, Mrkonjiæ Grad, Kotor Varo¹, Prnjavor, Bosanski Novi, Doboj und Glamoè. Alle hiesigen Lo­kalpolitiker haben mir regelmäßig versichert, daß die Katholiken - die überall eine Minderheit der Bevölkerung bilden - in absolut keinen Kampf mit den orthodoxen Serben verwickelt sind. Dennoch aber ist festzustellen, daß sie als unschuldige Menschen häufig leiden: sie kommen ums Leben, verlieren ihr Heim und ihren Besitz, und sie gehen gewöhnlich ihrer Arbeit und ihrer sonstigen fundamentalen Menschenrechte verlustig! Wenn ich die Lokalpolitiker frage, warum den Katholiken bei uns die fundamentalen Menschenrechte unterdrückt und entzogen werden, erhalte ich oft die Antwort: "Wir haben solche Weisungen erhalten; hier sind wir machtlos!" (!?)
Wer ist das, Herr Präsident, der derartige rassistische Weisungen erteilen kann und darf, wenn doch augenblicklich Sie für das gesamte genannte Gebiet die politische Persönlichkeit mit den höchsten Befugnissen sind? Wenn Sie, von Ihrem eigenen Gewissen geleitet, für die Rechte Ihres Volkes kämpfen, sind Sie gewiß in der Lage, Verständnis und Wohlwollen dafür aufzubringen, daß auch andere Völker ein Recht auf die Wahrung ihrer eigenen Identität und Wür­de und legitimen Anspruch auf alle fundamentalen Menschenrechte haben.
Ich kann nicht glauben, daß Sie als orthodoxer Christ mit Gewalt den größten Teil eines katholischen Bistums, im konkreten Falle meines Bistums Banja Luka, vernichten wollen, aber ausgerechnet ein solcher Vorgang spielt sich in diesem Gebiet gerade ab! Wenn ich persönlich als Mensch und Christ niemals die Bedrohung der Existenz und des Eigentums eines Einzelnen, eines Volkes oder einer religiösen Gemeinschaft und somit auch nicht der schwester­lichen serbisch-orthodoxen Kirche billigen kann und bei jeder Gelegenheit mei­ne Stimme energisch gegen jede Art des Vandalismus und des Verbrechens er­hebe, erwarte ich gleichzeitig von den verantwortlichen und einflußreichen Per­sönlichkeiten des serbischen Volkes und der serbisch-orthodoxen Kirche, daß sie sich ebenso verhalten und gleichfalls ihre Stimme energisch gegen Verbre­chen an anderen - im konkreten Falle an uns, den im Hoheitsgebiet der RS lebenden Katholiken, - erheben.
Die derzeitige Lage in meinem Bistum ist in der Tat dramatisch! Fast die Hälfte der Gläubigen hat wegen der 'Wahnsinnsidee der Schaffung ethnisch rei­ner Gebiete bereits ihre Häuser verlassen müssen! Die andere Hälfte hat wegen der ununterbrochenen Bedrohung von Leib und Leben, der völligen Entrech­tung und der unmittelbaren Gefahr einer Hungersnot (die örtlichen Behörden haben unsinnigerweise den Strom dringend benötigter Hilfslieferungen über die Caritas-Organisation unseres Bistums unterbrochen) die Grenzen der Geduld erreicht. Ich fürchte, daß auch bei all unseren unermüdlichen Anstrengungen weder ich noch meine Geistlichen die von schrecklicher Panik ergriffenen Ge­müter noch lange werden beruhigen können!
Ich versichere Ihnen, daß der größte Teil meiner Gläubigen, soweit ich sie kenne, wirklich imstande und willens ist, in Frieden und Eintracht und mit Respekt für ihre Mitmenschen mit anderen Völkern und mit Angehörigen ande­rer religiöser Gemeinschaften und somit auch mit orthodoxen Serben zusammenzuleben. Lassen Sie nicht zu, daß Sie, der derzeit höchste Verantwortungs­träger des serbischen Volkes in Bosnien und Herzegowina, mit schwerem Makel behaftet werden und daß Sie die Schuld dafür tragen müssen, daß Sie einige Zehntausend friedensstiftende gläubige Christen, Katholiken, vertrieben und ausgerottet haben, nur weil Sie persönlich bei engster Auslegung nicht deren Glaubensgemeinschaft angehören. Bei einem derart abscheulichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit würden Sie kein ruhiges Gewissen, geschweige denn den Segen des Herrn haben!
Seinerzeit hatten Sie mir mündlich versprochen, sich persönlich für eine positive Lösung aller Probleme einzusetzen, welche die Katholiken betreffen, die im unter Ihre Zuständigkeil fallenden Gebiet ansässig sind! Ich bin Ihnen dafür dankbar gewesen. Leider haben wir - von einigen lobenswerten Beruhigungsaktionen abgesehen - hauptsächlich das Gegenteil des uns Verspro­chenen erlebt, und zwar in sehr erschütternder Form!
Ich beschwöre Sie nochmals: machen Sie sich wenigstens in Zukunft nicht schuldig in dem Sinne, daß uns durch Sie neues, unvoraussehbares und unermeßliches Unglück gebracht wird! Es gehört zu Ihrer Verantwortung, den vielfältigen tagtäglich an uns verübten Verbrechen Einhalt zu gebieten, insbe­sondere in den Gemeinden Bosanska Gradi¹ka, Banja Luka, Lakta¹i, Prijedor, Sanski Most, Prnjavor, Doboj, Kotor Varo¹ und Bosanski Novi! Damit würden Sie gleichzeitig auch Ihrem Volk den besten Dienst erweisen!
Dürfen ich und die Angehörigen meines ohne jeden Grund und Anlaß niedergetretenen und dezimierten Bistums noch immer hoffen, daß Sie sich uns gegenüber als ein Mensch zeigen, der sich als gläubiger Christ an das Wort "Fürchte Gott und tue, was recht ist" (Apg 10, 35) hält?
Wir erwarten Ihre positive Antwort!
Hochachtungsvoll

Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

1. Anlagen (3)
2. Übermittelt an
- die Apostolische Nuntiatur - Belgrad,
- das Sekretariat der Bischofskonferenz BiH - Sarajevo
- das Sekretariat der Bischofskonferenz von Kroatien - Zagreb

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WIEDER MUSS ICH MEINE STIMME ERHEBEN, UM WEGEN AN KATHOLIKEN IN DER GEMEINDE BOSANSKA GRADI©KA ERNEUT VERÜBTER VERBRECHEN ZU PROTESTIEREN
Schreiben an den Regierungschef der RS, Dr. Vladimir Lukiæ
(Prot. Nr. 611/93 vom 25. Februar 1993)

Geehrter Herr Premierminister,
in letzter Zeit erreichen mich besonders dramatische Nachrichten aus meinen Pfarreien Dolina und Bosanska Gradi¹ka in der Gemeinde Bosanska Gradi¹ka. Das verbliebene Drittel der katholischen Gläubigen, das trotz, bereits mehrere Monate andauernder ständiger Quälereien seine Heimat nicht verlas­sen hat, ruft inständig um Hilfe und fleht, daß man das Leben der Menschen, ihre Ehre und ihr Eigentum schützen möge.
Tagtäglich und allnächtlich werden zahlreiche katholische Familien von uniformierten Einzelpersonen oder Gruppen heimgesucht, die die Anwesenden körperlich mißhandeln und sie in der Absicht, sich darin selbst niederzulassen, aus ihren Häusern jagen.
Einzelne "Helden" vergewaltigen sogar Frauen und Mädchen. Es hat mehrere solcher Fälle gegeben. Der jüngste ist der in der Nacht vom 16. auf den 17. d. M. im Dorf Gornja Dolina geschehen, bei dem die über 60 Jahre alte Frau T. J. das Opfer war. Da die Täter Soldaten waren, hat sie nach ihrer eigenen Aussage bei deren Vorgesetzten Anzeige erstattet. Es ist nicht bekannt, was die­se unternommen haben, aber es scheint, daß keine wirksamen Maßnahmen er­folgt sind, da nur einige Tage später (am 19. Februar d. J.) im gleichen Dorf nochmals ein Soldat ein ähnliches Verbrechen an S. J. versucht hat. Daß der Gewaltakt nicht vollzogen wurde, ist nur einem Zufall zu verdanken.
Eine Woche zuvor (am 09. Februar d. J.) waren in Bosanska Gradi¹ka zwei bewaffnete Uniformierte gewaltsam in ein Nonnenkloster eingedrungen und hatten die Ordensschwestern (ältere Frauen) in äußerst abscheulicher Weise bedroht und ihnen, nachdem nicht weniger als zwei Stunden vergangen waren, gewaltsam zwei volle Gastlaschen weggenommen. Obwohl die Täter gedroht hatten, wiederzukommen, erschienen sie, nachdem die Schwestern den Vorfall bei der Polizei angezeigt hatten, nicht wieder. Inzwischen sind andere Unbe­kannte erschienen, die in der Absicht, die Klosterräume gewaltsam in Beschlag zu nehmen, den Schwestern Angst einjagten.
In der Nacht vom 08. auf den 09. d. M. wurde die im zur Pfarrgemeinde ©imiæi gehörenden Dorf Mièije gelegene Tochterkirche St. Anton durch ange­brachte Sprengladungen schwer beschädigt.
Außerdem wurde in der Nacht vom 24. auf den 25. d. M. die im zur Pfarrgemeinde Bosanska Gradi¹ka gehörenden Dorf Èatrnja gelegene Kirche "Roðenja Bla¾ene Djevice Marije" bis auf die Grundmauern zerstört, eine Kir­che, die bereits im November 1992 durch angebrachte Sprengladungen schwer beschädigt worden war und seither nicht mehr benutzt werden konnte. Jetzt sind auch andere religiöse Gebäude im Umkreis dieser Kirche beschädigt!
All diese ihnen widerfahrenden bösen Geschehnisse sehen die katholi­schen Gläubigen als eine gegen die Mitglieder der katholischen Kirche gerich­tete, planmäßige ethnische Säuberung dieses Gebiets, wo sie sich sowohl über die lange Zeit der vergangenen Jahrhunderte hinweg als auch besonders wah­rend der letzten kriegerischen Konflikte gegenüber allen Menschen in ihrem Umkreis als friedfertige und friedensstiftende Nachbarn erwiesen haben, was auch die Zivil- und Militärbehörden wissen und öffentlich bestätigen.
Nachdem bisher entsetzliche Verbrechen an Katholiken dieser Gemeinde begangen worden sind - die Entführung und die höchstwahrscheinlich erfolgte abscheuliche Ermordung des schuldlosen Pfarrers von Nova Topola, Hochw. Ratko Grgiæ, das bestialische Vorgehen hemmungsloser Bewaffneter gegen äl­tere Ordensschwestern im Kloster von Nova Topola, die Entführung und Niedermetzelung eines Mitglieds des Diözesanrats für seelsorgerische Angele­genheiten und des Parlaments von Bosnien und Herzegowina, des Herrn Dipl.-Ing. Marijan Vi¹tica, sowie ungefähr eines weiteren Dutzend unschuldiger Ka­tholiken und die zwangsweise Aussiedlung von zwei Dritteln der Katholiken in den letzten Jahren - gehen nun mit den jüngsten "Aktionen" eigenmächtig (oder auf Befehl!) Handelnder die Untaten an Katholiken offenbar weiter, solange noch welche in diesem Gebiet leben. Viele Male haben sowohl ich als auch meine Stellvertreter, der Dekan und die Pfarrer, um Schutz für diese bedrohten und völlig entrechteten Menschen gebeten. Bedauerlicherweise können oder wollen die örtlichen Behörden sie nicht schützen, was aus der bisherigen Praxis zu ersehen ist.
Gibt es jemanden, der diesen völlig schütz- und hilflosen unschuldigen Menschen wirkungsvoller helfen kann und so ihr Leben, ihre Existenz, ihre Würde und ihr Eigentum schützt? Gibt es jemanden, der der Fortsetzung der unerträglichen Verfolgung von Katholiken im Gemeindegebiet von Bosanska Gradi¹ka einen Riegel vorschiebt? Sind Sie persönlich in der Lage und willens, dies zu tun, oder gibt es jemanden, der befugt ist, im Namen der Regierung der RS entsprechende Maßnahmen zu ergreifen?!
Ich kann nicht umhin, auch diesmal wieder meine Summe zum Protest wegen erneuter Verbrechen an meinen Gläubigen zu erheben, und ich appelliere an Sie, an den Herrn Präsidenten Karad¾iæ und an alle Persönlichkeiten und Institutionen, die dem schweren Unrecht, das den schuldlosen Katholiken und anderen in der Gemeinde Bosanska Gradi¹ka zugefügt wurde, wirkungsvoll Ein­halt gebieten können!
Ich glaube noch immer an den Sieg der Vernunft und der Menschlichkeit, zumindest auf der Ebene der höchsten Verantwortungsträger unserer Völker, zu denen selbstredend auch Sie gehören!
Wir alle erwarten Ihre positive Antwort!
Hochachtungsvoll

 Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

Schreiben übermittelt an:
1. den Präsidenten der RS, Herrn Dr. R. Karad¾iæ
2. den Parlamentspräsidenten der RS, Herrn M. Kraji¹nik
3. den Kommandeur des 1. Krajina-Korps, Herrn Generalmajor M. Taliæ
4. die Apostolische Nuntiatur - Belgrad
5. das Sekretariat der Bischofskonferenz BiH - Sarajevo
6. das Sekretariat der Bischofskonferenz von Kroatien - Zagreb

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WOLLEN UNSERE ORTHODOXEN BRUDER WIRKLICH DIE KATHOLISCHE KIRCHE IN DIESEM GEBIET AUSROTTEN?
Schreiben an den Führer der bosnischen Serben, Herrn Dr. R. Karad¾iæ
(Prot. Nr. 920/93 vom 26. März 1993)

Geehrter Herr Präsident,
dieser Tage erreichte mich Ihr Brief als erste Antwort auf meine an Sie und Ihre Mitarbeiter gerichteten wiederholten offiziellen Schreiben. Ich danke Ihnen! Dies ist - nicht nur für mich allein - ein Hoffnungssignal, das erkennen läßt, daß die vielen und dramatischen Rufe nach Hilfe und Schutz für die Gläu­bigen meines Bistums Banja Luka doch die Ohren und wohl auch die Herzen derer erreichen, die derzeit - ohne uns - über unsere Zukunft entscheiden und zu denen auch Sie gehören.
1. In Ihrem Brief drücken Sie Bedauern darüber aus, daß der Grund mei­nes letzten an Sie gerichteten Schreibens "ein durch vermeintliche Drohungen und Erpressungen verursachtes Gefühl der Unsicherheil und der Sorge um das eigene Leben" gewesen sei. Sie bitten mich deshalb, Ihnen "zum Zweck des Schutzes nicht nur meiner Person, sondern aller Bürger der "Republika Srpska", vollständigere Angaben zu den angeführten Geschehnissen mit allen für eine Ermittlung der jeweiligen Täter relevanten Einzelheiten" vorzulegen. Diese Angaben benötigen Sie, wie Sie anführen, deshalb, weil Sie an Hand meines Briefes "nicht unterscheiden können, ob es sich um meine subjektive, durch die erwähnten Unannehmlichkeiten zustandegekommene Sicht handelt oder ob die Lage tatsächlich so ist, wie ich sie darstelle, was alarmierend wäre. Zum Schluß heben Sie hervor, daß Sie "unabhängig davon, ob ich Ihnen die verlangten Angaben übermittle oder nicht, alles tun werden, um die ganze Situation zu prüfen, eventuelle Täter zu ermitteln und sie vor Gericht zu bringen und uns Frieden und Sicherheit zurückzugeben".
2. Hinsichtlich Ihrer an mich gerichteten Bitte, Ihnen konkrete Angaben über die verschiedenen Zwischenfälle, kriminellen Handlungen und echten Ver­brechen an der Zivilbevölkerung meines Bistums (aber auch an einer großen Zahl sonstiger Zivilisten in diesem Teil der "Republika "Srpska") zu Übermit­teln, darf ich Ihnen vorläufig folgende Tatsachen zur Kenntnis geben:
3. Sowohl vor als auch nach den ersten unglückseligen kriegerischen Zusammenstößen im Gebiet von Bosnien und Herzegowina im Frühjahr 1992 habe ich mich bemüht, jede Gelegenheit zu nutzen, um bei den sehr häufigen Begegnungen mit meinen Geistlichen und Gläubigen und den zahlreichen Kontakten mit den Vertretern der serbisch-orthodoxen Kirche und der islamischen Glau­bensgemeinschaft sowie mit den rechtmäßigen örtlichen Behörden zur Erhal­tung des Friedens und des bis zu dem Zeitpunkt ungestörten friedlichen Zusam­menlebens in unserem Gebiet beizutragen. In der Zwischenzeit kam es zu häu­figen Kontakten mit Militärs vom 1. und 2. Krajina-Korps. Dank dem Entge­genkommen und der Hilfe der Streitkräfte war es mir möglich, fast alle Ge­meinden zu besuchen, in denen sich Pfarreien meines Bistums befinden, und mir persönlich ein Bild von der Lage der mir anvertrauten Gläubigen zu ma­chen. Über die wahre Situation der Katholiken in den einzelnen Gemeinden und ihre Entrechtung und Bedrohung habe ich den wichtigsten Vertretern der derzei­tigen örtlichen Behörden in wiederholten Gesprächen Bericht erstattet. Es ist nicht nur wahrscheinlich, sondern sicher, daß sie in großen Zügen von allen Geschehnissen in ihrem Gebiet, und somit auch von der über die Katholiken - nach ihrer eigenen Einschätzung eine ausgesprochen friedfertige Bevölkerungs­gruppe ihrer Gemeinden - hereingebrochenen Bedrängnis wußten. Bei meinen Gesprächspartnern handelte es sich insbesondere um Bürgermeister, Vorsitzen­de und stellvertretende Vorsitzende von Gemeinde-Exekutivausschüssen, Vorsitzende bzw. Mitglieder von Krisenstäben, Leiter von Schutzpolizeikommissariaten und Kommandeure der Miliz.
Nachfolgend führe ich die Namen meiner Gesprächspartner in den ein­zelnen Gemeinden auf:
1. Banja Luka: P. Radiæ, Bürgermeister; A. Ru¾iæ, Stellvertretender Vorsitzen­der des Exekutivausschusses; V. Tutus, Leiter des Schützpolizeikommissariats
2. Lakta¹i: S. Joviæ, Bürgermeister (und Vorsitzender des Krisenstabs); B. Kovaèeviæ, Vorsitzender des Exekutivausschusses; S. Dobrijeviæ, Leiter des Schutzpolizeikommissariats
3. Bosanska Gradi¹ka: N. Iva¹tanin, Bürgermeister; B. Todoroviæ, Vorsitzender den Exekutivausschusses; V. Vesiæ, Leiter des Schutzpolizeikommissariats
4. Prnjavor: N. Vasiæ, Bürgermeister; N. N., Leiter des Schutzpolizeikommissariats
5. Prijedor: M. Stakiæ, Bürgermeister (und Vorsitzender des Krisenstabs); D. Kurnoga, neugewählter Bürgermeister; N. Savanoviæ, Stellvertretender Vor­sitzender des Exekutivausschusses; S. Drljaèa, Leiter des Schutzpolizei­kommissariats; Ð. Taranjac, Vorsitzender des Krisenstabs - Ljubija; D. Bajiæ, Kommandeur der Miliz - Ljubija
6. Sanski Most: N. Ra¹ula, Bürgermeister (und Vorsitzender des Krisenstabs); V. Vrke¹a, Vorsitzender des Exekutivausschusses; M. Vruèiniæ, Leiter des Schutzpolizeikommissariats
7.  Kljuè: J. Banjac, Bürgermeister; N. Tomiæ, Vorsitzender des Exekutivausschusses
8. Glamoè: P. Suba¹iæ, Bürgermeister; J. Herceg, Leiter des Schutzpolizeikommissariats
9. Kotor Varo¹: N. Ðekanovic, Bürgermeister (und Vorsitzender des Krisen­stabs); Z. Pejiæ, Leiter des Schutzpolizeikommissariats
10. Mrkonjiæ Grad: D. Are¾ina, Bürgermeister; Lj. Vasaliæ, neugewählter Bür­germeister
11. Bosanska Dubica: D. Krnjajiæ, Bürgermeister; N. N., Stellvertretender Bür­germeister
12. Bosanski Novi: D. Kutlija, Leiter des Schutzpolizeikommissariats; M. Vukoviæ, Kommandeur der Miliz; N. N., Kommandeur der Miliz in Bosanska Kostajnica
13. Doboj: N. N., Kommandeur der Miliz und der Schutzpolizei - Stanari – (für unsere Pfarrei Dragalovci)
Abgesehen von häufigen Gesprächen, die ich wegen der Verschlechte­rung der Lage meiner Gläubigen besonders in den Gemeinden Banja Luka, Bosanska Gradi¹ka, Prijedor, Sanski Most, Lakta¹i, Kotor Varo¹, Prnjavor und Kljuè führte, war ich genötigt, mich auch schriftlich mehrfach an verantwortli­che Amtsträger in den genannten Gemeinden zu wenden (an die Herren Radiæ, Iva¹tanin, Vesiæ, Stakiæ, Kurnoga, Ra¹ula, Joviæ, Dobrijeviæ, Ðekanoviæ und Vasiæ) und dieselben um stärkeren und wirksameren Schutz für die entrechteten und bedrohten Gläubigen, die im religiösen Dienst tätigen Mitarbeiter der Kir­che und die religiösen Gebäude in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsgebiet zu ersuchen. Nachdem Sie im September 1992 Herrn Voja Kupre¹anin (bis zu je­nem Zeitpunkt Präsident der "Autonomen Republik Bosanska Krajina") zu Ih­rem Vertreter für die Lösung aller die Gläubigen meines Bistums betreffenden Probleme ernannt hatten, habe ich denselben regelmäßig mündlich über das gesamte aktuelle Geschehen vor Ort und einige Male auch schriftlich über die ständige Verschlechterung der Situation unserer Gläubigen, von deren Friedfer­tigkeit sich Herr Kupre¹anin viele Male selbst überzeugen konnte, informiert. Ich habe Grund zu der Annahme, daß er Sie über unsere konkreten Interventio­nen, Ersuchen und Beschwerden auf dem laufenden zu halten hatte!
4. Aktuelle Bedrohungen von Leib und Leben und von Besitztümern der Angehörigen der katholischen Glaubensgemeinschaft, insbesondere im Gebiet bestimmter Gemeinden (Prijedor, Sanski Most, Bosanska Gradi¹ka, Lakta¹i, Kljuè, Banja Luka, Prnjavor, Kotor Varo¹ und Mrkonjiæ Grad) habe ich bei einige n Treffen mündlich und schriftlich auch dem Kommandeur des l. Krajina-Korps, Herrn Generalmajor bzw. General Oberstleutnant M. Taliæ, und dessen Stellvertretern bzw. Mitarbeitern - den Herren Bogojeviæ, Bogdaniæ, Te¹iæ, Vejnoviæ, Vukeliæ, Peuliæ, Arsiæ und Simiæ - gemeldet, wobei ich die Betreffen­den um Schutz und Hilfe für alle Bedrohten und Entrechtelen ersuchte.
In der gleichen Angelegenheit und mit dem gleichen Ziel habe ich mich mehrfach mündlich und schriftlich an den CSB-Leiter in Banja Luka, S. ®upljanin, und an den verstorbenen S. Markoviæ gewandt.
Ich war bemüht, alle an die genannten Persönlichkeiten gerichteten schrift­lichen Eingaben regelmäßig per Post auch den höchsten Regierungsorganen der RS - der Regierung, dem Parlament oder Ihnen persönlich! - zugehen zu lassen.
5. Sofern es also um die Katholiken meines Bistums geht, verfügen somit alle zuständigen Persönlichkeiten und Behörden der genannten Gemeinden über "alle erforderlichen Angaben mit vielen für die Ermittlung der jeweiligen Täter relevanten Einzelheiten", um die Sie mich gebeten haben, weil wir diese Per­sönlichkeilen und Behörden rechtzeitig und konkret auf die zahlreichen, häufigen Fälle hingewiesen haben, die u.a. betreffen: die Bedrohung von Leib und Leben sowie von Eigentum und von sonstigen fundamentalen Menschenrech­ten, die Bedrohung des Rechts auf Leben, auf Wohnung, auf Gleichberechti­gung ohne Ansehen der nationalen Zugehörigkeit oder der religiösen Überzeu­gung, auf Arbeit und auf ehrliche Verteilung der Früchte der Arbeit, auf lebens­notwendige Güter, auf Gewissensfreiheit, auf selbstbestimmte Erziehung und Bildung der Kinder, auf Gedanken- und Redefreiheit, auf Gesundheitsschutz und soziale Sicherheit, auf Bewegungs- und Reisefreiheit, auf einen guten Leu­mund, auf Vereinigungsfreiheit und auf Mitbestimmung im öffentlichen und gesellschaftlichen Leben (...). Diese Persönlichkeiten und Behörden sind ver­pflichtet, Ihnen diese Angaben zu machen, und sie sind dazu in der Lage! - Wenn ich Ihnen alle erforderlichen und bekannten Daten vorzulegen hätte, wür­de das Ganze einige Dutzend Seiten umfassen! Da die Vorlage der Daten nicht meines Amtes ist, überlasse ich diese sehr ernst zu nehmende Aufgabe den zuständigen Organen der Behörden bzw. der Polizei.
6. Allen zuständigen Persönlichkeiten der örtlichen Behörden und des Militärs, aber auch Hunderten und Tausenden meiner Gläubigen und ihrer Nach­barn sind das vielfache Unglück und die tragischen Schicksale vieler Katholi­ken (und anderer unschuldiger Zivilisten) und ihrer Familien, einzelner Grup­pen von Gläubigen, vieler Dörfer und Siedlungen und ganzer Pfarreien bzw. Dekanate in meinem Bistum bekannt. Viele kennen auch die Haupttäter von Verbrechen, und ebenso deren Vorgesetzte bzw. Auftraggeber!
Sie wissen ebenfalls, wer die unschuldig Hingemordeten, Niedergemet­zelten, Gefolterten, Verhafteten und körperlich Mißhandelten sind und wo diese Taten geschahen: vor allem in den Gemeinden Prijedor, Bosanska Gradi¹ka, Kotor Varo¹, Sanski Most, Bosanski Novi, Prnjavor, Banja Luka, Lakta¹i, Bosanska Dubica, Kljuè, Glamoè, Mrkonjiæ Grad und Doboj. Sie wissen auch die genauen Tatsachen über der überfallenen, zerstörten und geplünderten Bau­ernhöfe; wo Menschen ihren Arbeitsplatz verloren haben und wer diese Men­schen sind - in einzelnen Gemeinden handelt es sich sage und schreibe um Tau­sende! - (Menschen, die Opfer einer unmenschlichen Verordnung wurden, die aus Gewissensgründen der Wehrpflicht nicht Folge geleistet haben, bei denen ein Familienmitglied bereits eingezogen und an der Front ist...); wem das Recht auf Unterhalt und Gesundheitsschutz verweigert wird; wo man alle Leute aus einem Autobus gejagt oder Leuten keine Busfahrkarte gegeben hat, weil sie Katholiken bzw. Kroaten waren; wessen Kinder in der Schule ihren katholi­schen Religionsunterricht nicht haben können, während die Kinder orthodoxer Eltern sehr wohl ihren Religionsunterricht haben; wo Menschen ihre jahrhun­dertealte Heimat verlassen mußten, wer diese Vertriebenen sind und wie viele Zehntausende es waren - daß sie völlig unschuldig waren bzw. nur deshalb ge­hen mußten, weil bewaffnete Uniformierte es so wollten und sie seitens der Behördenorgane niemand ernsthaft geschützt hat; wo - in Ortsgemeinschaften oder Gemeindeorganen - alle örtlichen Behördenvertreter wegen ihrer Zugehö­rigkeit zur kroatischen (oder zu einer anderen nichtserbischen) Volksgruppe bzw. zur katholischen Kirche mit Gewalt an ihrer Tätigkeit gehindert oder abgelöst worden sind und wer die so Behandelten waren; wann und wo bewaffnete und uniformierte Personen Frauen und Mädchen vergewaltigt haben (...).
Selbstverständlich wissen alle Verantwortlichen, und natürlich auch viele von uns, sehr wohl von den durch nichts provozierten Überfällen, bei denen sogar Morde geschahen (Prijedor, Bosanska Gradi¹ka, Doboj) bzw. Geistlichen, Ordensbrüdern und -Schwestern und sonstigem kirchlichen Personal Eigentum weggenommen wurde. Ebenso ist es bekannt, daß trotz ausdrücklichen Verbots seitens des Kommandeurs des 1. Krajina-Korps fast alle unsere religiösen Ge­bäude des Bistums in der Mehrzahl der Gemeinden dieser Region (systema­tisch!) beschädigt, verwüstet oder zerstört worden sind (95 % der Kirchen und 40 % der anderen kirchlichen Gebäude).
Nach gegen das Leben und das Eigentum von Angehörigen der katholi­schen Kirche gerichteten Straftaten (wie auch in ähnlichen anderen Fällen in diesem Gebiet) hätten jeweils amtliche Kommissionen eine Tatbestandsaufnahme durchführen und ein entsprechendes Protokoll aufsetzen und an die zuständigen Behörden weiterleiten müssen!
Es ist also so, daß die öffentlichen Organe über alles Bescheid wissen, daß die Bevölkerung Bescheid weiß und daß auch wir Bescheid wissen, und tagtäglich erfahren wir von neuen schlimmen Geschehnissen, sogar von sol­chen mit äußerst tragischen Folgen! Ich möchte Ihnen gegenüber an dieser Stel­le erneut betonen, daß, von wirklich seltenen Ausnahmen abgesehen, - im Un­terschied zu anderen Gegenden von Bosnien und Herzegowina - hier in diesem Gebiet keinerlei bewaffnete Zusammenstöße zwischen Katholiken und anderen stattgefunden haben bzw. stattfinden, was Ihnen sicher bekannt ist! Wir, die Katholiken, haben hier niemanden bedroht! "Wir hofften auf Frieden, aber es kommt nichts Gutes." (Jer 8,15).
- Warum geschieht uns dies alles, wenn wir doch keine Schuld tragen? Warum unterdrückt und verfolgt man uns ohne Gerichtsverfahren und Urteil?
- Kann und wird man endlich der Anarchie, dem Gesetz der Gewalt und der Brutalität und der Rücksichtslosigkeit einzelner Tyrannen, die sowohl ihr eigenes Volk als auch die anderen in diesem Gebiet lebenden Völker mit Un­glück überziehen, ein Ende setzen?
Solche und ähnliche existentielle Fragen stellen mir viele, und sie stellen sie über mich auch Ihnen!
7. Ich habe Ihnen in meinen Briefen bereits früher dargelegt, daß sich viele Angehörige meines Bistums (aber auch viele andere Menschen) an ihre Pfarrer bzw. an mich, den Bischof, als ihre einzigen "Zufluchtsstätten" wenden und um Intervention, Hilfe und Schulz bei den örtlichen und den höheren Be­hörden bitten, weil ihre rechtmäßig gewählten politischen Vertreter ohne Ur­teilsspruch getötet, an unbekannte Orte verbracht oder inhaftiert oder aber zur Flucht gezwungen worden sind (Prijedor, Sanski Most, Bosanska Gradi¹ka, Kotor Varo¹, Mrkonjiæ Grad, Lakta¹i).
Wir sind uns des überwiegend geistlichen Charakters unserer Sendung und unseres Wirkens unter unseren Gläubigen bewußt. Andererseits ist es uns nicht möglich, über das mannigfache Unheil, das unsere Gläubigen heimge­sucht hat, und über die schweren Ungerechtigkeiten, die sie völlig unschuldi­gerweise schon monatelang zu erdulden haben, hinwegzusehen und ihre Hilfe­rufe und Bitten um Schutz für ihr nacktes Leben und ihre Existenz zu überhö­ren! Tm übrigen müssen und wollen auch wir heutigen geistlichen Führer der uns anvertrauten Gläubigen so, wie es in der Geschichte der Kirche immer war, mit ihnen (und auch mit den anderen uns umgebenden Menschen) "Freude und Hoffnung, Leid und Angst" teilen (vgl. 2. Vatikanisches Konzil, GS 1). Diese Verpflichtung ist uns durch Jesus Christus selbst, durch sein Beispiel, durch seine Lehre und durch sein Gebot auferlegt (vgl. Mt 28, 20).
Ihnen müßte von früher her ganz gewiß bekannt sein, daß ich gewöhnlich in allen zitierten wie auch in vielen anderen Gesprächen bemüht gewesen bin, nichts zu dramatisieren, sondern jeweils die konkrete schwere und oft auch tra­gische Situation unserer Gläubigen zu mildern. Ich hielt es jedoch trotzdem für erforderlich, meine Gesprächspartner darauf aufmerksam zu machen, daß ein jedes Verbrechen früher oder später an den Tag kommt und daß es aufgedeckt und das entsprechende Urteil gelallt wird, und daß daher eventuelle weitere Verbrechen mit allen legalen Mitteln verhindert werden müssen. Die Heilige Schrift lehrt uns nämlich: "Wer mit dem Bösen schwanger geht, gebiert Un­glück!" (Hiob 15,35).
Ich glaube, daß bei meinen Gesprächspartnern guter Wille und Bereit­schaft, der Anarchie ein Ende zu setzen, vorhanden waren, jedoch nicht in aus­reichendem Maße, und nicht überall gleichmäßig! So wurde leider dem Bösen nicht nur kein Einhalt geboten, sondern es hat in den letzten Wochen und Tagen noch größeren Umfang angenommen, einmal in Gestalt der Tötung unschuldi­ger Menschen (Prnjavor, Sanski Most, Bosanski Novi, Doboj, Banja Luka), ein andermal in Gestalt der Zerstörung oder Beschädigung kirchlicher Gebäude und privater Hauser und der Plünderung von Eigentum (Banja Luka, Bosanska Gradi¹ka, Prnjavor, Kljuè, Sanski Most, Prijedor) - und überall in Gestalt der Panik wegen der Bedrohung der Existenz, ständiger Drohungen mit Massakern, Akten der Vertreibung und ethnischer Säuberung, eines Zustands, der neuerdings im Fernsehen, im Rundfunk und in der Presse durch äußerst perfide Unterstellungen, Lügen und Verleumdungen auf Rechnung des Bischofs von Banja Luka und der katholischen Kirche angeheizt wird, indem man den Anschein erweckt, daß der Bischof und die katholische Kirche (!) irgendeine Inszenierung vorbereiten, auf deren Basis sie angeblich ihre katholischen Gläubigen aus ihrer jahrhundertealten Heimat wegbringen und irgendwohin in die völlige Unge­wißheit führen möchten!
8. Angesichts dessen, daß sie in all unseren Pfarrgemeinden zahlreiche Leiden, Repressionen und Vertreibungen bzw. Nötigungen erleben mit dem Ziel, sie zur Flucht zu veranlassen, sowie die häufige Unterdrückung fundamentaler Menschenrechte ertragen müssen, stellen viele Gläubige meines bereits dezi­mierten Bistums zwangsläufig sowohl mir als auch Ihnen die unumgängliche Frage: "Ist unter derartigen Bedingungen für uns, die Katholiken des Bistums Banja Luka, in den Gemeindegebieten von Banja Luka, Lakta¹i, Bosanska Gradi¹ka, Bosanska Dubica, Srbac, Prnjavor, Bosanski Novi, Prijedor, Sanski Most, Bosanska Krupa, Kljuè, Bosansko Grahovo, Drvar, Bosanski Petrovac, Glamoè, Mrkonjiæ Grad, ©ipovo, Jajce, Èelinac und Kotor Varo¹ - also in Ge­bieten, wo unsere Vorfahren während viel stürmischerer Zeiten ihr Herdfeuer, ihre Wurzeln und ihre Identität (die religiöse und die nationale) bewahrt und gemeinsam mit Angehörigen anderer Völker und Religionsgemeinschaften ge­lebt haben - überhaupt noch ein normales, menschliches und zivilisiertes Leben möglich?"
Ich persönlich glaube, daß keiner, der human denkt und fühlt, uns völlig unschuldigerweise ausrotten und uns aus diesem Gebiet, das jahrhundertelang unsere Heimat war, vertreiben will. Zum anderen kann ich solchen überaus un­menschlichen und unzivilisierten Akten wie dem einer ethnischen Säuberung nicht zustimmen, gleich, wen sie betreffen, was somit auch für den Fall meiner katholischen Gläubigen gilt. Dies wäre gleichbedeutend mit einer Zustimmung zum Verbrechen nicht des Jahrhunderts, sondern des Jahrtausends, d.h. zur völ­ligen Ausrottung der katholischen Kirche in diesem Gebiet, wo sie schon seit 17 Jahrhunderten besteht. Sie hat sich hier behauptet, obwohl sie unchristliche Hunnen, Avaren, Mongolen und Osmanen und in jüngerer Zeit atheistische Kom­munisten zum Darniederliegen brachten und ihre Gläubigen vertrieben wurden, aber jetzt könnte es geschehen, daß sie verschwindet, weil unsere orthodoxen christlichen Brüder, d.h. unsere Nachbarn und Freunde - und sogar unsere Ver­wandten!? - dies angeblich so wollen!
Daher meine ich und auch meine Geistlichen, Ordensbrüder und - Schwestern und der größte Teil meiner Gläubigen, daß eine negative Antwort der derzeitigen politischen Führer inner- und außerhalb der "Republika Srpska" für uns alle sehr schmerzlich, zugleich aber auch furchtbar vernichtend und zutiefst unmoralisch und unmenschlich für den- oder diejenigen wäre, der oder die mit Gewalt und Gesetzlosigkeit dahinter stehen würden.
9. Die Worte am Ende Ihres Briefes, mit denen Sie versprechen, daß Sie "alles tun werden, um die gesamte Situation zu prüfen, eventuelle (?!) Täler zu ermitteln und dieselben vor Gerichte bringen und uns Frieden und Sicherheit zurückzugeben", klingen in der Tat beruhigend! Ich danke Ihnen aufrichtig da­für! Bis zur Stunde ist unseren Gläubigen, Geistlichen und Ordensbrüdern und-schwestern ohne jeden Grund und Anlaß schon allzu viel des Bösen und der Ungerechtigkeit zugefügt worden, als daß man derartiges noch weiter unge­straft zulassen dürfte. Was mich, den Bischof von Banja Luka persönlich, die physische Bedrohung meiner Person und die Erpressungsversuche mir gegen­über sowie die Verleumdungen über die Medien angeht, so möchte ich dazu keinen besonderen Kommentar abgeben, wenngleich es hier nicht um, wie Sie sich ausdrücken, vorgebliche, sondern um tatsächliche - üble und äußerst argli­stig geplante - Aktionen geht, von denen sowohl die Zivilbehörden als auch das Militär in Banja Luka wissen. Dies alles zeugt eindeutig vom moralischen Ni­veau derer, die dahinterstehen. Ich glaube, daß Sie nicht zu diesen Leuten zäh­len, und deshalb mache ich Sie auf die Möglichkeit negativer Folgen aufmerk­sam, die eine Fortsetzung des jetzigen Zustands mit sich brächte, vor der uns der Herr bewahren möge und die weder für mich noch für Sie noch für die Sie umgebenden Übrigen Verantwortungsträger wünschenswert ist!
Daher teile ich auch Ihre Ansicht, daß es wirklich höchste Zeit ist, die Gesamtsituation der Katholiken in den genannten Gebieten mit Unterstützung einer gemischten Kommission zu überprüfen, von einer Gemeinde und von ei­ner Ortschaft zur anderen und, wenn nötig, von Pfarrei zu Pfarrei und von den Vertretern einzelner Gruppen von Gläubigen bis hin zu den vielen verzweifelten Familien und Einzelpersonen. Wir erwarten begründetermaßen, daß wir von der maßgeblichsten Instanz der "Republika Srpska" endlich die feste Zusicherung erhalten, daß wir für Sie und die über unsere Zukunft mitentscheidenden Per­sönlichkeiten Ihrer Umgebung Menschen sind, die Wertschätzung und die Re­spektierung fundamentalen Menschenrechts und aller sonstigen Menschenrech­te verdienen, daß wir nicht nur Gegenstände, Sachen oder handelbare Güter sind, als die uns leider auch einige Minister Ihrer jetzigen Regierung ansehen (R. Boðanin; vgl. "Glas Srpski", Banja Luka, vom 20. März 1993, S. 1). Das wünschen wir sowohl für uns alle, die wir noch in unserer Heimat verblieben sind, als auch für alle jene, die unschuldigerweise unier dem Druck von Gewalt und Gesetzlosigkeit in den vergangenen Monaten ihre Häuser verlassen mußten und sich nun danach sehnen, dorthin zurückkehren zu können! Alle Menschen in dieser unserer einzigen Heimat haben doch wohl - wie auch alle anderen zivilisierten Völker und Länder dieser Welt - das Recht auf einen Rechtsstaat und ein zivilisierter Menschen würdiges Dasein.
Auch dieses Mal - wie stets, wenn ich in legitimer Weise um Hilfe und Schutz für meine Gläubigen und das Volk, dem ich zugehöre, bitte - erhebe ich meine Summe zugleich für das Anliegen der Wiedergewährung entzogener fun­damentaler Menschenrechte, wobei ich an alle Menschen dieser Welt einschließ­lich der Angehörigen der serbisch-orthodoxen Kirche und des serbischen Vol­kes denke, an alle Menschen, gleich, welcher anderen Glaubensgemeinschaft oder welchem anderen Volk der Betreffende im Einzelfall angehört, wo und wann dieses Anliegen auch immer aktuell ist!
Als Christen kennen wir alle die Worte Jesu Christi, des Retters und Rich­ters aller Menschen; "Wie ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, also tut ihnen auch!" (Lk 6, 31).
Es ist mit vollem Recht zu erwarten, daß der Respekt gegenüber diesen Worten Jesu Christi bei uns, aber auch bei Ihnen in die Tat umgesetzt wird!
Angesichts dessen, daß Sie uns wieder die ungestörte Lieferung humani­tärer Hilfe über die Caritas unserer Diözese ermöglicht haben, wofür ich Ihnen im Namen einiger Tausend hilfsbedürftiger Menschen aufrichtig danke, bin ich auch zuversichtlich, daß Sie sieh auch weiter dafür einsetzen werden, das Böse, das über uns alle gekommen ist und über das ich Sie pflichtgemäß unterrichten mußte und wollte, möglichst weilgehend zu besänftigen, daß sich die Liebe der Menschen untereinander im Geiste des Evangeliums weitmöglichst behauptet!
Hochachtungsvoll 

Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

 

Schreiben übermittelt an:
1. die Apostolische Nuntiatur - Belgrad
2. das Sekretariat der BK BiH - Sarajevo
3. das Sekretariat der HBK - Zagreb
4. den Hl. Synod der SPC - Belgrad

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ERGREIFEN SIE WIRKUNGSVOLLERE MASSNAHMEN, DAMIT DIE MORDTATEN AN UNSCHULDIGEN MENSCHEN AUFHÖREN!
Schreiben an den Stellvertretenden Premierminister der RS. Herrn Dr. Vitomir Popoviæ
 (Prot. Nr. 1081/93 vom 11. Mai 1993)

Geehrter Herr Stellvertretender Premierminister,
bei unserem letzten Gespräch über die derzeitige Situation der Angehöri­gen meines Bistums auf dem Gebiet der "Republika Srpska" hatten Sie mich gebeten, die wichtigsten und schwersten Probleme auch schriftlich für Sie fest­zuhalten, was ich hiermit tue.
Daß in einigen unserer Pfarrgemeinden unschuldige Zivilpersonen in ih­ren Häusern ermordet worden sind, habe ich Ihnen schon mitgeteilt.
Hier sind nun auch die Namen der Opfer (nach meinem Treffen mit Herrn Mag. M. Kraji¹nik, dem Parlamentspräsidenten der RS, am 10. April 1993):

DOLINA (Bosanska Gradi¹ka):
1. Matkoviæ, Ilija und
2. Matkoviæ, Julka.
Die beiden betagten Menschen wurden in der Nacht vom 18. auf den 19. April d. J. in ihrem Hause ermordet.
3. Ilija Martinoviæ war zuvor in seinem Haus ermordet und verbrannt worden.

PETRIÆEVAC:
1. Baru¹iæ Juro (Mitglied des Kirchenausschusses) - am 26. April 1993 in seinem Hause ermordet; vor ihm waren in ihren Häusern folgende Personen ermordet worden:
2. Jerkoviæ Marko - ermordet am 15. Dezember 1992- und seine Ehefrau
3. Jerkoviæ Borka - ermordet am 15. Dezember 1992
4. Keziæ Adolf - ermordet am 14. April 1993
5. Josipoviæ Anto - ermordet am 08. Januar 1993
6. Mariæ Miroslav - ermordet am 07. Oktober 1992 

©URKOVAC:
1. Juriæ Mirko und seine Ehefrau
2. Juriæ Ana
3. Solaja Ana
4. Tukariæ Stipica
5. Juriæ Ilija
6. Gavranoviæ Mande
Sie alle sind in ihren Häusern ermordet worden. 

BARLOVCI:
1. Bumbar Janja, eine alle Frau von 80 Jahren, die am 25. April 1993 gegen 01.30 Uhr in ihrem eigenen Hause ermordet wurde.
2. Vidakoviæ Stjepan und
3. Vidakoviæ Marija, die beide am 25. März 1993 gegen 16.00 Uhr in ihrem Haus bzw. Hof ermordet wurden.
4. Bartuloviæ Ivo
5. Anu¹iæ Tomo
6. Anu¹iæ Vid
Ermordet am 24. März 1993.
7. Lukenda Stipo, der am 02. Februar 1993 entführt, ermordet und ver­brannt wurde,
8. Lipovac Anto
9. Anu¹iæ Joso, der am 01, November 1992 in seinem Hause brutal nie­dergeschlagen wurde und einen Monat später an den Folgen der Mißhandlun­gen starb. 

JAJCE:
1. ©imunoviæ Drago und
2. Pranjko Vilma und
3. Pranjko Franjo, beide ältere Menschen, die um den 10. April 1993 herum ermordet wurden.

 MOTIKE:
1. Kovaèeviæ Manda und
2. Kovaèeviæ Niko, ihr Sohn, die beide am 08, Mai 1993 (!) in ihrem Hause ermordet wurden.
Dies sind die jüngsten Morde, die die völlig schutzlose Bevölkerung sehr in Angst versetzt haben.

Abgesehen von diesen Mordtaten wird auch weiterhin auf Häuser und Wohnungen, besonders in einigen Teilen der Gemeinde Banja Luka, geschos­sen, wodurch sich die Menschen zusätzlich gedrängt fühlen, ihr Heim zu ver­lassen.
Ich bitte Sie daher, gemäß Ihrer Einstellung, gemäß der Verfassung der RS und gemäß allem, was mir von Ihnen persönlich und von Herrn Krajisnik versprochen wurde, wirkungsvollere Maßnahmen zu ergreifen, damit unschul­dige und friedfertige Menschen -Angehörige der katholischen Kirche - wirklich anfangen können, sich als geachtete Mitbürger zu fühlen, deren fundamentale Menschen- und Bürgerrechte tatsächlich gewährleistet sind.
Zugleich werden davon mit Sicherheit sämtliche Einwohner unserer Stadt und der ganzen Gegend allseitigen Nutzen haben!
Hochachtungsvoll 

Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

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SPRENGUNG DER PFARRKIRCHE IN SASINA BEI SANSKI MOST - BEWAFFNETE ÜBERFÄLLE AUF KIRCHLICHE GEBÄUDE IM GEMEINDEGEBIET VON BANJA LUKA
Schreiben an das Religionsministerium der RS
(Prot. Nr. 1220 A/93 vom 30. Juni 1993)

Geehrte Empfänger dieses Schreibens,
in tiefem Schmerz muß ich Ihnen hiermit mitteilen, daß sich in die lange Kette der zerstörerischen Vandalenakte, die an religiösen Gebäuden meines Bis­tums begangen wurden, ein weiterer gereiht hat.
In den Morgenstunden des 28. Juni 1993 ist die große Pfarrkirche St. Peter und Paul in der Pfarrei Sasina bei Sanski Most fast bis auf ihre Grundmau­ern zerstört worden. Dies geschah trotz des erneuten Versprechens der Behör­den, daß unsere religiösen Gebäude den größtmöglichen Schutz bekommen, und trotz der Tatsache, daß in der Nähe der zerstörten Kirche ein Wachposten stationiert ist. Damit ist im Gebiet der Gemeinde Sanski Most, wo es gemäß den Versicherungen der örtlichen Behörden nie irgendwelche Zusammenstöße zwischen Katholiken und Angehörigen anderer Religionsgemeinschaften oder Volksgruppen gegeben hatte und Katholiken auch niemanden in irgendeiner Weise bedroht hatten, die vierte katholische Kirche zerstört worden.
Der wirklich tiefe Kummer und die große Angst der verbliebenen Gläubi­gen, die auch bisher in vielfältiger Weise bedroht wurden und von denen viele völlig unschuldigerweise getötet worden sind, ist leicht zu verstehen!
Unzählige Male im Verlauf dieser letzten Jahre habe ich mich an alle Behörden im Gebiet der RS gewandt und sie gebeten, energischere Schutzmaß­nahmen für die völlig schutzlosen Gläubigen meines Bistums und das kirchli­che Eigentum zu ergreifen!
Dieses Mal tue ich es auch wegen der ständigen Bedrohung meiner Gläu­bigen, besonders in den Gebieten der Pfarreien Stara Rijeka (Gemeinde Sanski Most), Dolina und Bosanska Gradi¹ka sowie Barlovci und Petriæevac (Gemein­de Banja Luka), wo in den letzten zehn Tagen auch Filialkirchen in den Dörfern Kuljani und Novakoviæi zerstört bzw. unbenutzbar gemacht worden sind.
Darf ich gemeinsam mit meinen Geistlichen und Gläubigen dennoch darauf hoffen, daß der furchtbaren zerstörerischen Anarchie Einzelner bzw. ein­zelner organisierter Gruppen, die über 90 Prozent der Gesamtheit, unserer reli­giösen Gebäude teils vollständig zerstört, teils mehr oder weniger beschädigt und das Leben von Tausenden unserer Gläubigen unmittelbar bedroht haben, endlich ein Ende gemacht wird und Chancen aufgetan werden, die das Dasein und Leben der katholischen Glaubensgemeinschaft in diesen Gebieten, in de­nen sie sich sogar in viel stürmischeren Zeiten behaupten konnte, auch weiter­hin ermöglichen?
Ich erwarte von Ihnen eine Antwort, die wirklich etwas bringt!
Hochachtungsvoll 

Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

Schreiben übermittelt an:
1. Herrn J. Turanjanin, den Stellv. Religionsminister - Banja Luka
2. die Zentralstelle der Schulzpolizei - Banja Luka
3. die Apostolische Nuntiatur - Belgrad
4. das Sekretariat der BK BiH - Sarajevo
5. das Sekretariat der HBK - Zagreb

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STÄNDIGE BEDROHUNG DES LEBENS UND DES EIGENTUMS DER KATHOLIKEN - NOCH IMMER HERRSCHEN DIE MACHT DER GESETZLOSIGKEIT UND DAS RECHT DES STÄRKEREN!
Schreiben an den Stellvertretenden Premierminister der RS. Dr. V. Popoviæ
(Prot. Nr. 1389/93 vom 25. August 1993)

Geehrter Herr Stellvertretender Premierminister,
bei unseren wiederholten Gesprächen im Verlauf der letzten Monate habe ich Ihnen unter anderem auch die konkreten Nöte und Leiden der im Gebiet der RS ansässigen und zum Bistum Banja Luka gehörenden katholischen Bevölke­rung dargelegt, Sie haben mir regelmäßig entgegenkommend zugehört und mir konkrete Hilfe und konkreten Schutz für alle meine bedrohten Gläubigen, Or­densbrüder und -Schwestern und Geistlichen sowie auch für die kirchlichen Gebäude versprochen. Sie haben mich auch gebeten, Sie schriftlich über alle eventuell Menschen und Eigentum der katholischen Kirche berührenden Zwischenfälle in diesem Gebiet zu informieren.
Mit diesem Schreiben möchte ich Sie im Namen vieler meiner Gläubigen nochmals um größeren Schutz für ihr Leben und ihre Habe sowie ihre anderen fundamentalen Menschen- und Bürgerrechte und Freiheiten bitten.
Ich hoffe begründetermaßen, daß Sie sich entsprechend Ihren Befugnis­sen noch energischer dafür einsetzen werden, daß in diesem Gebiet wieder ein funktionierender Rechtsstaat hergestellt wird.
1. In den letzten Wochen hat es - leider - einige Überfälle bewaffneter Gruppen auf im kirchlichen Dienst stehende Personen meines Bistums gegeben: einen Überfall auf die Pfarrwohnung und den Pfarrer von ©urkovac, ferner Überfälle in Mrkonjiæ Grad, Vrbanjci und Kotor Varo¹ und auf die Ordensschwestern im Kloster Nova Topola. Dem Herrn sei Dank, daß es nicht zu schweren Folgen gekommen ist! Die örtlichen Behörden und die Miliz werden regelmäßig in Kenntnis gesetzt. Wir vertrauen darauf, daß sie die erforderlichen Maßnahmen für einen besseren Schutz dieser Menschen unseres Gebiets treffen werden.
2. Tagtäglich erreichen uns leider inständige Hilferufe unserer schutzlo­sen Gläubigen, die häufig von bewaffneten Gruppen mißhandelt werden, wel­che sie - meistens aus Gewinnsucht bzw. zwecks Plünderung - überfallen und sogar ermorden, insbesondere in den Gemeindegebieten von Kotor Varo¹, Bosanska Gradi¹ka, Lakta¹i, Prijedor und Banja Luka sowie - in letzter Zeit - von Mrkonjiæ Grad und Kljuè. Über die konkreten Tatsachen wissen zwar auch wir Bescheid, aber sie müssen auch den zuständigen Stellen der genannten Ge­meinden vorliegen.
3. Leider gehen die durch nichts gerechtfertigte Zerstörung und Vernich­tung des Eigentums unserer Pfarreien und Klöster und die vielen unserer Gläu­bigen zugefügten Mißhandlungen weiter. Ihnen ist bekannt, daß in den letzten Jahren, ohne daß es irgendwelche Kampfhandlungen oder sonstige Anlässe ge­geben hätte, über 40 Prozent unserer Kirchen vollständig zerstört und weitere 50 Prozent derselben mehr oder weniger beschädigt sowie über 30 Prozent an­derer kirchlicher Gebäude teils vernichtet, teils beschädigt worden sind. In letz­ter Zeit hat es bei dieser traurigen Bilanz eine Fortsetzung gegeben: die Pfarrkir­chen in Sasina (Sanski Most) und Kotor Varo¹ und die Tochterkirchen in Drenova (Prnjavor) und Maèkovac (Bosanska Gradi¹ka) wurden zerstört, und die Kirche in Mahovljani (Lakta¹i) wurde schwer verwüstet Das vor zwei Jahren von Grund auf renovierte Seelsorgezentrum in Nova Topola (Bosanska Gradi¹ka) wurde niedergebrannt, sowie das Nonnenkloster und das Wirtschaftsgebäude beschä­digt; die Pfarrkirchen in Barlovci (Banja Luka) und in Trn (Lakta¹i) wurden beschädigt und die Seelsorgezentren in ©urkovac (Prijedor) und Mahovljani (Lakta¹i) demoliert.
4. In noch größerem Umfang werden Häuser und materielle Güter unse­rer Gläubigen beschädigt, sowohl solche, die vorübergehend Abwesenden (als Gastarbeiter im Ausland Beschäftigten oder Flüchtlingen) gehören, als auch - in steigendem Maße - solche, deren Eigentümer anwesend sind. Dies gilt beson­ders für die Gemeinden Bosanska Gradi¹ka, Lakta¹i, Banja Luka, Prijedor, Sanski Most, Kotor Varo¹, Mrkonjiæ Grad und Kljuè.
5. Wenngleich sich bei globaler Sicht Anzeichen einer Beruhigung aus­machen lassen, herrschen vor Ort noch immer und allzuoft die Macht der Ge­setzlosigkeit und das Recht des Stärkeren vor! Dies schafft bei einer großen Anzahl von Menschen dieses Gebiets, die Minderheiten angehören, ständige Unruhe und Unsicherheit! Da ich Sie sowie die offizielle Hallung der Regie­rung der RS bezüglich der Zukunft aller loyalen Bürger dieses Gebiets kenne, wo wir schon jahrhundertelang ansässig sind, appelliere ich im Namen aller zu Unrecht Bedrohten nochmals inständig an Sie und an alle zuständigen Persön­lichkeiten Ihrer Umgebung, das, was Sie als Errungenschaft der europäischen Zivilisation proklamiert haben und verwirklichen wollen, noch energischer in die Tat umzusetzen, solange Sie diese verantwortungsvolle Stellung innehaben!
Ich danke Ihnen auch bei dieser Gelegenheit für alles, was Sie bisher für die Wiederherstellung eines gerechten Friedens und der einem jeden Menschen eigenen Würde geleistet und beigetragen haben!

 Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

Schreiben übermittelt an:
1. die Apostolische Nuntiatur - Belgrad
2. das Sekretariat der BK BiH - Sarajevo
3. das Sekretariat der HBK - Zagreb

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UNTERNEHMEN SIE ETWAS, DAMIT DEN GEWALTAKTEN GEGEN KATHOLIKEN EIN ENDE GESETZT WIRD!
Schreiben an den Premierminister der RS, Dr. V. Lukiæ
(Prot. Nr. 213/94 vom 20. Mai 1994)

Geehrter Herr Premierminister.
in Ihrem an den Premierminister der HR HB, Herrn Dr. Jadranko Prliæ, gerichteten Schreiben Nr. 01-214/94 vom 21.04.1994, von dem Sie auch mir eine Kopie übersandten, haben Sie ausgeführt, "es ist trotz der schweren Zeiten und des noch immer andauernden Kriegszustands unser Wunsch, daß in der Republika Srpska jeder Kroate tatsächlich sicher ist... Ich bitte Sie daher, von jedem einzelnen Ihnen zu Ohren kommenden Fall einer Störung des friedlichen Lebens der in der Republika Srpska lebenden Kroaten die Regierung der Republika Srpska zu unterrichten, denn wir werden jeweils die vom Gesetz vorgesehenen Maßnahmen ergreifen".
Leider zeugen die Geschehnisse der letzten Zeit vom ganzen Gegenteil. Ich gebe Ihnen nachstehend nur einige Beispiele, die die schwere und alles andere als beneidenswerte Lage der auf dem Territorium der Republika Srpska leben­den Kroaten anschaulich illustrieren.
1. Massakrierung, Mord und Verprügelung
a) Am 15.05. d. J. gegen 22.30 Uhr wurde in der Gemeinde Kotor Varo¹ das Haus von Anto Kuzek überfallen. In dem Haus wohnen Anto und Anica Kuzek. Bei dem von Unbekannten verübten Überfall in seinem Haus erlitt Anto schwere Körperverletzungen im Bereich des Kopfes und der Arme, Anica erlitt leichtere Verletzungen.
b) Am gleichen Tage, also am 15.05. d. J., um 22.45 Uhr ereignete sich ebenfalls in der Gemeinde Kotor Varo¹ ein Überfall auf das Haus von Marijan Kljajiæ, in dem seine fünfköpfige Familie wohnt. Marijan, Kate und Mara Kljajiæ wurden von den maskierten Angreifern körperlich mißhandelt. Marijan und Kate erlitten schwerere Verlegungen am Kopf, Mara wurde leichter verletzt. Die Angreifer nahmen Geld und Wertsachen mit.
Diese Familie war auch im November vergangenen Jahres überfallen und ausgeplündert worden.
c) Vor etwa zwanzig Tagen wurde Anto Aniæ in seinem Haus in der David-©trbac-Straße in Banja Luka überfallen und schlimm zugerichtet. Die An­greifer schlugen ihn auf den Kopf und verletzten ihn mit Messern am ganzen Körper.
d) Am 18.05.1994 gegen 04.00 Uhr wurde in der Jovan-Bijeliæ-Straße Nr. 82 in Banja Luka das Haus von Pejo und Zora Pranjiæ von Bewaffneten überfallen. Dabei wurde Zora (Jahrgang 1949) mit drei aus einer kleinkalibrigen Waffe auf die Schläfengegend abgefeuerten Schüssen getötet. Ihr Mann wurde verletzt (Durchschuß des linken Ellbogens und des linken Oberschen­kels).
e) Am 19.05. d. J. gegen 21.00 Uhr wurde in der Majevièka-Straße in Banja Luka in seinem Haus Zvonko Dujmenoviæ ermordet, und seine Ehefrau Jelena ringt infolge der bei diesem Überfall davongetragenen Verletzungen mit dem Tode. Zvonko ist Vater von drei minderjährigen Kindern. Sein Sohn Zoran erhielt einen Schlag auf den Kopf. Wie wir erfahren haben, wurde der verstorbe­ne Zvonko mit Eisenslangen, mit denen die Angreifer auch auf seine Frau ein­geschlagen haben, gelötet.
2. Katholiken und Zwangsarbeit - Mobilmachung
Trotz zahlreicher Versprechungen, wonach man Kroaten nicht zur Zwangs­arbeit in Gebiete verbringen werde, in denen gekämpft wird, und man sie wäh­rend der Ableistung menschlich behandeln werde, sagen die Tatsachen etwas ganz anderes aus.
Viele heben an den Trennungslinien Stollen und Schützengräben aus, wobei ihnen vielfältige Demütigungen und Leiden zugefügt werden und ihr Leben tagtäglich in Gefahr ist. Es geschieht auch nicht selten, daß kranke und zu schwerer Arbeit unfähige Menschen zur Zwangsarbeit weggebracht werden. Ich betone erneut, daß meine Gläubigen nichts gegen einigermaßen humane Arbeitseinsätze haben.
Bei verschiedenen "Razzien" werden Menschen ohne jede Erklärung von zu Hause weggebracht, und oft wissen ihre nächsten Angehörigen nicht, wohin man sie verbracht hat.
Tagtäglich erreichen mich Beschwerden und laute Klagen von Menschen, die während der Ableistung der Zwangsarbeit erniedrigt werden.
Mir sind auch Falle bekannt, wo meine Gläubigen gewaltsam zum Mili­tärdienst eingezogen wurden und sich i» den Streitkräften der "Republika Srpska" befinden, trotz Ihrer Versicherung, "was die Mobilmachung von Kroaten, auch in Einzelfällen, betrifft, so haben die Behörden diese verhindert oder abgelehnt".
Im Zusammenhang damit richtete ich am 27.04.1994 an General Kovaèeviæ, den Verteidigungsminister der "Republika Srpska", das Schreiben Nr. 146/94, auf welches ich bis heute noch keine Antwort erhalten habe.
3. Vertreibung aus Wohnungen
Auch weiterhin dauert die Vertreibung (Ausquartierung) von Katholiken aus Wohnungen an, die sie mit jahrelanger mühsamer Arbeit erworben hatten. Ich versichere Ihnen, daß es sich dabei keineswegs um eine "Wohnraumrationalisierung" handelt, wie die hiesigen Behören mir gegenüber oft äußern, und ebensowenig stimmt die Äußerung der Behörden, daß niemand auf der Straße liegen werde. Viele Menschen haben schon lange kein Dach mehr über dem Kopf, und auch der kleinen Zahl der Verbliebenen droht diese Gefahr.
4. Plünderung und widerrechtliche Inbesitznahme privaten Eigentums
Ich weiß nicht, ob man überhaupt noch sagen muß, daß Plünderungen und Wegnahme des Eigentums von Katholiken in allen Gemeinden bzw. Pfar­reien meines Bistums fast tagtäglich zu beoachten sind. Die Menschen haben Glück, wenn die Plünderer sie bei ihrem schmutzigen Tun nicht auch noch ver­prügeln, niederschlagen oder töten.
Neuzugezogene, die die Katholiken als notleidende Nachbarn empfan­gen haben und denen sie insbesondere mit von unserer bischöflichen Caritas angelieferten und verteilten Hilfsgütern halfen, nehmen ihren katholischen Nach­barn oft Wald, Boden und anderes weg. Sie äußern gegenüber den katholischen Nachbarn die Drohung, daß diese wegziehen müssen und ihre "serbische Erde" verlassen bzw. "zu ihrem Tuðman gehen" müssen.
Herr Premierminister, ich wäre wirklich froh, wenn ich schreiben und der ganzen Welt verkünden konnte, daß die Katholiken in der Republika Srpska "sicher" sind. Leider ist das, was ich obenstehend dargelegt habe, nur ein Bruchteil dessen, was meine Gläubigen täglich durchmachen.
Ich schreibe Ihnen dies im Vertrauen darauf, daß Sie im Geiste Ihrer humanistischen Einstellung etwas unternehmen werden, damit dieser Gewalt, die den Katholiken angetan wird, die, wie Sie gut wissen, eine solche Behand­lung in keiner Weise verdient haben, ein Ende gemacht wird. Während ich dies niederschreibe, klingen mir die Wehklagen all der unschuldigen Menschen in den Ohren, die Opfer frecher und vor nichts zurückscheuender Gewalttäter sind, für die menschliches Leben, Würde und Menschenrechte nichts bedeuten.
Hochachtungsvoll

Im Auftrag von Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka:
(Mag. Ivica Bo¾inoviæ, Kanzleivorsteher)

 Schreiben übermittelt an:
Dr. R. Karad¾iæ, Präsident der RS - Sarajevo
die Regierung der HR HB - Mostar
die Apostolische Nuntiatur - Belgrad
das Sekretariat der BK BiH - Sarajevo
das Sekretariat der HBK - Zagreb

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ZU IHREM SCHREIBEN KANN ICH NUR MEINER VERWUNDERUNG UND MEINEM BEDAUERN AUSDRUCK GEBEN
Schreiben an den Religionsminister der RS, Dragan Davidoviæ
(Prot. Nr. 716 A/94 vom 28. Dezember 1994)

Geehrter Herr Minister,
ich habe, gewissermaßen als eigenartigen "Weihnachtsgruß", Ihr Schrei­ben Nr. 208/94 vom 24. Dezember 1994 erhalten. Sie beantworten darin die Schreiben unseres bischöflichen Ordinariats, mit denen wir nur eine Aktualisie­rung bezüglich IHRER Versprechen zur Frage der Garantien und des Schutzes für die religiösen Rechte und Freiheiten der Katholiken in der "Republika Srpska" sowie der ungestörten Arbeit der Caritas des Bistums Banja Luka im gleichen Gebiet beabsichtigten.
Dafür, daß Sie unsere Schreiben beantwortet haben, sage ich Ihnen hier­mit meinen Dank!
Bezüglich des Inhalts Ihrer Antwort kann ich jedoch nur meiner Verwun­derung und meinem Bedauern Ausdruck geben.
Meine Verwunderung bezieht sich auf Ihre für uns unbegreifliche und selbstverständlich nicht annehmbare Verwechslung der religiösen und der hu­manitären Problematik mit der politischen und der des Krieges. Ich kann nicht glauben, daß Sie mich, den katholischen Bischof, als offiziellen politischen oder militärischen Vertreter auch des kroatischen Volkes oder gar als einen offiziel­len politischen oder militärischen Vertreter der Republik Kroatien sehen wol­len. Trotzdem schreiben Sie mir in einer Weise, als ob ich für alle jetzigen, aber auch für alle vergangenen Handlungen kroatischer Politiker, sowohl der von Herzegbosna als auch der der Republik Kroatien, verantwortlich sei! Warum tun Sie das, wo Sie doch gut wissen, in welcher Situation ich mich diese ganze wahnsinnige Zeit hindurch sowohl als Mensch als auch als römisch-katholi­scher Bischof befinde, hier in diesem Gebiet, wo mich die göttliche Vorsehung zur Welt kommen ließ, wo sie mich hingestellt hat, damit ich da lebe?!
Wenn ich mich nicht bemuht hatte, daß in dieser für alle Bewohner dieser Gebiete dramatischen Zeit nicht noch mehr Böses erwächst, wenn ich nicht mit allen Kräften trotz zahlreicher Schwierigkeilen und Gefahren für Leib und Le­ben bestrebt gewesen wäre, zu einem friedlichen Miteinander der Angehörigen der römisch-katholischen Glaubensgemeinschaft und aller anderen um uns herum, besonders der Serben (der orthodoxen und der anderen), beizutragen, und wenn Sie dies bis jetzt nicht bemerkt hätten, gäbe es für mich Ihnen gegenüber wahrhaftig weder etwas zu tun noch etwas zu sagen. Der Umstand, daß leider viel von dem, was ich so innig wünschte, nicht eingetreten ist, bzw. daß viel von dem, was ich verhütet haben wollte, nicht verhindert wurde, ist nicht meine Schuld; die Verantwortung dafür tragen viele andere, die "Despoten" dieses be­klagenswerten, in Sünde und im Bösen versunkenen Landes!
Von Ihnen als der zuständigen Persönlichkeit, die für die mit der wün­schenswerten ungestörten Arbeit aller religiösen Gemeinschaften in diesem Ge­biet zusammenhängenden Fragen in der derzeitigen Regierung der RS betraut ist, habe ich erwartet und erwarte ich, daß Sie die Zuständigkeiten eines Bi­schofs von denen eines Ressortkollegen bei der Regierung oder denen anderer Verantwortungsträger in Verwaltungs- oder Staatseinheiten wie die bereits er­wähnten - Herzegbosna und die Republik Kroatien - unterscheiden können.
Was mein Bedauern angeht, bezieht es sich primär auf die Ereignisse der letzten Wochen im Gebiet von Grahovo und Glamoè. Obwohl es sich, wie Sie sehr gut wissen, dabei nicht um die ersten und auch nicht um die einzigen schmerzlichen Geschehnisse in dieser vom Hauch des Satans verdorbenen Zeit handelt, habe ich, wie jeder human denkende Mensch, dem nicht eine Ideologie oder Politik, sondern der Mensch heilig ist, schon längst mündlich und schrift­lich meine Stimme dagegen erhoben. Ich führe nur ein Zitatbeispiel ausländi­scher Agenturen (DT/KNA) an: "Schärfsten Protest müsse er (Bischof Komarica) beim kroatischen Präsidenten einlegen, wenn wahr sein sollte, was die serbi­sche Seite über Greueltaten von Kroaten an Serben berichtet" (Vatikanstadt, 20. Dezember 1994).
Ich bedaure zutiefst, daß auch dieses Mal weder diejenigen, an die sich meine Proteste richteten, noch diejenigen unter uns, die von ihnen wußten und sie hätten veröffentlichen können, diese Proteste unserer breiten Öffentlichkeit bekanntgegeben haben. Der Herr weiß um die Dinge, und ER wird uns überaus genau nach dem, was wir getan oder aber unterlassen haben, richten!
Böses wird nicht vermindert oder verhindert, indem neues Böses began­gen wird, und schon gar nicht, wenn es Menschen angetan wird, die in keinerlei Verbindung zu jenen stehen, die an einem anderen Ort Böses tun! Dieses Böse in seinen sehr unterschiedlichen Formen, das man uns, den Katholiken dieses Gebiets, trotz unserer erwiesenen Friedfertigkeit bereits seit zweieinhalb Jahren systematisch antut, können die derzeitigen hiesigen Politiker und all jene, die uns von Amts wegen als Menschen mit einem Recht auf die Gewährung der fundamentalen Menschenrechte betrachten müßten, mit nichts rechtfertigen. Man schlägt uns unablässig auf beide Wangen; wir haben keine dritte, die wir auch noch hinhalten könnten, aber wir haben - wie Jesus Christus - auch nicht das Recht, denen, die uns schlagen, zu sagen: Wenn wir schuldig sind, soll man sie beweisen, sind wir es aber nicht, warum schlägt man uns?! (vgl. Joh 18, 23).
Ich bringe hiermit außerdem mein Bedauern (keinen Vorwurf!) angesichts der Tatsache zum Ausdruck, daß Sie sich mir gegenüber verhalten wie in der Fabel der Wolf gegenüber dem Schaf. Während ich nach der Rückkehr nach Banja Luka - wegen der Unterbrechung der Telefon- und Faxverbindungen zu Ihrer Geschäftsstelle in Pale - wiederholte Male durch Ihre Mitarbeiter und Ih­ren S teil vertrete r in der Geschäftsstelle Banja Luka, Herrn Jovo Turanjanin, habe mitteilen lassen, daß ich mich unbedingt schnellstmöglich mit Ihnen und den übrigen Persönlichkeiten, die Sie für die Zusammenkunft angeführt hatten, treffen wolle, haben Sie, obwohl Sie laut Auskunft aus Ihrer Geschäftsstelle zu dem Zeitpunkt in Banja Luka waren, nicht nur nicht auf meine wiederholten Angebote geantwortet. Sie nehmen mir obendrein noch "übel", daß ich es "nicht für angemessen" gehalten habe, auf Ihr "Anerbieten" zu antworten. Hier ist je­der weitere Kommentar überflüssig!
Ebenso drücke ich mein Bedauern wegen des letzten Teils Ihres Briefes aus, wo Sie mir - in wirklich unüblicher drohender Art und Weise - einige ver­meintliche und zwar fremde "Sünden" imputieren und wegen derselben bereits das Urteil gegen mich aussprechen! Aber, im Namen Gottes, nennt sich das etwa Freiheit des religiösen Lebens und Ermöglichung ungestörter seelsorgerischer Arbeit für die im Gebiet der RS lebenden Angehörigen der römisch-katho­lischen Glaubensgemeinschaft?! Ich kann nicht glauben, daß dies auch die offi­zielle Haltung der Regierung der RS ist! Falls dies, was der Herr verhüten möge, zuträfe, wäre die Lage für uns römisch-katholische Christen in diesen Gebieten, wo wir seit Jahrhunderten ansässig sind, viel schlimmer als in der Zeit der wildesten hiesigen Christenverfolgungen seitens der osmanischen Unterdrücker oder der antikirchlichen und antireligiösen Machthaber der jüngeren Vergangenheit!
Ich glaube, daß dieser an mich gerichtete "Weihnachtsgruß" von Ihnen nach irgendjemandes Diktat geschrieben wurde. Dieser Jemand aber tut nicht nur uns, den Katholiken, sondern auch Ihnen nichts Gutes! Schade für Sie per­sönlich. Herr Davidoviæ, daß dieses Schreiben weiter als offizielles Dokument und als ein eigenartiger "Weihnachtsgruß" an die hiesigen Katholiken - die von anderen hohen Vertretern der orthodoxen Serben der RS bis jetzt oft als "ausge­sprochene Friedensstifter" bezeichnet wurden - existieren wird.
Diesen Ihren "Weihnachtsgruß" möchte ich dennoch nicht als Ouvertüre zu den jüngsten schweren körperlichen und psychischen Mißhandlungen unse­rer Gläubigen in der Gemeinde Banja Luka (Pfarrei Barlovci) werten, die er­folgten, als sich dieselben am Weihnachtsmorgen zu einer Gottes Liebe und Güte gewidmeten Feier versammelten! Das, was im Dienst befindliche Ange­hörige der Polizei und des Militärs der RS diesen unschuldigen Zivilisten an jenem Tage angetan haben, ist nicht nur unzulässig, sondern wegen des Verharrens in der faschistoiden Praxis der Zerstörung des Lebens Unschuldiger - heu­tiger und zukünftiger - auch überaus schmerzlich!
Nach meinen bisherigen zahlreichen, aber vergeblichen Appellen und Gesuchen, daß man den Genozid an uns einstellen möge, bin ich tatsächlich nicht mehr sicher, daß es hier jemanden gibt, an den ein Mensch sich wenden kann, wenn es um ein Mindestmaß an Schutz für seine Person und seinen Besitz, geht!
Handeln Sie im übrigen auch zukünftig so, wie Sie wollen, solange Ihnen Gott dies erlaubt!
Wenn ich Ihnen etwas wünschen darf, dann ist es nur dies - möge der Geist Gottes Sie erleuchten, damit Sie Gutes tun, und zwar so viel wie möglich davon! Gleiches wünsche ich mir auch für mich selbst!
Hochachtungsvoll

 Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

Schreiben übermittelt an:
den Premierminister de